Schwetzingen

Karfreitag Graffiti-Aktion mit Pfarrer sorgt für Verwirrung

„Wir sind alle schuld – wir sind Mittäter“

Archivartikel

„Gott ist tot“ – das Nietzsche-Zitat war gestern Nachmittag auf einigen Häuserwänden zu sehen. Jugendliche der evangelischen Kirchengemeinde hatten das Graffiti gesprüht, um den Leuten, die an Gott geglaubt und auf ihn gehofft haben, die Nachricht mitzuteilen.

Die Sprayer-Aktion, unter anderem am Rathaus, rief sogar die Polizei auf den Plan. Besorgte Bürger brauchen aber keine Angst zu haben, die Kreidefarbe geht bald wieder ab. Begonnen hatte die Aktion an der Stadtkirche, als kurz vor 15 Uhr die Glocke zur Todesstunde Jesu läutete. Pfarrer Steffen Groß und Simone Heidbrink, die in der Gemeinde für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, hatten den Ablauf vorbereitet. Der erste Weg führte die Jugendlichen ins Restaurant „Die Planke“, wo Petrus (Groß) und Maria Magdalena (Heidbrink) dabei waren, sich mutwillig zu betrinken. Sie hatten den schlimmen Foltertod Jesu nicht verkraftet und sinnierten darüber, wer Schuld auf sich geladen habe.

Das sei nicht nur Judas: „Wir alle sind schuld, wir sind Mittäter.“ Es folgte ein Zitat aus Walter Jens’ „Die Verteidigungsrede des Judas Ischarioth“, in der es heißt: „Judas ist nichts ohne Jesus, aber Jesus auch nichts ohne Judas.“

Die Verteidigungsrede fand ihre Fortsetzung auf dem Friedhof. Judas gab zu: „Ich habe ihn ausgeliefert. Verraten und verkauft. Für ein paar Silbermünzen.“ Mit den Gedanken, ob wir alle nicht auch Judas sind, endete der Teil am Karfreitag.

Heute um 20 Uhr geht es mit der Passionsgeschichte, die für Jugendliche mehr Relevanz haben dürfte als ein normaler Gottesdienst, weiter. In der Osternacht auf dem Friedhof sind Maria Magdalena und Petrus sowie die anderen Jünger dabei. Aber mit einer neuen Graffiti-Nachricht: „Christ ist erstanden“ und dem Hashtag „Ostern“. vw

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