Speyer

Kunst Zoran Petrovic stellt sein „Quarantäne-Tagebuch“ in der Galerie Kulturraum vor

Corona als Inspiration

Archivartikel

Speyer.Die Corona-Krise hat auch die Kunstszene schwer getroffen. Andererseits scheint sie für satirisch veranlagte Künstler eine unerschöpfliche Inspirationsquelle zu sein. So auch für den Maler, Zeichner und Bildhauer Zoran Petrovic aus Karlsruhe, der am Sonntag sein „Quarantäne-Tagebuch“ in der Galerie Kulturraum vorstellte.

Dass die Galeristen Maria Franz und Anton Bronich in der Einladung von einem Muss für alle Freunde der Doppeldeutigkeit und des Humors schwärmten, kommt nicht von ungefähr. Der Karikaturist, Illustrator und Designer veröffentlichte bisher etwa 20 Bände mit satirischen Inhalten. Seine Werke werden weltweit in Galerien und Ateliers ausgestellt. Zudem ist sein Urteil als Jurymitglied bei internationalen Festivals gefragt. Entsprechend groß war die Resonanz bei der Signierstunde am Sonntagnachmittag. Die internationale Wertschätzung des Künstlers und sein außergewöhnliches Potenzial lässt sich schon vom Vorwort ableiten, in dem die als Professorin für Illustration an der Akademie für Bildende Kunst in Venedig tätige Marilena Nardi es als Privileg bezeichnet, dass sie die Zeichnungen zum Tagebuch als eine der Ersten zu sehen bekam.

Mit einem Schuss Humor

Die Seite für Seite mit humorvollen Darstellungen bebilderte Softcover-Broschüre ist mit Vorwort, Künstlerbiografie und Bildtiteln in Deutsch, Englisch und Französisch versehen. Sie umfasst den Zeitraum vom 26. März bis 8. Juni. Mit einem gehörigen Schuss Humor hat Petrovic nuancenreich alle Facetten der Pandemie verarbeitet. So thematisiert die grafische Chronik des Geschehens neben der Boshaftigkeit des Virus auch Wahnvorstellungen von Verschwörungstheoretikern, den fallweisen Wahnwitz politischer Reden und die Strapazen des medizinischen Personals.

Da ist beispielsweise der mit einem Senior schachspielende Gevatter Tod, der seine Züge mit Figuren in Virenform vornimmt, während sein gegenüber Toilettenrollen in Position bringt. Wohl um die Abstände in seinem Sinne zu regeln, ist die personifizierte Allegorie des Todes in einer anderen Zeichnung mit Metermaß und Sense unterwegs. Zu sehen ist auch, dass das Virus selbst dem normalerweise allmächtigen Gottvater gedanklich schwer zu schaffen macht. Zudem rührt ein Alchemist in einem Kupferkessel eine Virensuppe an, die wohl eine andere Wirkung entfalten soll, wie das dem Druiden Miraculix in der Comic-Serie Asterix immer so trefflich gelingt.

In einer Darstellung vom 29. April ist der langbärtige Herrgott offensichtlich mit seiner Geduld am Ende. Dem Schulterklopfen auf seinen Vordermann folgt die unmissverständliche Ansage: „Luzifer, Schluss mit dem Spiel!“ Ganz so erfolgreich wie gewünscht war der Herr der Heerscharen dann doch wohl nicht, denn einige Seiten weiter stehen der Justitia ob des Ungleichgewichtes von Virus und Mammon auf ihrer Waage die Haare förmlich zu Berge. Alle Motive sind auch als Kunstdruck im Din-A3-Format für 240 Euro erhältlich. Die Auflage ist auf jeweils zwölf Exemplare begrenzt. mey

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