Speyer

Konzert Speyerer Motettenchor erstmals unter neuer Leitung durch Stephan Rahn / Er hat seine Sache sehr gut gemacht

Ahnungsvolles Hoffen inmitten der Trauer

Speyer.Ein besonderes Konzert unter besonderen Umständen: Der von Marie Theres Brand 1986 gegründete Speyerer Motettenchor singt unter neuer Leitung. Stephan Rahn hat das Vokalensemble in diesem Jahr übernommen. Nun stand der erste Auftritt bevor. Im Mittelpunkt des Konzerts in der Kirche St. Joseph: Maurice Duruflés Requiem.

Seinen Einstand versah Stephan Rahn mit einem Dank an die frühere Chorleiterin, die im Publikum saß. Ein bewegender Moment, dem der Pianist und Organist eine erkenntnisreiche Konzerteinführung folgen ließ. Diese befasste sich vor allem mit dem Stil des Requiems, das in der Gregorianik wurzelt und seine traditionelle Herkunft deutlich unterstreicht, das zugleich in die Musik der Spätromantik und – mit expressiver Aufweitung – des französischen Impressionismus überführt wird.

Rahns Bitte, auf den Applaus am Ende des Konzerts zu verzichten und dafür dem gravitätischen Klang der tiefsten Glocke zu lauschen, wurde in der gut besuchten Kirche entsprochen. Duruflés Requiem führt auch zu allererst in die Tiefe, in die Stille, dorthin, wo ernste Angelegenheiten zwischen Leben und Tod entschieden werden. Ohnehin wirkt Beifall nach einem Kirchenkonzert meist wie eine Störung, die ein empfindliches Gewebe zerreißt; man sollte häufiger darauf verzichten dürfen.

Domorganist begleitet mit Gefühl

Vom „Introitus“ an entfaltete sich in der Josephskirche ein voluminöser Kathedralklang, den Domorganist Markus Eichenlaub an der Wilbrand-Orgel mit fließenden Bewegungen und ausdifferenzierten Registern nah ans Ideal der französischen Romantik rückte. Ein tragender Fluss, der den Chorgesang vorantrieb und ihm Grund und Orientierung gab.

Duruflé hat Orgel und Gesang auf enge Weise miteinander verzahnt, sodass man kaum von einer Instrumentalbegleitung sprechen kann. Der Motettenchor ließ ausdrucksstarke, kräftige, und in den Höhen des Soprans klar strahlende Stimmen hören. In einzelnen Passagen – etwa in der Bitte um Befreiung und Errettung im „Domine Jesu Christe“ – entfachte er dramatische dynamische Steigerungen, die sich in irisierenden Schwebungen auflösten.

Von herausragender Qualität auch die Vokalsoli von Pia Knoll (Mezzosopran) und Florian Küppers (Bariton), die für Momente tiefer Versenkung sorgten – so in der Sopranarie des „Pie Jesu“ mit Cellist Johannes Vorholz – und als eindringliche Glaubensaussagen überzeugten, etwa in der von Küppers mit warmer Inbrunst vorgetragenen „Hostias“-Partie.

Auf das flirrende Schimmern im Schwellwerk und die das Paradies verklärenden Chorstimmen im Schlussteil des Requiems setzte umgehend die tiefe Glocke der Josephskirche ein. Ein denkwürdiger Moment, in den noch einmal der aufwühlende Konzertbeginn nachhallte. Denn auf das Hauptwerk des Abends hatte Markus Eichenlaub mit Petr Ebens schroffem und zerrissen wirkendem Requiem für Orgel aus den Zyklus „Faust“ vorbereitet.

Scharfe Sekundreibungen, dissonante Zerklüftungen und ein motorisch rhythmisches Grundmuster ließen am Ende dieses Kirchenjahres die Begrenztheit allen Lebens spürbar werden. Die absteigenden Bewegungen in Louis Viernes „Marche Funèbre“ wehten ein wenig Grabeskälte in die Speyerer Josephskirche.

Die Endlichkeit des Seins

Auch das vom Chor a cappella vorgetragene Stück aus einem Requiem des spanischen Renaissance-Komponisten Tomás Luis de Victoria widmete sich der Endlichkeit des Daseins, während Markus Eichenlaub im „Paradisum“ von Théodore Dubois mit seiner impressionistischen Anmut und seinen sanft funkelnden Begleitfiguren sowie einer leicht tremolierenden Melodiestimme ahnungsvolles Hoffen anklingen ließ.

Ein Ausblick, der auch für den Speyerer Motettenchor unter der Leitung Stephan Rahns gelten dürfte. Nach dieser Premiere kann von Requiem-Stimmung jedenfalls keine Rede sein.

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