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Gert Häusler vermisst das Florett in unserer Kommunikation

Neulich in der Abendschau des SWR, der Co-Moderator nimmt einen Beitrag zur erneuerten Steinmeyer-Orgel in der Mannheimer Christuskirche als Schmunzel-Überleitung auf die 21.45-Uhr-Nachrichten. Darauf seine Kollegin im Abspann mit verschmitztem Lächeln: "Die Wortspiele hierzu verkneife ich mir jetzt."

Schade, ich hätte gerne noch erfahren, welche Gedanken ihr bei diesem Satz im Kopf herumgingen. Führen doch Twitter-Kaskaden und andere Schnellschuss-Mitteilungen nicht nur bei präsidentiellen Verlautbarungen oder öffentlichkeitsheischenden Promis, sondern auch bei uns ganz normalen Menschen zu einer zwanghaften Verkürzung der Sprache.

Ob dies auch zur Verkürzung des Denkens führt, sei erstmal dahingestellt, Wissenschaftler untersuchen dies hoffentlich. Auf jeden Fall verschwindet aber aus unserer Kommunikation eine gewisse Leichtigkeit. Zwischentöne, auch etwas ironische Formulierungen, womöglich garniert mit Selbstironie, dem Sich-selbst-nicht-ganz-so-wichtig-nehmen, gibt guten Gesprächen erst Fluss und lässt so manche Klippen leichter umschiffen. Humor, nicht plumpe Brachialwitze oder ewig gleiche Plattitüden, können ein Florett sein, die Clipsprache ist eher der Holzhammer.

Politisch befürchte ich, dass inzwischen von einigen völlig humorlosen Menschen an den Schaltknöpfen der Macht mit Holzhammerformulierungen aus dem Eskalations-Textbaukasten Situationen herbeigeführt werden, die zumindest in Europa lange Zeit nicht mehr vorstellbar waren. Wäre es nicht schön, wenn zwischendurch, wie von Kleist geschrieben, Zeit für die "Verfertigung des Gedankens beim Reden" wäre? Wahrscheinlich ein Wunschtraum.

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