Schwetzingen

Rathaus Silke Feurer übernimmt Baurecht von Mechtild Müller / Klimaschutz, Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung kommen dazu

Wolfgang Leberecht leitet neues, großes Querschnittsamt

Archivartikel

Zuerst war es nur ein Gerücht, das sich in Schwetzingen verbreitete. Es lautete: „Silke Feurer übernimmt das Baurechtsamt, Mechtild Müller geht in Ruhestand.“ Eigentlich eine Personalie, die nicht unbedingt eine Geschichte auf der ersten Lokalseite dieser Zeitung rechtfertigt. Wenn nicht „die Müller“ als quasi höchste Instanz in Baufragen einen solchen Ruf in dieser Stadt genießen würde. Wenn der Name fällt, dann schwingt darin immer etwas zwischen Hochachtung, Ängstlichkeit und manchmal auch Verärgerung mit.

Wie sagt es Bürgermeister Matthias Steffan so schön: „Mechtild Müller ist hochkompetent und war immer loyal unserer Stadt gegenüber. Und das in einem sehr sensiblem Umfeld in einer hoheitlichen Aufgabe, die klaren Regelungen unterliegt und in der es auch oft ein Nein gegenüber einem Bauherren geben muss“, sagt Steffan. Und Oberbürgermeister Dr. René Pöltl ergänzt das noch: „Dabei sind manchmal Bauherren auf ein Vorhaben auch schlecht vorbereitet oder schlecht beraten.“

Seit 1991 hatte Mechtild Müller das Baurechtsamt gemanagt. Das Baugebiet Schälzig war ihr erstes Großprojekt. Zuletzt hat sie die Digitalisierung vorangetrieben, die virtuelle Baugenehmigung soll im August möglich sein. Silke Feurer, die bisher als Juristin im Ordnungsamt tätig war, übernimmt also ein gut bestelltes Feld.

Aber das ist längst nicht die wichtigste und einschneidendste Änderung im Personalkarrusell der Stadt. Denn mit dem Generationswechsel im Baurechtsamt wird es zum 1. Januar 2021 eine komplette Umorganisation des Bereiches geben. An der Spitze eines neuen Amtes für Klimaschutz, Stadtentwicklung, Wirtschaft und Bauordnung mit 20 Mitarbeitern steht künftig Wolfgang Leberecht (58), der bisher die Stabsstelle Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit leitete.

„Wir haben uns bewusst gegen eine Besetzung von außen entschieden und wollen eine verdienten Kollegen befördern, der schon eine tolle Vernetzung innerhalb der Stadt besitzt“, sind sich Steffan und Pöltl einig. Die bisherige Schnittstellenproblematik wolle man dadurch beseitigen. Denn potenzielle Investoren kamen mit ihren Anliegen in verschiedenen Bereichen an und mussten dann koordiniert werden. „Mit der neuen Struktur erwarten wir uns größere Transparenz unseren Bürgern gegenüber und eine Öffnung der Prozesse“, sagt Pöltl. Es könne dann alles aus einer Hand gehen.

Die Themen, die ja erst einmal unterschiedlich wirken und nicht typischen althergebrachten Ämter- und Dezernatsstrukturen entsprechen, ergeben in ihrer Konzentration doch Sinn, wenn man an die beiden großen Vorhaben Pfaudler-Areal und Gewerbegebiet Ausbesserungswerk denkt. Unter Leberechts Leitung wird Silke Feurer als Stellvertreterin den Sachbereich Bauordnung und Wirtschaftsförderung betreuen. Patrick Cisowski leitet die Stabsstelle Klimaschutz, Energie und Umwelt. Und bei ihm dockt sich Mathias Welle mit seinem Amt für Stadt- und Verkehrsentwicklung an.

Fachwissen weitergeben

Welle wird bis zur Pensionierung noch zwei Jahre lang in Schwetzingen tätig sein und seinen über 20-jährigen Erfahrungsschatz an die Nachfolger weitergeben. „Das ist mir wichtig, denn die Stadt wird Herrn Welle nicht ersetzen können“, sagt OB Pöltl und meint damit sicherlich zweierlei: Dass gerade im boomenden Bauwesen Positionen wie ein Stadtbaudirektor kaum noch besetzt werden können. Und zum anderen ja das damals unter Pöltls Vorgängern politisch motivierte Konstrukt, die Stadtentwicklung vom Bauamt zu entkoppeln und mit zwei Amtsleitern zu besetzen. „Ich will mein Wissen und viele Impulse mit einbringen“, sagt Welle und verweist dabei auf zahlreiche Erfolge, die man durch klare Perspektiven mit Investoren zusammen erreichen konnte. Durchaus vorausschauend, wie beispielsweise beim Decathlon-Neubau, wo man eine Dachbegrünung und eine Solaranlage durchsetzte.

„Es ist eine Riesenaufgabe und ich freue mich total über das Vertrauen, das ich bekomme“, sagt Wolfgang Leberecht im Gespräch mit dieser Zeitung. „Alle Teams funktionieren schon heute sehr gut. Ich muss jetzt meine Themen Pressearbeit (Nachfolgerin ist Andrea Baisch) und Gemeinderat loslassen und mich in die neuen Dinge vertiefen“, sagt Leberecht, der 1992 von Mannheim hierher wechselte.

Ein Thema , bei dem er froh ist, auf Welles Erfahrung bauen zu können, wird das Gewerbegebiet Ausbesserungswerk Süd sein, wo man auf die mindestens 10 Millionen Euro teure Sanierung der Wagenrichthalle durch Decathlon und zwei weitere Ansiedlungen hofft („Pöltl: „Vielleicht sehen wir Ergebnisse plus minus zum Jahreswechsel“). Und natürlich das Pfaudler-Areal, wo jetzt die Planungen für den ersten Bauabschnitt in die Gremienberatung gehen und dann die Bürger einbezogen werden sollen, damit in der zweiten Jahreshälfte 2021 der Bau beginnen kann. Welle ist zuversichtlich: „Die Pläne sehen sehr gut aus, es wird viel Grünflächen geben und ein großer Aufwand in Sachen Lärmschutz vor der Bahn betrieben.“ OB Pöltl verrät, dass es für die geplante Brücke Richtung Innenstadt einen positiven Zwischenbescheid für einen 50-Prozent-Zuschuss des Bundes gebe. Da ist also eine Menge zu tun für die Neuen und für die, die noch ein wenig bleiben. Und Pöltl sagt klar: „Auch nach Frau Müller wird es noch öfters ein Nein geben.“

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