Speyer

Gedächtniskirche Mozart-Sinfonie und Haydn-Messe mit der Kantorei und dem Kantatenorchester

Der Friede hat das letzte Wort

Archivartikel

Speyer.Als „zwei Glanzpunkte der Wiener Klassik“ angekündigt, wirkt die Zusammenstellung der Werke Mozarts und Haydns dennoch ein wenig erzwungen. Denn Mozarts große g-Moll-Sinfonie hat mit Haydns „Nelson“-Messe in der Tat wenig gemein. Gleichwie: In der Gedächtniskirche erleben die Zuhörer ein Konzert, das den trüben Novemberabend ein wenig aufhellt.

Dennoch bewahrt das Heidelberger Kantatenorchester im Kopfsatz der Mozart-Sinfonie durchaus verschattete g-Moll-Stimmung. Kirchenmusikdirektor Robert Sattelberger gibt am Pult ein gemäßigtes Tempo vor, das sich von den hurtig-federnden Gangarten moderner Orchester diszipliniert, beinahe stoisch absetzt. Agogische Feinheiten gehen in der halligen Kirchenakustik freilich unter; dennoch gelingen den Holzbläsern mit Flöte, Klarinette und Fagott bezwingende Einsätze, die für Farbtupfer sorgen.

Auch das Horn dringt mit samtig-sonorem Klang durch, und mit einem temporeichen, prägnant akzentuierten Finale gibt sich Mozart in dieser sakralen Kulisse als stürmischer Rebell die Ehre. Von g-Moll-Schwere ist zu diesem Zeitpunkt nichts mehr zu verspüren.

Die Zuversicht des Beters

Da wirkt das mächtige Kyrie in Haydns Messe durchaus anschlussfähig. Zumal die Speyerer Kantorei die Zuversicht des Beters nach göttlichem Erbarmen mit beherzten Einsätzen unterstreicht. Sopranistin Stefanie Dasch hat von Beginn an eine anspruchsvolle Partie: Koloraturen und Spitzentöne werden ohne „Warmlaufen“ verlangt, und die Sängerin erweist sich dieser schwierigen Rolle von Beginn an gewachsen, wenn auch mit gelegentlicher metallischer Schärfe in der Stimme.

Doch die ist mit Blick auf die kraftvolle Klangkulisse offensichtlich nötig. Auch die herausragenden Vokalsolisten Simone Pepping (Alt), Rüdiger Linn (Tenor) und Philip Niederberger (Bariton) legen ihre ganze Kraft in ihre Gesangsvorträge, denn die responsorische Struktur, der Wechsel zwischen Tutti und Soli, verlangt scharfe Präsenz. Dirigent Sattelberger kennt da nichts; Chor und Orchester entfalten nahezu durchgängig ein hohes Volumen. Die Gesangssolisten gestalten ihre Partien mit geschliffenem Ausdruck und fundierten Stimmvermögen.

Entfalten kann sich dies in den kontemplativeren Passagen, etwa im „Et incarnatus est“ oder im „Agnus Dei“, das Solistin Pepping hingebungsvoll anführt. Der Chor lässt ein aufgewühltes „Dona nobis pacem“ folgen. Überhaupt beweist die Kantorei ein hohes Maß an Gesangskultur und leidenschaftlicher Gestaltungskraft. Die Männer- mögen gegenüber den Frauenstimmen zwar leidlich unterrepräsentiert sein, doch das machen Tenöre und Bässe mit selbstbewusstem Ausdruck wett.

Das Konzert klingt auf dem letzten Wort „Pacem“ (Frieden) aus – es wirkt wie hineingerufen in eine Welt in Aufruhr, die auf ein Eingreifen „von oben“ reif zu sein scheint.

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