Speyer

Dreifaltigkeitskirche Dr. Klaus Bümlein und Dr. Armin Schlechter stellen literarisches Werk „Emil Lind und Albert Schweitzer“ vor

Befreundet seit ihrem Studium der Theologie

Speyer.Lesungen und Buchpräsentationen erfreuen sich in zunehmendem Maße großer Beliebtheit. So verwundert es nicht, dass die Erstvorstellung eines neuen literarischen Werkes mit dem Titel „Emil Lind und Albert Schweitzer“ am Dienstagabend in der Dreifaltigkeitskirche mit zirka 160 Besuchern ebenfalls auf eine außergewöhnliche Resonanz stieß. Besondere Willkommensgrüße galten Emil Linds 92-jährigem Sohn Walter aus München und dem 91-jährigen Kunstmäzen Dr. Berthold Roland aus Mannheim, die seit ihrer Jugend einen freundschaftlichen Umgang miteinander pflegen. In einer kurzen Ansprache erinnerte Walter Lind daran, wie gerührt er gewesen sei, als er vor einem Jahr über die geplante Herausgabe der Publikation informiert worden sei, die nun in großartiger Form vorliege.

Herausgeber des Buches, das die nahezu lebenslange Bekanntschaft des Friedensnobelpreisträgers Albert Schweitzer (1875 bis 1965) mit dem Speyerer Pfarrer Emil Lind (1890 bis 1966) beleuchtet, sind Dr. Armin Schlechter vom Landesbibliothekszentrum und Oberkirchenrat a. D. Dr. Klaus Bümlein, ehemaliger Bildungsdezernent der Evangelischen Landeskirche der Pfalz. Das 256 Seiten starke Werk editiert und erläutert erstmals den Briefwechsel zwischen dem weltberühmten Theologen, Philosophen, Musikwissenschaftler und Arzt von Lambarene und Lind, der zu den profiliertesten Pfälzer Pfarrern im 20. Jahrhundert zählte. Lind war unter anderem Herausgeber der Zeitschrift „Der Speyerer Protestant“.

Lind erwarb 1929 als Hauptorganisator der Jubiläumsveranstaltung „400 Jahre Protestation in Speyer“ große Verdienste. Wegen seiner Nähe zu den Nationalsozialisten war er jedoch nicht unumstritten. Das ließ auch Kirchenpräsident i. R. Eberhard Cherdron in seiner Einführung anklingen. Cherdron stufte die Hinwendung Linds zu den Nationalsozialisten als folgenschweren Irrweg ein, der nach Kriegsende zur Suspendierung und 1946 zur zwangsweisen Versetzung in den Ruhestand geführt habe. „Es bleibt rätselhaft, warum der liberale Pfarrer diesen Irrweg ging, ihn als solchen nicht erkannte oder nicht erkennen wollte“, betonte Cherdron.

Eine Fülle von Schreiben

Als Grundlage dienten den Herausgebern 29 mit Datum versehene Briefe von Albert Schweitzer, ergänzt durch Fotos und weitere Dokumente, sowie eine Fülle von Schreiben des pfälzischen Pfarrers an seinen Korrespondenzpartner. Das Albert Schweitzer-Konvolut wurde im April 2011 auf Initiative von Dr. Bümlein vom Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz bei einer Auktion der Berliner Autographenhandlung Stargardt erworben. Geschrieben wurden die Briefe in den Zeiträumen 1928 bis 1936 und 1946 bis 1965.

Der am 22. Mai 1890 im pfälzischen Schwegenheim geborene, seit 1925 als liberaler Pfarrer in Speyer wirkende und am 15. Dezember 1966 in der Domstadt verstorbene Emil Lind hatte Albert Schweitzer bereits als Theologiestudent in Straßburg kennengelernt. Vor allem ab 1929, als Lind Albert Schweitzer zum Protestationsjubiläum für einen Vortrag über Lambarene in der Gedächtniskirche gewinnen konnte, entwickelte sich eine intensive Briefverbindung. Lediglich von 1937 bis 1945 unterbrochen, hielt sie bis zu Schweitzers Ableben im Jahre 1965 an. Wie eng die Beziehung war, ist einem Brief Schweitzers vom 17. Februar 1964 zu entnehmen, in dem er Lind als einen seiner ältesten und liebsten Freunde bezeichnet. Zwischen 1948 und 1964 verfasste Lind, den die Universität Heidelberg 1931 mit der Ehrendoktorwürde auszeichnete, auch mehrere biografische Arbeiten über seinen Lehrer und Freund Albert Schweitzer.

Mitherausgeber Klaus Bümlein hat die biografischen Werke Linds zu Schweitzer untersucht und dessen Predigten interpretiert. Armin Schlechter konzentrierte sich auf die intensive Tätigkeit Linds als Reiseschriftsteller. Studienrätin Carolin Schäffer verfasste eine ausführliche Biografie des Pfarrers. Den Briefwechsel selbst hat Schweitzer-Forscher Professor Dr. Werner Zager auf 90 Seiten zusammengefasst. Weitere Beiträge liefern die Pfarrer i. R. Udo Sopp und Gerhard Vidal.

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