Schwetzingen

Evangelische Stadtkirche Gospelkonzert animiert Zuhörer zum Mitmachen und reißt sie recht schnell von den Bänken / Detlev Helmer sorgt für wunderbares Zusammenspiel

Wo Gesang auf instrumentale Klangkraft trifft

Archivartikel

Wahnsinn! So etwas hat es noch nicht gegeben: Während sich im Eingangssong „Get together“ die eindringlich jazzige Stimme der Solistin Gaby Schneider über den Gospelchor erhob und der Klang zu einer gewaltigen Melodie anschwoll, verschwand der Graben zwischen Altar und Kirchenraum und das Publikum wurde Teil des Geschehens. Alle – bis auf die hinterste Reihe der fast voll besetzten evangelischen Kirche – klatschten und sangen mit.

In dem überwältigenden Konzert unter dem Motto „Gospel meets Brass“ schaffte es Kirchenmusikdirektor Detlev Helmer schon nach den ersten Takten, die Zuhörer aufzuwühlen, zu berauschen und mitzureißen. In solchen Momenten wird Schillers Utopie, wonach alle Menschen Brüder sind, Realität.

Dass sich eine derartige Hochstimmung entfalten und bis zum letzten Ton anhalten kann, liegt einerseits am kraftvollen, energiegeladenen Repertoire, anderseits aber an den Sängern der Kantorei und des Gospelchors, an den Solisten, am wunderbaren Gesamtsound der Begleitband sowie am evangelischen Posaunenchor, der über alles einen feierlichen Glanz legt.

„Get together – wir kommen zusammen im Namen unseres Herrn.“ So begrüßte Helmer die Anwesenden in seiner charmanten Art, „um uns gemeinsam hineinzubegeben in eine Musik, die uns hilft abzuheben von allen Sorgen und die Trost spendet, wenn es uns nicht so gut geht.“ Und weil es sich im Stehen leichter singen und klatschen lässt, forderte er alle auf, sich zu erheben und gemeinsam mit dem Chor die Refrains, die im Programmblatt abgedruckt waren, zu singen und sich im Rhythmus zu bewegen.

So fügten sich alle ein in eine lockere Choreografie, während sich Höhepunkt an Höhepunkt reihte. Großartiges leistete der erweiterte Chor, als er mit schmissigen Stücken wie „Help me, Lord“ und „Have you seen Him“, oder ruhigeren wie „All I want“ sowie „Swing low“ bewies, dass er ein profunder Kenner der Gospel-Arrangements jenseits von „Only you“ ist.

Hintergründige Liedauswahl

Chorleiter Helmer holte alles aus den Sängern heraus, um den Zuhörern einen unvergesslichen Abend zu bescheren. Mit „Oh! What a beautiful city“ gab er hintergründige Denkanstöße zum Thema Abschottung. Hier wird auf ein Bild angespielt, das in der Offenbarung des Apostels Johannes vorkommt und auf einem Fenster der Kirche zu sehen ist. Es nimmt Bezug zur himmlischen Stadt, die zwar von einer Mauer umgeben ist, aber zwölf Tore, je drei in alle Himmelsrichtungen, hat.

Das Ensemble verfügt über großartige Solisten. Schnell ans Herz gewachsen ist einem das Solo von Gabriela Rudolph in „Help me, Lord“, hervorragend auch das von Lis Birk in „Swing low“ und in „When the Trumpets Sound“ kam die packende Stimme von Robert Weiß sehr prägnant zur Geltung. Der fetzige Rhythmus war der Band zu verdanken mit Georg Oberst am Piano, Uwe Dittes am Schlagzeug, Martin Reisinger am Bass, Carsten Röderer an der Trompete sowie Martin Schorb und Frank Rinne am Saxophon, die den gewaltigen Chorgesang befeuerte.

Mit höchster musikalischer Qualität wartete der Posaunenchor Schwetzingen/Oftersheim auf, dessen Potenzial in „Go, tell it on the mountains“ oder „Singin‘ with a sword“ bestens zum Ausdruck kam. Im experimentierfreudigen Arrangement von „Joshua fit de battle of Jericho“, wo sich die Trompete durch Poesie und expressivem Aplomb profilierte, waren es die Reibungen zwischen den Tönen, die den Klängen etwas Festliches, fast Triumphales verliehen. In allen Stücken traten die Instrumentalisten als gut eingespieltes Ensemble hervor.

Als krönender Abschluss des Konzerts wurde ein mitreißendes Medley aus sieben Spirituals dargeboten, in dem die Solistinnen Gaby Schneider und Beate Günther, der Chor und die Instrumentalisten noch mal ihr geballtes Können zeigten und dem Publikum, das stehend sang, klatschte und mit der Zugabe „Oh Happy Day“ den Atem raubte.

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