Speyer

Glücksteinquartier Erstmals legt die Stadt auf unsere Nachfrage hin Zahlen auf den Tisch

93 Millionen fürs neue Technische Rathaus

Mannheim.Was kostet der Neubau des Technischen Rathauses im Glücksteinquartier die Stadt? Wie viel Miete muss sie an ihre eigene Tochtergesellschaft zahlen? Und wie viel Geld gibt die Kommune für die Sicherung des bisherigen Technischen Rathauses aktuell eigentlich aus? Seit vielen Monaten ist über diese Fragen viel gesprochen worden, es wurden Zahlen genannt – hinter verschlossenen Türen. Öffentlich hingegen hüllte sich die Stadtverwaltung in Schweigen. Zu den Kosten gab es auf Nachfragen unserer Zeitung und anderer Medien keine genauen Auskünfte – und vor allen Dingen keine Zahlen.

Somit war lange Zeit – anders als bei Großprojekten wie der Kunsthalle, dem Ochsenpferchbunker oder aktuell dem Nationaltheater – völlig unklar, wie viel Geld der Steuerzahler eigentlich aufwenden muss für den Verwaltungssitz. Erst jetzt reagierte das zuständige Dezernat IV von Bürgermeister Lothar Quast (SPD) auf eine erneute Anfrage. Dieses Mal auch unter expliziter Berufung auf das im Landespressegesetz festgeschriebene Informationsrecht der Medien. Damit bestätigen sich Informationen dieser Zeitung, wonach das neue Technische Rathaus im Glücksteinquartier 93 Millionen Euro kosten wird. Darin sind nach Angaben der Stadt alle Kosten enthalten, also neben dem eigentlichen Bau auch für Planung oder den Wettbewerb. Ursprünglich waren deutlich niedrigere Summen im Gespräch, in einer Vorlage aus dem Jahr 2015 ist die Kostenobergrenze von 57 Millionen Euro netto für die Ausschreibung genannt.

Obergrenze längst überschritten

Exakte Summen für das Gesamtprojekt wurden danach nicht mehr öffentlich. Weil die Stadt das Gebäude nicht selbst baut, tauchen auch keine Kosten in dem öffentlich einsehbaren Haushalt auf. Bauherr ist die städtische Tochtergesellschaft GBG, die Stadt tritt dann als Mieter auf.

Auch die Frage nach der monatlichen Miete hat die Stadtverwaltung auf Anfrage jetzt beantwortet. Der Preis liege bei 15,32 Euro pro Quadratmeter Monatsmiete. Bei einer Fläche von knapp 20 000 Quadratmetern käme man auf rund 300 000 Euro Miete im Monat, im Jahr also 3,6 Millionen Euro, die die Stadt an die GBG überweisen muss.

Bei der Frage, warum das Dezernat bislang keine aktuellen Kosten für das neue Technische Rathaus veröffentlichte, verweist der zuständige Bürgermeister Lothar Quast direkt auf die GBG als Bauherrin: Die Gesellschaft veröffentliche üblicherweise nicht die Gesamtkosten für ein Bauprojekt vor Vertragsabschluss mit dem Generalunternehmer. Der Vertrag ist allerdings seit Mitte Mai unterschrieben.

Derzeit sind zahlreiche Fachbereiche der Dezernate IV (Planung, Bauen, Vekehr, Sport) und V (Umwelt, Bürgerservice, Technische Betreibe) im kleinen Turm des Collini Centers untergebracht. Dieses aktuelle Technische Rathaus ist marode, die Stadt muss hier seit Ende 2012 ständig für die Fassadensicherung sorgen, damit niemand von herabfallenden Betonteilen getroffen wird. „Die Sicherungsmaßnahmen belaufen sich auf monatlich durchschnittlich 38 250 Euro, darin enthalten sind Gerüststellung, Zaunstellung und Absicherungsmaßnahmen durch Sprießen im UG-Bereich der Tiefgaragen“, schreibt jetzt die Stadtverwaltung in ihrer Antwort auf Anfrage unserer Zeitung.

Die letzte Information, die die Verwaltung zu dem Thema veröffentlichte, stammte aus dem Jahr 2013: Damals war von 75 000 Euro Kosten pro Monat die Rede. Jetzt teilt die Stadt mit, dass seit Mitte 2013 „rund 2,5 Millionen Euro“ für die Sicherung bezahlt worden sei.

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