Schwetzingen

Evangelische Stadtkirche Livekonzert mit Kirchenmusikdirektor Detlev Helmer und Almut Werner / Musiker entlocken Flöte und Tasten rockig-lässige Melodien

Wo Mozart auf die Beatles und Queen trifft

Es ist nicht so, wie es vor Corona war, aber es ist wieder möglich, Liveauftritte zu veranstalten. Wie sehr sich das Publikum darüber gefreut hat, war in der Stadtkirche zu erleben, wo Kirchenmusikdirektor (KMD) Detlev Helmer und die Flötistin Almut Werner ein Livekonzert gaben.

Von den 52 angebotenen Plätzen blieb kein einziger Platz leer. Eigentlich war am vergangenen Wochenende die erste Schwetzinger Orgelnacht anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Förster- und Nicolaus-Orgel geplant mit vier Konzerten an einem Abend, erklärte Helmer in seiner Einführung. Da diese unter den gegebenen Umständen nicht stattfinden konnten, überlegte er, Highlights der Wieslocher Balkonkonzerte, die er gemeinsam mit Almut Werner während des Lockdown sehr erfolgreich angeboten hatte, dem Schwetzinger Publikum vorzustellen. Dabei präsentierten sich die beiden nicht nur als glänzendes Duo, sondern auch als wendige Solisten und feinsinnige Arrangeure.

Und was die Anwesenden zu hören bekamen, war schlicht faszinierend. Immer schon liebte es Helmer, alte Musik mit moderner zu kombinieren, an diesem Abend trafen wieder Barock und Moderne aufeinander. Reizvolle Übergänge entstanden beim Hören, wenn beispielsweise auf Wolfgang Amadeus Mozarts (1756 – 1791) „Türkischer Marsch“ das kurze Stück „Rock around the clock“ von Bill Haley (1925 – 1981), dem Pionier des Rock‘n’Roll, folgte. Das „Largo“ und „Allegro molto“ aus dem Flötenkonzert C-Dur von Antonio Vivaldi (1678 – 1981) spielten die beiden so lustvoll, mit solch effektvoll abgestufter Dynamik, dass sie das Publikum in helle Begeisterung versetzten.

Harmonische Symbiose

Mit atemberaubender Fingerfertigkeit entlockte Almut Werner der Piccoloflöte Töne, die nur so vor Lebensfreude sprühten. In Kontrast dazu erklang das aparte Werk „Reflections“ von Andy Meyers (Jahrgang 1962), das zum Verweilen einlud, zum Nachdenken und gemächlichen Reflektieren. Zwischen der Bassflöte und dem Klavier entstand eine wunderbar harmonische Symbiose, die von den beiden nicht nur Virtuosität auf ihrem Instrument erforderte, sondern auch kammermusikalische Sensibilität im Zusammenspiel. In „gute Laune“ versetzte Almut Werner die Zuhörer mit dem von ihr komponierten Stück „Good Mood“. Mit wendigem charismatischem Spiel, leichtem Wippen und schalkhaftem Blick zwischen den Einsätzen der Blockflöte entzückte sie die Zuhörer. Vollkommen konträr zur traditionellen Orgelmusik erwies sich ein Werk für Orgel solo, das Detlev Helmer darbot. Mit dem Stück „Rondo alla latina“ von Hans-André Stamm (Jahrgang 1958) stellte er ein zeitgenössisches Orgelwerk vor, das nicht einfach die populäre Musik kopiert, sondern ganz eigene kompositorische Wege geht. Die durch tänzerische Elemente lateinamerikanischer Musik aufgelockerten Rhythmen brachte Helmer wunderbar zu Gehör sowie den überwiegend heiteren schwungvollen Charakter der Komposition. Dabei nutzte er die klanglichen Möglichkeiten der großen Orgel aufs Schönste aus.

Graziös getanzt konnte auch beim „Rondeau Hongrois“ werden, einem Walzer, den der österreichisch-ungarische Oboist und Csakanvirtuose Ernest Krähmer (1795 – 1837) komponiert hatte, wie Almut Werner in ihrer Moderation informierte. Ebenfalls schwer fiel es dem Publikum, die Beine stillzuhalten beim „Araber-Tanz“, eine Volksweise sephardischer Juden, so meisterhaft ließ die Flötistin orientalischen Rhythmus durchscheinen, perfekt vom Pianisten unterstützt.

Was danach folgte, war eine kurzweilige Hommage an die Beatles und an Abba mit den gemeinsam arrangierten Stücken für Klavier und Blockflöte, darunter „Yesterday“ von John Lennon (1940 – 1980) und Paul McCartney (Jahrgang 1942), oder „Money, money, money“, „Thank you for the music“, komponiert von Benny Andersson (Jahrgang 1946) und Björn Ulvaesus (Jahrgang 1945).

Zu einem seltenen Hörgenuss wurden „Summertime“ von George Gershwin (1898 – 1937) und „Those were the days“, dem größten Erfolg der britischen Sängerin Mary Hopkin (Jahrgang 1950). Als gleichberechtigte Partner holten die beiden aus diesen Werken eine reiche Palette verschiedener Klangfarben und Charaktere heraus. Werner gefiel mit einem in allen Registern gleichermaßen kultivierten Ton, Helmer setzte da, wo sein Part dominierte, deutliche Akzente, konnte aber auch zurücktreten, um die Melodien der Flöte zu grundieren. Für den begeisterten Applaus bedankten sie sich mit einer Zugabe, dem Hit der britischen Rockband Queen, „We are the champions“.

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