Schwetzingen

Kleine Planken Caritasverband präsentiert seine Kampagne „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ mit einem Zimmer mitten auf der Straße

Wohnen ist ein Menschenrecht

Eine Couch, ein Sessel, ein Tisch und ein Teppich. An der Wand eine Kommode, in der Ecke eine Stehlampe. Einige Passanten schauen gestern verwundert in das Wohnzimmer auf den Kleinen Planken. Ein paar bleiben stehen und fragen, was das Zimmer auf der Straße bedeutet. „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ heißt das Motto der Caritas-Kampagne, die den Mangel an bezahlbarem Wohnraum, nicht nur in den Ballungszentren, in den Fokus stellt.

Die Wohnungslosenhilfe des Caritasverbandes für den Rhein-Neckar-Kreis hat die Aktion in die Fußgängerzone transportiert. Ein Wohnzimmer mitten in der Stadt – Matthias Gött und seine Firma Findus Metropol haben das Mobiliar zur Verfügung gestellt – soll der Öffentlichkeit Anstoß zum Nachdenken geben. „Die Wohnungsnot ist extrem groß, auch im Rhein-Neckar-Kreis, auch in Schwetzingen“, sagt Kerstin Schmid, Standortverantwortliche der Fachberatungsstelle für Wohnungslose und Betreutes Wohnen beim Caritasverband.

Steigende Mietpreise

Rund 270 Menschen seien allein in der Spargelstadt auf der Suche nach einem Dach über dem Kopf. Wohnungslose, die bei Freunden übernachten, irgendwo im Zelt oder im ungeheizten Wohnwagen schlafen müssen. Alleinstehende Personen, aber auch Familien oder Alleinerziehende mit Kindern.

Vor dem Wohnzimmer auf den Kleinen Planken freuen sich Schmids Kollegen Mario Rudloff, Benjamin Weis und Beate Breuer-Kreutzer, dass die Kampagne hier so gut ankommt. Steigende Mietpreise und fehlender Wohnraum machten es immer schwieriger oder sogar unmöglich, dass Menschen eine Wohnung fänden. Beate Breuer-Kreutzer von der Stabsstelle Caritas und Pastoral nimmt eine Brückenfunktion zwischen verbandlicher und gemeindlicher Caritas wahr. In der Arbeit in den Seelsorgeeinheiten geht es um den gesellschaftlichen Zusammenhalt: „Wir wollen das Miteinander stärken.“

Markus Mäurer vom Referat Wirtschaftliche Hilfen im Sozialamt des Kreises kommt vorbei. Er ist Ansprechpartner für Heidelberg und den Rhein-Neckar-Kreis, wenn es um Hilfen für Menschen in Not geht. Ursula Igel, Geschäftsführerin des Diakonischen Werks Südliche Kurpfalz, sowie Stefan Dugeorge und Peter Schneider von der Beratungsstelle des Caritasverbandes schauen um die Mittagszeit ins Wohnzimmer. Auch Pfarrer Friedbert Böser und Diakon Michael Barth-Rabbel von der katholischen Seelsorgeeinheit informieren sich.

Perspektiven eröffnen

Wohnungslose befänden sich in einer prekären Lebenslage, die durch den Mangel an preisgünstigem Wohnraum zusätzlich erschwert werde. Das gelte für Schwetzingen, Hockenheim, Neulußheim, Altlußheim, Brühl, Ketsch, Plankstadt und Oftersheim, zählt Kerstin Schmid Gemeinden aus dem Verbreitungsgebiet unserer Zeitung auf. Vorrangiges Ziel sei es, Wohnungslosigkeit zu vermeiden sowie den Betroffenen eine Perspektive für ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe zu eröffnen. Das sei oft ein schwieriges Unterfangen, vor allem, wenn Gemeinden ihrer Verpflichtung nicht nachkämen, Wohnraum für Obdachlose zu schaffen.

„Wohnen ist ein Menschenrecht“ erklärt der Caritasverband Deutschland seine Kampagne als Teil der dreijährigen Initiative zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Jeder Mensch hat das Recht auf eine Wohnung – so steht es seit 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Eine entscheidende Ursache für die Knappheit an bezahlbarem Wohnraum sei der Verlust an Wohnungen mit Sozialbindung, erläutert der Caritasverband in seinem Positionspapier. Die Kommunen seien „zentrale Akteure in der Wohnungspolitik, sie müssen als wohnungspolitische Verantwortungsträger eine aktive Rolle einnehmen“. Die massiv angespannte Lage am Wohnungsmarkt sei „nichts Neues und hinreichend bekannt. Der ruhende soziale Wohnungsbau der vergangenen Jahre zeigt immer deutlicher seine Auswirkungen“, mahnt die Fachberatungsstelle im Jahresbericht 2017.

Bezüglich der Unterbringung in Notunterkünften habe sich der Kontakt zu Städten und Gemeinden eher verschlechtert. Die Unterbringungssituation sei nach wie vor oft „menschenunwürdig“. Im vergangenen Jahr befanden sich über 240 Klienten im Kontakt mit der Fachberatung, wobei 168 Personen erstmalig vorgesprochen hatten. Das sind beängstigende Zahlen. Dabei braucht doch jeder Mensch ein Zuhause.

Info: Informationen unter www.zuhause-fuer-jeden.de oder www.caritas-rheinneckar.de.

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