Schwetzingen

Abschied Dr. Bodo Schmidbauer beendet seine Hilfsaktion für Afrika und andere soziale Projekte

Zufrieden, stolz und wehmütig

„Ich hab’s immer gern gemacht, es war eine Aufgabe, auf die man sich gefreut hat.“ Zufrieden und zurecht auch mit Stolz blickt Dr. Bodo Schmidbauer (Bild) zurück – aber auch etwas wehmütig. Vier Jahrzehnte hat er Sachspenden gesammelt, um sie dann für karitative Zwecke wie die Afrikahilfe, den Konvoi der Hoffnung, die Flutopferhilfe und damit das Waisenhaus in Sri Lanka oder die hiesigen Kindergärten einzusetzen. Jetzt hat er einen Schlussstrich gezogen.

„40 Jahre sind genug. Alter, Gesundheit und familiäre Gründe sind der Anlass, dass ich meine bisherigen aktiven Bemühungen, soziale Projekte zu unterstützen, schweren Herzens und mit entsprechender Wehmut aufgeben muss“, erzählt der 87-jährige Schwetzinger und muss schmunzeln, wenn er zurückblickt: „Ich könnte Bücher schreiben.“

Angefangen hat alles etwa 1980, als ihn ein Mannheimer Unternehmerehepaar ansprach, ob er ihnen einige Türen bei sozial aufgeschlossenen Firmen öffnen könnte – für Hilfsprojekte in Afrika. Damals war Schmidbauer als Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar und Hauptgeschäftsführer des Groß- und Einzelhandelsverbandes Baden-Württemberg bestens vernetzt. „Bei etwa 4000 Unternehmen fand ich immer wieder hinreichend Kontakt- und Vermittlungsmöglichkeiten für meine sozialen Anliegen“, erzählt er. Dabei ging es immer nur um Sachspenden, nicht um finanzielle Mittel.

Anfangs drehte es sich vorwiegend um Vorhaben in Tansania. Später kamen für ihn private Hilfsprojekte in Kenia, Burkina Faso und der Elfenbeinküste hinzu. „In den ersten Jahren gingen weit über 100 Überseecontainer in die weite Welt“, erinnert er sich.

Darin war sehr viel Kleidung, die er von den Entsprechenenden Unternehmen bekam – Ausstellungsstücke, Restbestände, Fehldispositionen, Überproduktionen, Muster oder Stücke mit kleinen Fehlern. Bodo Schmidbauer sammelte und verschickte aber nicht nur Textilien, sondern auch Schuhe, Lebensmittel, Krankenhausbetten, Rollstühle, fußbetriebene Nähmaschinen, Brillen Gehhilfen, Medikamente, Saatgut („Das wäre sonst vernichtet worden“), Waschmittel zumeist nach Afrika und Asien. „Dafür gilt allen Firmen und Unternehmen mein herzlichster Dank“, betont er.

Besuche in Tansania und Kenia

Adressaten waren beispielsweise Krankenhäuser, Behindertenheime oder Gehörlosenschulen. Der Schwetzinger hatte direkt Kontakt zu dort arbeitenden Chefärzten und Schwestern. „Ich war mehrfach in Tansania und Kenia.“ Zuerst hatte er die Güter nur vermittelt, dann hat er die Aktion selbst übernommen und mit einem kleinen Helferteam die vielfältige Arbeit bewältigt.

Im Laufe der Jahre änderten sich die Zielgruppen, weil immer mehr staatliche Hilfsorganisationen und Ministerien vieles übernahmen. Danach unterstütze Dr. Bodo Schmidbauer andere Projekte und Hilfsaktionen – etwa das Schwetzinger Engagement für die ungarische Partnerstadt Pápa, das Waisenhaus in Sri Lanka oder den „Konvoi der Hoffnung aus Oberhausen-Rheinhausen. „Das waren dankbare Abnehmer und Kooperationspartner.“ Zudem ermöglichte er vielen Familien gegen geringe Spendenbeträge die Versorgung mit Textilien, Schuhen oder Sportausrüstung. Das gesammelte Geld kam wiederum den hiesigen Kindergärten zugute.

Dank an die Stadt

Gerade gegenüber der Stadt war dies auch ein Dankeschön von Schmidbauer. Denn sie hatte ihm immer wieder Räume zur Verfügung gestellt, nachdem sein Keller daheim zu klein geworden war. Erst residierte er mit seinem Lager im heutigen Theater am Puls, danach in der ehemaligen Firma Hillebrandt in der Friedrichstraße, anschließend im Bahnhof sowie in einem Haus, das bis zu seinem Abriss für den Kaufland-Neubau leer stand.

Zuletzt war sein Domizil im einstigen Krankenhausgebäude in der Maximilianstraße. „Mein Dank gilt allen Firmen, meinem Team von Helfern und last but not least der Stadtverwaltung für die Bereitstellung geeigneter Räume für die Einlagerung der Warenspenden und die Abwicklung meiner Aktivitäten. Die Stadt kümmert sich jetzt auch um seinen Restbestand.

„Irgendwie tut es mir leid“, sagt Dr. Bodo Schmidbauer abschließend. „Es war Ablenkung und Abwechslung für mich.“ Bild: Archiv

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