Speyer

Blumen einer Dreijährigen

Ich liebe fröhliche und glücklich wirkende Kinder. Ganz sicher beruht das bisweilen auch auf Gegenseitigkeit. Das bekam ich frühmorgens deutlich zu spüren: Kurz vor 8 Uhr war ich beim Bäcker Brötchen holen und stand mit dem Fahrrad am Berliner Platz an der roten Fußgänger-Ampel. Neben einer jungen Mutter, die im Buggy den Sohn und zwei Mädchen bei sich hatte. Da kommt plötzlich die Kleinere der beiden, höchstens dreieinhalb Jahre alt, auf mich zu und schenkt mir eine kleine hellblaue Blume, die sie offensichtlich vor ein paar Minuten unterwegs aus einem Blumenbeet gepflückt hatte, und sagt zu mir: „Die ist für dich!“ Ich freue mich und meine: „Das ist aber ganz lieb von dir, vielen Dank.“ Das rührt sie so, dass sie nochmals mit einer rötlichen Blüte zu mir kommt: „Die ist auch für dich.“ Nun erzählt sie mir, dass sie alle mit ihrer Mama auf dem Weg in den Kindergarten sind.

Als die Ampel auf Grün um-springt, will das Flower-Power-Mädchen mir auch noch ihr letztes Fundstück, eine rosafarbene Rose, schenken. Die nehme ich jedoch nicht an und erkläre ihr, dass ich die beiden Blüten zuhause gleich in eine kleine Vase stelle und sie mit der Rose ihrer Erzieherin im Kindergarten eine Freude machen soll. „Oh ja, das mach ich, ruft sie und geht zur Mami zurück. Die grinst nur zu mir rüber und hat keine Zeit für einen Kommentar, da sie ihren Nachwuchs sicher auf die andere Straßenseite bringen möchte.

Und ich radle mit Brötchen und frischen Blumen in der Satteltasche nach Hause. Und wenige Tage nach Muttertag ist für mich irgendwie schon Vatertag. Dass die beiden zarten Blütenstile fast im Väschen untergingen, störte nicht. Es war die Geste, die mich – den Buben-Vater – fasziniert hat.

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