Speyer

Volksbank Kur- und Rheinpfalz Prächtige Geschäftsentwicklung / Wachstum bei Krediten / Neuer Name bietet Raum für weitere Zugänge

Alle Zeichen stehen auf Fusion

Archivartikel

Speyer/Region.„Sie sehen einen gut gelaunten Vorstand“, sagte dessen Vorsitzender Rudolf Müller zu Beginn der Bilanzpressekonferenz der Volksbank Kur- und Rheinpfalz gestern früh in der Zentrale in Speyer. „Wir haben 2018 Ergebnisse erzielt, die sehr überdurchschnittlich sind und eines der besten Geschäftsjahre je hinter uns.“ Die Zahlen geben ihm recht. Die Bilanzsumme ist um 308 Millionen Euro auf jetzt knapp 3,6 Milliarden gestiegen. Das ist ein sattes Plus von 9,4 Prozent. Das liegt vor allem an den Kundenkrediten, die jetzt 2,68 Milliarden betragen, 8,4 Prozent mehr als 2017. Da konnten die Steigerungsraten bei den Kundeneinlagen nicht ganz mithalten, die liegen ebenfalls um 119 Millionen höher bei jetzt 2,55 Milliarden Euro, ein Plus von 4,9 Prozent.

Müller sagte es frei raus: „Das liegt daran, dass wir im Raum Speyer weitere Marktanteile dazugewonnen haben. Die Umsatzzuwächse sorgen auch für einen um 300 000 Euro höheren Jahresüberschuss von rund 8,1 Millionen Euro, die wieder eine Dividende von 4,5 Prozent für die 58 341 Mitglieder der Genossenschaftsbank möglich machen und natürlich eine Erhöhung des Eigenkapitals, das jetzt schon mit 390 Millionen Euro deutlich über den Forderungen der europäischen Gesetzgeber liegt, die 2023 erreicht werden müssten.

Fusionsvorbereitungen laufen gut

Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für die Fusion mit der RV Bank Rhein-Haardt, die ja im Oktober 2017 verkündet worden war. Es gibt auch schon einen Namen: Die neue Bank soll, sofern die Gremien alle zustimmen werden, Vereinigte VR-Bank Kur- und Rheinpfalz heißen. „Vielleicht schließen sich ja in Zukunft noch weitere Institute auf der pfälzischen Seite an. Der Name würde auch dann noch passen“, sagte Rudolf Müller mit einem Lächeln. Derzeit bereite man die technische Fusion vor, die im Oktober erfolgen soll. Aber davor steht noch eine wichtige Sache, die Vertreterversammlungen beider Banken müssen noch zustimmen. Die RV Bank tagt am 5. Juni in Frankenthal, die Voba Kur- und Rheinpfalz am 6. Juni in Speyer. Geplant sei, die bisherigen Aufsichtsratsmitglieder alle zu übernehmen, und auch der Vorstand wird komplett an Bord bleiben, mit Rudolf Müller, Dirk Borgartz, Winfrid Szkutnik und Till Meßmer aus der übernehmenden Speyerer Bank sowie Mathias Geisert und Thomas Sold aus der übergebenden RV Bank. Wobei sich das dann sechsköpfige Gremium im Sommer 2020 schon wieder um eine Person reduzieren wird, da Winfried Szkutnik dann seinen 65. Geburtstag nutzt, um in den Ruhestand zu gehen, kündigt er an.

Übrigens haben Mitarbeiter und Kunden das Versprechen, dass es keine fusionsbedingten Kündigungen oder Filialschließungen geben wird. Natürlich werde man auch künftig genau hinschauen, wo die Frequenz in den Filialen noch deren Fortbestand sinnvoll mache, so Müller. Aber da es ja keine Überschneidungen im Geschäftsgebiet gebe, müsse derzeit keine Schließung veranlasst werden.

Szkutnik sagt, die neue Bank sei dann mit einer Bilanzsumme von mindestens 4,86 Milliarden Euro, Kundenkrediten in Höhe von 3,6 Milliarden und Einlagen von 3,61 Milliarden, mit 775 Mitarbeitern, 35 Auszubildenden sowie 185 000 Kunden die zweitgrößte in Rheinland-Pfalz und auf Platz 11 deutschlandweit. Mit mehr als 500 Millionen Euro Eigenkapital sei man hervorragend aufgestellt und in der Lage, auch große Projekte zu finanzieren.

Aber zurück zur Bilanz der jetzigen Volksbank Kur- und Rheinpfalz: In den vergangenen beiden Geschäftsjahren floriert vor allem der Kreditbereich. Allein 2018 wurden 752 Millionen Euro neu ausgereicht. Privat- und Gewerbekunden halten sich da die Waage, sagte Vorstandsmitglied Till Meßmer. 4050 Anträge stecken hinter dieser Summe. Die Einzelsummen steigen und das liege vor allem an den steigenden Immobilienpreisen, die finanziert sein wollen. Bei den Firmenkunden gibt es die klassischen Ausbau- und Maschinenkredite, Immobiliendarlehen, aber immer öfter auch die Finanzierung von Nachfolgeregelungen, die inzwischen 20 Prozent der Finanzierungen ausmachen, so Meßmer weiter. Und Rudolf Müller machte deutlich, dass die Volksbank weiterhin sehr genau hinschaue und prüfe und keinesfalls die Richtlinien bei der Kreditvergabe gelockert habe, wie gelegentlich von großen Geschäftsbanken berichtet werde. Dass nun im zweiten Jahr schon die Kreditsumme die Kundeneinlagen übersteige sei kein Problem, da man sich bei der EZB zu Nullzinsen refinanzieren konnte. Das ändere sich aber nun durch die Fusion auch wieder, dass das Verhältnis der beiden Werte bei der RV Bank andersherum sei, so Müller weiter.

Alles ist auch online möglich

Dirk Borgartz informierte über die technischen Neuerungen im Bankgeschäft. Denn obwohl sich die Volksbank zur regionalen Verankerung vor Ort mit ihren Geschäftsstellen bekennt („das bleibt auch so!“) haben die Genossenschaftsbanken online kräftig aufgerüstet. „Zahlungsabwicklung per Pay Direkt, das Scannen der Rechnungen und überweisen per Handy, das System Kwitt für Kleinbeträge, das kontaktlose Zahlen, wir bieten inzwischen 18 digitale Services an“, sagte Borgartz. Und noch dieses Jahr soll eine weiterer digitale Entwicklung vor Ort hinzukommen, über die man aber noch nicht mehr verraten möchte. „Die Datensicherheit hat bei uns aber immer oberste Priorität“, so Borgartz. Die Zahl von Fehlern bei Online-Geschäften liege 2018 bei unter zehn, die dann auch noch vom Kunden selbst verursacht worden seien. „Im Unterschied zu reinen Direktbanken schauen die Mitarbeiter hier bei größeren Auslandsüberweisungen genau hin und rufen den Kunden auch mal persönlich an, ob das seine Richtigkeit hat“, so Borgartz.

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