Speyer

Faktencheck Was die "Richard Löwenherz"-Schau über den Herrscher und seine Pfälzer Zeit enthüllt

Der König zurück am Ort seines Schauprozesses

Speyer.Dass der englische König Richard Löwenherz mit der Pfalz verbunden ist, weiß jeder, der auf dem Trifels war oder den nach ihm benannten Tunnel auf der Bundesstraße 10 bei Annweiler passierte. Doch ob der Herrscher, der auch Herzog der Normandie und von Aquitanien war, auch in Speyer weilte, wie lange er auf dem Trifels festgesetzt war und was dazu geführt hatte, geht über das geschichtliche Allgemeinwissen hinaus - und wird ab morgen im Historischen Museum der Pfalz in der Ausstellung "Richard Löwenherz. König - Ritter - Gefangener" (wir berichteten gestern auf der Seite Metropolregion) beantwortet. Bei der Pressekonferenz lösten die Experten diese Rätsel.

ah Richard Löwenherz so aus wie auf dem Titelbild der Ausstellung?

Das Reiterstandbild von Baron Carlo Marochetti, 1860 angefertigt, das vorm britischen Parlament steht, zeigt eine idealtypische Darstellung. Wie Richard I., der 1199 mit 42 Jahren am Wundfieber nach einer Verwundung starb, genau ausgesehen hat, lassen die mittelalterlichen Handschriften, unter anderem von Matthew Paris, kaum erahnen. Doch Chronisten beschreiben ihn als groß, kräftig, blond und blauäugig, mutig und einen Schwertkämpfer wie kein anderer in seiner Zeit, berichtet Prof. Dr. Stefan Weinfurter, Universität Heidelberg und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats zur Ausstellung.

ar der englische König als Gefangener auch in Speyer?

Richard Löwenherz hielt sich zwei Mal in Speyer auf. Am 22. März 1193 wurde er hier vor Gericht gestellt. Kuratorin Simone Heimann spricht von einem Schauprozess und der "vielleicht größten Erpressungsaffäre des Mittelalters." Ab 22. Dezember 1193 verbrachte er die Weihnachtstage in Speyer.

as warf die Anklage Richard Löwenherz konkret vor?

Als Gefangener des Stauferkaisers Heinrich VI. wurde Richard am 22. März 1193 mit einer langen Liste an Vorwürfen konfrontiert. Unter anderem soll er den Mord an einem Kreuzfahrer, Konrad von Montferrat, in Auftrag gegeben haben. Vor allem aber hatte er die Ehre von Leopold V., Herzog von Österreich, verletzt, als er dessen Standarte von den Zinnen der im Heiligen Land eroberten Stadt Akkon werfen ließ und ihm somit seinen Anteil an der Kriegsbeute vorenthielt.

ie lange war der englische König wirklich auf Burg Trifels inhaftiert, die als sicherster Ort des Reiches galt?

Das ist historisch nicht exakt belegt. Fest steht, dass die Gefangenschaft insgesamt ein Jahr, sechs Wochen und drei Tage gedauert hat. Er wurde nach dem Prozess in Speyer zur Reichsburg hoch über Annweiler gebracht, wo er am 1. April 1193 eintraf. Gesichert belegt sind jedoch nur wenige Wochen Aufenthalt dort. Am 19. April traf er bereits in der Reichspfalz im elsässischen Hagenau auf Kaiser Heinrich VI. und war ab Ende Mai in Worms.

elchen Gegenwert hatte das Lösegeld, das England für den König zahlen musste?

Für die 100 000 Mark, die mit mittelalterlicher Diplomatie als eine Art Beraterhonorar entrichtet werden mussten, hätte man im 12. Jahrhundert rund 200 000 Ochsen kaufen können, heißt es in der Ausstellung.

ar Richard Löwenherz in der Zeit seiner Gefangenschaft zum Nichtstun verdammt?

Während seiner Gefangenschaft agierte Richard als Herrscher und politischer Mitspieler, erklärte Kuratorin Simone Heimann. Davon kündeten verschiedene Urkunden mit Königssiegel, die zum Teil in Speyer ausgefertigt wurden.

ibt es ein Exponat, das dem Mensch Richard direkt zuzuordnen ist, nicht nur der Epoche?

Das Bleikästchen, in dem das einbalsamierte Herz des Königs in Rouen aufbewahrt wurde. Der Leichnam wurde im Kloster Fontevrault beigesetzt.

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