Schwetzingen

Geschichte Waldstück „Entenpfuhl“ mit einer Gesamtfläche von 42 Hektar liegt auf der westlichen Seite der B39

Wo der Kurfürst auf die Jagd ging

In den zurückliegenden Ausgaben der Schwetzinger Zeitung ist mehrfach das Waldstück „Entenpfuhl“ wegen der Anlage eines Baggersees in die Schlagzeilen gekommen. Doch wo liegt eigentlich das Grundstück genau und woher kommt der seltsame Name?

Der „Entenpfuhl“ liegt auf der westlichen Seite der B39 und erstreckt sich zwischen der Abfahrt auf die A6 und der Abfahrt Hockenheim Nord längs der Straße auf gut einem Kilometer. Die Südbegrenzung des Waldstücks erstreckt sich von der Abfahrt Hockenheim Nord in westliche Richtung der L722. Nach gut 800 Metern kommt die Abzweigung nach rechts „Hockenheimer Landstraße 18“. Folgt man dem erst geteerten Weg und dann weiter dem Feldweg nach Norden findet sich rechts die Westbegrenzung des „Entenpfuhls“.

Das Waldstück bildet die Grenze zu den ausgedehnten Feldern auf der linken Seite, die früher „die kurzen Hardtäcker“ genannt wurden. Der „Entenpfuhl“ hat so im Grundriss ein Dreieck und eine Gesamtfläche von gut 42 Hektar mit einem Bestand von mehreren Tausend Bäumen. Das Waldstück gehört zu dem Gesamtkomplex Hardtwald und bildet dessen Begrenzung nach Westen. Auffallend ist die lange gerade nach Nordosten führende Waldkante, die wie mit einem Lineal gezogen scheint. Wenn auch nach Osten versetzt, wird die Waldkante bis zum Südrand von Schwetzingen weitergeführt. Wahrscheinlich lief hier in historischer Zeit am Waldrand die Straße von Schwetzingen nach Hockenheim. Hier sollte man bei einer eventuellen Realisierung des Baggerseeprojektes auf jeden Fall einmal archäologische Untersuchungen anstreben. Auf der grünen Karte von 1804 wird der Weg „Die Talstrasse“ benannt.

Waldbewirtschaftung im Fokus

Die Gemarkung „Entenpfuhl“wird bereits Ende des 18. Jahrhunderts mehrfach in Zusammenhang mit Rodungen und Holzverkauf in den Schwetzinger Kopialbüchern erwähnt und gehörte wohl zum ausgedehnten Jagdgebiet der im Schwetzinger Schloss residierenden Kurfürsten. Im Vordergrund stand aber für den Entenpfuhl stets die Waldbewirtschaftung, wie der Zeitungsbericht aus dem Januar 1855 zeigt. Geerntet wurden vor allem Forlen (Kiefern) in allen Größen.

Man kann sich vorstellen, dass das geschlagene Holz begehrt war, ließ es sich doch leicht über die Talstrasse abtransportieren. Begehrlichkeiten nach dem Kies unterhalb des Waldes gab es wohl auch schon im 19. Jahrhundert. Im Süden des „Entenpfuhls“ ist auf einer Karte, die wegen der Einzeichnung der Bahnlinie nach den 1880er Jahren datiert werden muss, schon eine Kiesgrube vermerkt. Das dreieckige Grundstück gehört heute zu Hockenheim und ist nicht bebaut, sondern bewaldet.

Den Namen Pfuhl gab es schon im Althochdeutschen als „Phoul“, der bezeichnet heute ein Wasserloch oder einen Tümpel, gemäß dem englischen „pool“. Der „Entenpfuhl“ ist also ein unwirkliches Feuchtgebiet, in dem sich gerne Vögel zurückgezogen haben. Übrigens findet sich der Flurname auch in Heidelberg südöstlich des Diebweges, im Norden von Worms unmittelbar an den Rheinauen und in Aachen und Solingen. Überall dort gibt es Tümpel und Weiher mit dem Namen „Entenpfuhl“ und im ehemaligen Gerbereiviertel von Speyer gibt es heute noch die Hasenpfuhlstrasse.

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