Speyer

Mutterhaus Künstler Wolf Spitzer übergibt Plastik von Caroline Fliedner an die Diakonissenanstalt

Büste als mahnende Botschaft für Humanität

Archivartikel

Speyer.Im Fliedner-Saal des Mutterhauses der Diakonissen erinnern seit Oktober vergangenen Jahres Wolf Spitzers Bronzebüsten von Pfarrer Theodor Fliedner (1800 bis 1864) und seiner ersten Ehefrau Friederike (1800 bis 1842) an das Ehepaar. 1836 in Kaiserswerth bei Düsseldorf gründeten sie die weltweit erste Evangelische Diakonissenanstalt (wir berichteten). Nun hat die Büste von Fliedners zweiter Frau Caroline (1811 bis 1892) dort ebenfalls ihren Platz gefunden.

Die drei Werke der humanistisch geprägten Persönlichkeiten sind nach Intention Spitzers auch als mahnende Botschaft an unsere Gesellschaft zu verstehen, in der humanitäres Gedankengut immer mehr verloren geht. Eingeweiht wurde die Caroline-Büste in Anwesenheit von Kirchenpräsident Dr. Christian Schad am Diakonissen-Jubiläumstag Christi Himmelfahrt.

Ferner zeugt seit einigen Tagen am Eingang zur Mutterhaus-Kapelle ein weiteres Kunstwerk Spitzers in Form eines außergewöhnlichen bronzenen Kreuzes vom Können des Speyerer Bildhauers. Über die Entstehung und Bedeutung von Büste und Kreuz informierten bei einem Pressegespräch Pfarrer Dr. Günter Geisthardt, theologischer Vorstand der Diakonissen Speyer-Mannheim, Oberin Isabelle Wien und Wolf Spitzer. Beide Kunstwerke sind Bestandteil eines Auftrages, den die Diakonissenanstalt dem Künstler anlässlich ihres 160-jährigen Bestehens erteilte.

Im Dienste der Mitmenschen

Wie die Büsten von Theodor und Friederike Fliedner legt auch die zeittypisch gefertigte, die Persönlichkeit von Caroline Fliedner betonende Plastik Zeugnis ab von einer tiefen humanistischen Grundhaltung und der früh gewonnenen Erkenntnis, anderen Menschen helfen zu müssen und zu wollen. Als eines von neun Kindern geboren, trat Caroline nach der Schulausbildung eine Stelle als Erzieherin an. Ab 1840 wirkte sie als Oberaufseherin im Hamburger Krankenhaus St. Georg, wo sie Theodor Fliedner kennenlernte und ihn 1843 nach dem Ableben seiner ersten Ehefrau heiratete. Im Diakonissenhaus Kaiserswerth trat sie als Vorsteherin auch die Nachfolge der verstorbenen Friederike an.

Über den Tod ihres 1864 gestorbenen Mannes hinaus übte sie das Amt 40 Jahre lang aus. Da Theodor Fliedner zu Lebzeiten im Zuge seiner missionarischen Aktivitäten national und international viel auf Reisen war, bewältigte sie als seine Vertreterin auch Manageraufgaben und hatte somit großen Einfluss auf die positive Entwicklung des Gesamtwerkes. Weitere Stationen ihres umfangreichen sozialen Engagements im Dienste der Mitmenschen waren Berlin, Dresden, Frankfurt, Worms und Saarbrücken.

Oberin Isabelle Wien betonte, dass Caroline Ehefrau, mehrfache Mutter, Managerin und Vorsteherin in einer Person gewesen sei. In diesen Funktionen habe sie Nächstenliebe praktiziert und darin eine innere Zufriedenheit gefunden. Auf der Suche nach der eigenen Balance und Kraft könne man sie sich „uneingeschränkt zum Vorbild nehmen“, erklärte die Oberin. „Dass unsere heutige Diakonissenanstalt fest auf den Säulen Pflege, Bildung, Ausbildung und Erziehung ruht, ist rückblickend auch ein Verdienst der Gründerväter und -mütter.“

Spitzers zweites Kunstwerk, das circa 150 mal 100 Zentimeter messende Bronzekreuz am Eingang zur Kapelle, hat seinen Ursprung in den zerrissenen Strukturen des Auwaldes auf der Landzunge am Neuen Rheinhafen Anfang der 80er Jahre. Spuren von Großmaschinen, erhebliche Baumschäden, aufgewühlte Erde und verrostete Gerätschaften waren seinerzeit nicht zu übersehen.

Diese Eindrücke verarbeitend, stehen für Spitzer die zersplitterten Enden des Bronzekreuzes für die Verwundung der Natur durch den Menschen und in seiner Spiritualität für die Leiden Christi.

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