Schwetzingen

Kiesabbau Schwetzinger Freie Wähler stehen Planvorhaben skeptisch gegenüber / „Es dürfen dafür nicht 42 Hektar Wald abgeholzt werden müssen“

Wird der „Entenpfuhl“ zum Sündenpfuhl?

Schwetzingen/Ketsch.Der Pfuhl. Ein seltsames Wort aus dem Mittelhochdeutschen, im Althochdeutschen noch „pfuol“ genannt, dessen Herkunft selbst der Duden nicht ermitteln konnte, so leitet der Pressesprecher der Schwetzinger Freien Wähler (SFW), Carsten Petzold, eine Mitteilung ein. Darin beziehen die Freiwähler Stellung zu einem Umweltthema, das in den kommenden Jahre für alle Schwetzinger und sonstigen Anrainer bestimmend zu werden scheint.

Konkret gemeint ist das Gewann „Entenpfuhl“ auf Gemarkung Schwetzingen, ein riesiges Gelände Richtung Hockenheim und Ketsch, im Bereich der Abzweigung zur Landesstraße (L) 722, die von dort Richtung Speyer führt. Warum einst das Gewann nach dem bodennahen Kleingeflügeltier, der Ente, benannt wurde, ist nicht bekannt, vermutlich lebten in dem Pfuhl in früherer Zeit wilde Enten. Wieso aber, so Petzold weiter, der „Entenpfuhl“ zum Sündenpfuhl werden könnte, ist sehr wohl bekannt.

„Nach unseren Recherchen“, so die Vorsitzende der SFW, Elfriede Fackel-Kretz-Keller dazu, „plant hier die Firma Heinrich Krieger aus Neckarsteinach ein großes Kies- und Sandabbaugebiet nebst einem komplett neuen Kies- und Betonwerk (SZ berichtete mehrfach). Auf einer Fläche von sagenhaften 42 Hektar, frühere Planungen gingen von etwas mehr als der Hälfte aus, soll der Rohstoff bis in eine Tiefe von 35 Metern für einen Zeitraum von geplanten 35 Jahren abgebaut werden. Dies soll sowohl im Nass- und Trockenabbau geschehen. Die Fläche entspricht etwa 60 Prozent unseres gesamten Schlossgartens. Besonders erstaunlich an dem ganzen Ansinnen ist, dass auf dem kompletten Abbaugebiet derzeit noch ein entsprechend großer Mischwald steht, der dann abgeholzt werden muss.“

Bei einem Vor-Ort-Termin konnte Elfriede Fackel-Kretz-Keller den anwesenden Stadträten der SFW, Carsten Petzold, Ulrike Utz und Peter Lemke, die Dimensionen deutlich machen und gab zu verstehen, dass in der heutigen Zeit wohl niemandem mehr vermittelbar sei, so viele Bäume dem Kiesabbau zu opfern. „Das geht ja gar nicht“, so Lemke und Utz spontan, als ihnen vor Augen geführt wurde, welche Baumbestände verschwinden sollen.

Inwieweit bei einem Kiesabbau bis zu 35 Metern Tiefe die von Schwetzinger Landwirten bewirtschaften Spargel- und Tabakäcker durch mögliche Veränderungen der Grundwasserströme in dem Gebiet beeinträchtigt werden, ist derzeit bloß Vermutung, aber nicht von der Hand zu weisen, so Fackel-Kretz-Keller. Immerhin liegen diese Flächen direkt neben dem geplanten Abbaugebiet. Ebenso befinden sich neben dem geplanten Rohstoffabbaugebiet zwei ehemalige Abfall- Deponien, so Petzold. Ob diese durch den Tiefabbau betroffen sind, ist natürlich bloße Spekulation, sollte aber beachtet werden. Keine Spekulation ist jedoch dagegen, dass ein entsprechendes Planfeststellungsverfahren beim zuständigen Landratsamt des Kreises bereits in der Mache ist, wie es so schön heißt. Hier soll bei einem Scoping-Termin im August der Untersuchungsumfang der Umweltverträglichkeitsprüfung festgelegt werden. Scoping (vom englischen scope) bedeutet in der Bauleitplanung etwa so viel wie Umfang, Abgrenzung, Raum.

Hälfte schon mehr als genug

„Dieses Planvorhaben“, so Petzold und Fackel-Kretz-Keller unisono, „ist in seiner Bedeutung derart umfangreich, dass wir beschlossen haben, mit unserem, zugegebener Maßen noch nicht abschließenden Kenntnissen über das Geplante, den Weg an die Öffentlichkeit zu suchen, um zu gewährleisten, dass hier nicht nur die betroffenen Landesverbände, Kommunen und Antragssteller, sondern auch die Öffentlichkeit rechtzeitig informiert und gehört werden kann. Auch wenn es eine Tatsache scheint, dass dringend neue Abbauflächen für Kies und Sand benötigt werden, weil es scheinbar in unserem Land einen Mangel gibt, sind wir SFW der Meinung, dass dafür nicht 42 Hektar Wald fallen darf, damit ein derart riesiges Abbaugebiet entsteht. Die ursprüngliche Planung der antragsstellenden Abbaufirma mit knapp der Hälfte der Fläche war schon mehr als genug. „Und selbst das ist an dieser Stelle nicht zu rechtfertigen“, so Carsten Petzold in der Pressemitteilung abschließend. cp/zg

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