Speyer

100 Jahre Frauenwahlrecht Festvortrag und Ausstellung erinnern an harten Kampf

Damenwahl für die Demokratie

Speyer.Vor 100 Jahren wurde das aktive und passive Frauenwahlrecht eingeführt. „Auch wenn dies ein bedeutender Schritt auf dem Weg zur Gleichberechtigung von Männern und Frauen war, sind die Ressentiments in der Gesellschaft gegenüber Frauen noch immer nicht abgebaut,“ so das Resümee von Oberbürgermeister Hansjörg Eger bei einem Pressegespräch. Eger erinnert daran, dass noch bis in die 1970er Jahre der Ehemann das Arbeitsverhältnis seiner Frau ohne deren Kenntnis oder Zustimmung kündigen konnte.

Gleichstellungsstelle und Stadtarchiv wollen mit der Erinnerung an den harten Kampf der Frauen vor 100 Jahren für dieses demokratische Recht, demokratiemüde Bevölkerungsteile wachrütteln. Am morgigen Mittwoch um 17 Uhr laden sie zum Festvortrag und zur Ausstellung „100 Jahre Frauenwahlrecht“ in den Historischen Ratssaal ein. Nach Grußworten von OB Eger und Staatssekretärin Christiane Rohleder vom Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz in Rheinland-Pfalz, folgt der Festvortrag von Prof. Dr. Susanne Liebig.

Die Historikerin an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe erörtert unter dem Titel „Weil wir es nicht verantworten können, dass die größere Hälfte der Nation vom Wahlrecht ausgeschlossen ist – der lange Kampf ums Frauenwahlrecht“ unter welchen gesellschaftlichen und politischen Bedingungen die Frauen – nicht nur in Europa – um ihr Wahlrecht gekämpft haben. Ferner wird Liebig am Beispiel der deutschen Frauenstimmrechtsbewegung verdeutlichen, wie unterschiedlich Forderungen und Vorgehensweisen der Frauen waren, wie gut sie sich international vernetzten und welche Handlungsspielräume sie zum Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts nutzten.

Den starken Frauen, die sich für das Frauenwahlrecht und die Gleichberechtigung eingesetzt haben, eine Stimme geben, will auch das Trio „Damenwahl“ mit Barbara Dees, Mareike Ott und Rosemarie Tritschler.

Den Kampf um die politische Gleichberechtigung und das Wirken politisch aktiver Speyerer Bürgerinnen bis hin zur Landes- und Bundesebene veranschaulicht die Wanderausstellung „100 Jahre Frauenwahlrecht“, die die Gleichstellungsstelle der Stadt mit Unterstützung des Stadtarchivs erarbeitet hat. Im Hinblick auf die Kommunalwahlen 2019 hoffen die Macherinnen, dass die Steckbriefe der Stadträtinnen auf den Ausstellungstafeln Frauen motivieren, selbst zu kandidieren.

Zum historischen Hintergrund

Am 12. November 1918 verkündete der Rat der Volksbeauftragten die Einführung des gleichen, geheimen, direkten und allgemeinen Wahlrechts für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen. Ihre politische Gleichberechtigung verdankten die Frauen weder der Stimmrechtsbewegung noch ihrer Mitarbeit in den Parteien oder ihrem Einsatz an der „Heimatfront“ im Ersten Weltkrieg, sondern dem revolutionären Umbruch im November 1918. In der Zeit der ersten deutschen Demokratie gehörten auch dem Speyerer Stadtrat Frauen an, die sich als „Stadtmütter“ vor allem sozialpolitisch engagierten. 1933 beendeten die Nationalsozialisten ihre politische Betätigung.

„Die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland stellt einen Meilenstein in der Geschichte der Demokratie und im Kampf um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern dar. Dass vor 100 Jahren noch die Hälfte der Bevölkerung vom Wahlrecht, eines der wertvollsten Güter unserer Demokratie, ausgeschlossen war, ist heute für viele Menschen unvorstellbar“, unterstreicht Archivleiterin Christiane Pfanz-Sponagel. Gleichstellungsbeauftragte Lena Dunio-Özkan rückt in den Fokus, dass es bis in die Gegenwart Länder gibt, in denen Frauen nicht oder nur eingeschränkt wählen dürfen. „Mit unserem Beitrag zu 100 Jahre Frauenwahlrecht, möchten wir verdeutlichen, dass es an uns allen ist, das weiterzuentwickeln, was vor 99 Jahren errungen wurde und was noch zu tun bleibt“, appelliert Dunio-Özkan. zg

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