Speyer

Landesbibliothek Dr. Wilhelm Kreutz stellt Holocaust-Buch vor

Bibelforscherin und Kommandant begegnen sich

Archivartikel

Speyer.Zwei Menschen begegnen sich Anfang der dreißiger Jahre in Mannheim und treffen sich Jahre später am furchtbarsten Ort der Welt wieder: In Auschwitz. Das Buch „Der Kommandant und die Bibelforscherin – Rudolf Höß und Sophie Stippel“ von Dr. Wilhelm Kreutz und Karin Strobel erzählt die Geschichte vom Lagerkommandanten und der Bibelforscherin. Die Präsentation des Buches findet am Mittwoch, 13. März um 19 Uhr im Landesbibliothekszentrum/Pfälzische Landesbibliothek in Speyer statt.

In der Quadratestadt begegneten sich einst Höß und Stippel, doch ihr weiterer Lebensweg konnte unterschiedlicher nicht sein. Zum einen Rudolf Franz Ferdinand Höß, der sich nach dem Ersten Weltkrieg dem Freikorps Roßbach anschloss, um nach einer fünfjährigen Zuchthaus-strafe 1928 dem völkischen Bund „Die Artamanen“ beizutreten und der letztlich 1933 bei der SS landete. In den Konzentrationslagern Dachau und Sachsenhausen stieg Rudolf Höß vom Block- zum Schutzhaftlagerführer auf, bis er als Kommandant von Auschwitz den industriellen Massenmord an den europäischen Juden organisierte.

Der Willkür der SS ausgesetzt

Zum anderen Sophie Stippel, die sich nach dem frühen Tod ihrer Tochter Amanda den Zeugen Jehovas anschloss. Im Dritten Reich wurde sie als „Ernste Bibelforscherin“ kriminalisiert und von 1936 bis 1938 inhaftiert. Anschließend war Stippel bis 1945 der Willkür der SS-Schergen in den Konzentrationslagern Lichtenburg, Ravensbrück und Auschwitz ausgesetzt. Sie überlebte alle Strapazen – zuletzt als Köchin des Auschwitzkommandanten.

Halbwahrheiten aufdecken

Nicht zuletzt wird es aber darum gehen, die Halb- und Unwahrheiten der Autobiographie von Rudolf Höß aufzudecken, die bis heute in Forschung und Literatur fortgeschrieben wurden. Dabei sollen vor allem seine Kindheits- und Jugendjahre anhand amtlicher Dokumente und Quellen dargestellt werden.

Wilhelm Kreutz, Professor für Neuere und Neueste Geschichte der Universität Mannheim war von 2002 bis 2014 im Schuldienst des Landes Baden-Württemberg tätig und von 2008 bis 2014 Fachberater für Geschichte und Landesgeschichtsbeauftragter.

Er ist Autor von weit über 100 Publikationen, vor allem zur Geschichte der Aufklärung, der demokratischen Bewegung im deutschen Südwesten, zur deutsch-jüdischen Geschichte und zur Rezeption von Humanismus und Reformation im 19. und 20. Jahrhundert. Der Eintritt zur Buchvorstellung ist frei. zg

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