Speyer

Bemerkenswert unnötig

Markus Mertens meint, der SWR verhebt sich in seinen Kapazitäten

Wenn 14 000 Menschen im Technik-Museum gemeinsam mit seinem Familienfest auch den Südwestrundfunk (SWR) feiern, ist der ungeschriebene Tauschhandel vorher klar vereinbart: Menschen kommen günstig an Karten für eine Veranstaltung, die sie unter anderen Umständen mindestens das Doppelte kosten würde und der Sender generiert damit jenen Zuspruch, der ihm auch in Zukunft die Zuschauer vor den heimischen Fernsehschirmen garantiert.

Das ist ein legitimer Kompromiss – wenn er denn aufgeht. Denn statt sich auf einige ausgewählte Aktionen zu beschränken, die in einer zugänglichen Vielzahl angeboten werden, präsentiert sich der SWR nicht nur programmatisch von der Landesschau bis „Kaffee oder Tee“, vom Kochformat „Marktfrisch“ bis hin zum Polittalk „Zur Sache!“ entsprechend breit, sondern verhebt sich zwischen Tigerente und Hüpfburg kolossal in seinen Kapazitäten. Wohin das Auge blickt, dominieren epische Warteschlangen das Gefilde.

Als wäre es für viele Gäste nicht bereits genug gewesen, in der Mittagszeit bis zu eine Stunde für Speisen und Getränke anzustehen, verwandelt sich die Lust der Kinder an den Spielangeboten in oft endlosen Warteminuten zum Frust der Eltern, deren anfängliche Euphorie in der Hitze eines spätsommerlichen Septembertages sukzessive verdampft.

Wie es erfahrene Profi-Organisatoren eines öffentlich-rechtlichen Senders zudem zulassen können, dass es vor dem Konzert mit Wincent Weiss an der Absperrung fast zu Tumulten kommt, weil die Sicherheitskräfte die begrenzten Kapazitäten direkt vor der Bühne grauenvoll bis gar nicht kommunizieren, darf man sich völlig zu Recht fragen.

Dass der Veranstalter damit eben jenen Zuspruch verspielt, den er eigentlich hatte erzielen wollen, steht außer Frage – und bleibt dennoch bemerkenswert unnötig.

 
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