Speyer

Dom Modell für Blinde eingeweiht / Lions Club unterstützt das Projekt mit 20 000 Euro

Details einfach ertasten

Archivartikel

Speyer.Der Dombauverein Speyer feiert sein 25-jähriges Bestehen unter anderem mit der Übergabe eines Blindentastmodells des Doms an die Öffentlichkeit. Das detailgetreue Modell aus Bronze im Maßstab 1:100 wird dauerhaft auf einem Sandsteinsockel auf der Südseite des Doms stehen. Es ist das größte seiner Art, heißt es in einer Pressemitteilung des Bistums. Bei der Realisierung des Projektes wurde der Dombauverein insbesondere von Spenden des Lions Club Speyer in Höhe von 20 000 Euro und der Unternehmerin Susanne Klatten sowie dem Unternehmer Stefan Quandt mit jeweils 10 000 Euro unterstützt. Wetterbedingt wurden die Reden und Grußworte bei der Übergabe in den Dom verlegt, wo die Dombläser spielten.

Dr. Gottfried Jung, Vorsitzender des Dombauvereins, begrüßte die Gäste. Er freute sich über ein „wunderbares Modell an einem wunderbaren Standort“. Man habe von Anfang an mit Betroffenen und Behindertenbeauftragten zusammengearbeitet, um bei Gestaltung und Aufstellung des Modells die Belange der Nutzer gut zu berücksichtigen. So sei in der Ausstellung des Modells ein Leitsystem mit inbegriffen, das den Blinden die Auffindbarkeit des Modells ermöglicht.

Das Tastmodell richte sich zunächst an Sehbehinderte und Blinde, sei aber ein Angebot für alle Besucher des Doms. Mit dem Blindentastmodell sei für den Dombauverein ein langgehegter Wunsch in Erfüllung gegangen, so Jung. Egbert Broerken, der mit der Herstellung des Modells betraut worden war, erklärte die Intention dahinter. In seiner Heimat Soest gibt es eine Schule für Blinde und so habe er beobachtet, wie blinde Kinder vor dem Soester Dom gestanden und den Ausführungen einer Führerin gelauscht hätten. Diesen wollte er „etwas an die Hand geben“, um den Dom und seine Dimensionen erfassen zu können.

Praxistest bestanden

Das Tastmodell des Speyerer Domes wurde sofort einem ersten Praxistest unterzogen. Ursula Gremminger, Gemeindereferentin im Ruhestand und selbst blind, hatte das Modell bereits vorab betastet. Sie lobte die Plastik als „sehr gelungen und detailstark“. Da blinde Menschen Gebäude visuell in ihrer Gesamtheit nicht erfassen könnten, ermögliche ihr das Tastmodell einen Gesamteindruck des Doms zu bekommen.

Die Spender, ohne deren Hilfe es nicht möglich gewesen wäre, die rund 40 000 Euro für die Erstellung, Fertigung und Aufstellung des Modells aufzubringen, freuten sich über das fertige Tastmodell. Knut Mertens, Pastpräsident des Lions Club, berichtete von der Begeisterung des Clubs für die Idee eines Tastmodells und wie man mit Hilfe eines Benefizkonzertes die erforderlichen Spendengelder gewinnen konnte. Unter dem Titel „Tasten für Tasten“ hatte Domorganist Markus Eichenlaub im Juni 2019 im Dom gespielt und damit zur Finanzierung des Modells beigetragen.

Landesblindenbeauftragter Matthias Rösch sprach für das Förderprogramm „barrierefrei, inklusiv und fair“. Mit dessen Zuwendung in Höhe von 5000 Euro wurde das Blindenleitsystem im Boden finanziert, das es sehbehinderten Menschen erleichtert, das Blindentastmodell zu finden. „Speyer war reif für ein solches Modell“, sagte Bürgermeisterin Monika Kabs. Der Speyerer Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann sprach von einer „berührende Aufgabe“, das Modell einweihen zu dürfen.

Das Tastmodell ist ein wichtiger Beitrag zur Inklusion. In Deutschland leben aktuell mindestens 1,2 Millionen Menschen mit Sehbehinderungen. Jährlich erblinden etwa 10 000 Menschen neu. Mit einer Gesamtgröße von 150 mal 80 Zentimetern und einer Standhöhe von 70 Zentimetern ist das Modell ideal für blinde Besucher.

Der Bildhauer Egbert Broerken und sein Sohn Felix Broerken arbeiteten seit April 2019 an dem Modell. Beide verfügen über viel Erfahrung in diesem Bereich und haben auch die Blindentastmodelle der Dome in Worms und Mainz gestaltet. Als Grundlage für das Modell dienten Bauzeichnungen, fotogrammetrische Aufnahmen und Fotografien. Das Tastmodell wurde im Wachsausschmelzverfahren gegossen, das Detailtreue ermöglicht. Es besteht aus Zinnbronze mit einem Carnauba-Hartwachsüberzug zum Schutz vor Umwelteinflüssen. So kann das Modell im Freien stehen und lädt alle Besucher dazu ein, den Dom zu ertasten und neu zu entdecken. zg

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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