Speyer

Speyer Hedwig Drabik jüngste Dombaumeisterin Deutschlands

Denkmalpflege im Auftrag des Herrn

Archivartikel

Speyer.„Als die Einladung zum Vorstellungsgespräch gekommen ist, hat mein Herz einen Hüpfer gemacht“, erzählt Hedwig Drabik mit leuchtenden Augen. „Diese Stelle war schon immer mein großer Traum“, sagt die 32 Jahre alte Architektin und Denkmalpflegerin, die sich als jüngste Dombaumeisterin Deutschlands künftig um die größte erhaltene romanische Kirche der Welt kümmern wird. Bange ist ihr davor nicht: „Ich bin sicher, dass mir mein Glaube bei der Arbeit am Dom helfen wird, weil ich dadurch die Anliegen der Menschen, die das Gebäude nutzen, besser verstehen kann.“

Geboren wurde Drabik 1986 im oberschlesischen Mikolow. Als Zweijährige kam sie mit ihren Eltern nach Hessen. „Da ich aus Polen stamme, geht das Katholische bei mir wohl noch etwas tiefer. Und Kirchen haben mich von Klein an fasziniert“, denkt sie zurück. Mit ihren Eltern habe sie im Urlaub viele sakrale Bauten besichtigt. „Meine Mutter ist Krankenschwester und mein Vater Automechaniker, beide sind bodenständige Menschen und so sind wir auch erzogen worden“, berichtet Drabik. Ihr Studium habe ihr neben viel praktischem Wissen den behutsamen Umgang mit der alten Bausubstanz vermittelt. In der Vorbereitung auf ihr Vorstellungsgespräch vor dem achtköpfigen Auswahlgremium habe sie einen ganzen Tag im Dom verbracht „und natürlich erstmal auf Schäden überprüft.“ Ganz im Sinne von Domkustos Peter Schappert: „Wir haben Aufgaben gestellt, die zeigen, ob jemand mit der Bausubstanz umgehen kann.“ Beworben hatten sich 17 Männer und drei Frauen – Drabik war laut Schappert die Beste. Deshalb ist sie nun für den Dom, der zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, sowie für alle baulichen Aufgaben des Domkapitels verantwortlich. So sei ihr erster Arbeitstag dem Baumschnitt auf dem Domkapitelfriedhof gewidmet gewesen, auf dem Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl begraben liegt. Laut Bistum muss sich Drabik um 27 Baumaßnahmen – von der Instandsetzung des Vierungsturms bis zur Restaurierung der Vorhalle – kümmern.

Mannheimer Kirche saniert

Den Dom sei sie mit ihrem Vorgänger Mario Colletto komplett abgelaufen: „Meine Lieblingsplätze sind die Krypta, weil man da ganz bei sich sein kann, und die Aussichtsplattform im Südwestturm. Denn diesen Blick auf die gesamte Dachlandschaft bieten nicht viele Kirchen.“ Höhe macht Hedwig Drabik übrigens gar nichts aus: „Ich habe die Mannheimer Konkordienkirche saniert, deren Turm 96 Meter hoch ist, da muss man schwindelfrei sein.“

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional