Speyer

Im Interview Der Puschelmikro-Reporter über das Deutsche in ihm und sein Programm in der Stadthalle

„Die Leute erleben eine neue Facette von Alfons“

Speyer.Wer ihn einmal mit Puschelmikro und Trainingsjacke gesehen hat, vergisst ihn nicht wieder. Alfons, der Kultreporter der ARD mit dem typisch französischen Akzent, ist eine einzigartige Figur in der Unterhaltungslandschaft. Emmanuel Peterfalvi, wie er wirklich heißt, wird auch gerne als „liebenswürdigster Kulturexport der ,Grande Nation‘“ bezeichnet. Mit Charme, Trottelblick und entwaffnend direkten Fragen verhilft er seinen Interviewpartnern oft zu verblüffender Selbsterkenntnis. Am Samstag, 9. Dezember, 20 Uhr, kommt Alfons mit seinem neuen Programm „Wiedersehen macht Freunde!“ in die Stadthalle – und zwar als brandneuer Deutscher, der seit einigen Woche die doppelte Staatsbürgerschaft hat. Im Interview erklärt er, wie es dazu kam und was er mit nach Speyer bringt.

Was hat den Ausschlag gegeben, dass Sie die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben?

Alfons: Hamburgs Bürgermeister Olav Scholz hat mir schon vor ein paar Jahren einen Brief geschrieben und gefragt, ob ich nicht Deutscher werden wolle, wo ich doch schon so lange in Deutschland sei. Erst fühlte ich mich sehr geehrt, dann habe ich erfahren, dass er so einen Brief schon 150 000 Leuten geschickt hat.

Trotzdem haben Sie Ja gesagt?

Alfons: Es war ein langer Prozess, bis ich mich entschieden habe, das tatsächlich zu machen. Dazu beigetragen hat auch ein Brand in meinem Haus, der den Brief zunächst vernichtet hat. Das habe ich zwischenzeitlich als Zeichen verstanden, es nicht zu tun. Dann wieder habe ich an vielen Dingen gemerkt, ich bin doch deutscher (oder „deutscherer, wie Alfons sagen würde), als ich dachte.

Und Sie haben nun beide Staatsangehörigkeiten: die französische und die deutsche?

Alfons: Genau. Obwohl das, wie meine zwei besten Freunde gesagt haben, eigentlich gar nicht geht: Deutscher und Franzose sein ist ihrer Meinung nach nicht kompatibel. Der Deutsche sei effizient, organisiert und pünktlich, und der Franzose normal.

Und wie fühlt es sich bei Ihnen an – fühlen Sie eine Zerrissenheit zwischen diesen Definitionen?

Alfons: Die Zerrissenheit lag vor meiner Entscheidung. Danach war eigentlich alles klar und easy.

Was hat Sie vor Ihrer Einbürgerung 26 Jahre in Deutschland gehalten? So lange haben Sie ja nicht mal in Frankreich gelebt . . .

Alfons: Dass ich mich hier wohlfühle, dass ich Deutschland liebe. Ich weiß, für einen Deutschen ist es immer merkwürdig, diesen Satz zu hören, aber es ist so. Ich bin sehr zufällig hier angekommen, und genauso wenig war es geplant, dass ich lange in Deutschland bleibe, aber ich habe mich in dieses Land verliebt – und jetzt habe ich es geheiratet, könnte man sagen.

Was hat Sie denn ursprünglich hierher geführt?

Alfons: Ich bin gekommen, weil ich meinen Militärdienst nicht leisten wollte und es in Frankreich damals eine Ersatzmöglichkeit gab: Man konnte in einer französischen Firma arbeiten, die im Ausland tätig ist. Es gab einen Fernsehsender, an dem ein Sender aus Frankreich Anteile hatte. Dort habe ich als Militär sozusagen fürs Fernsehen gearbeitet. Was niemand verstanden hat, weil es nicht zu verstehen ist – aber es war so.

„Wiedersehen macht Freunde!“, heißt das Programm, das sie nach Speyer mitbringen. Geht es darin um echte Freunde, die sie so lange nicht mehr gesehen haben?

Alfons: Die Leute, die mich nur von der Bühne aus dem Fernsehen kennen, werden überrascht sein – hoffentlich positiv. Sie werden eine ganz neue Facette von Alfons erleben. Ich erzähle auf der Bühne eine Geschichte, bei der man ganz viel lacht. Aber es wäre zu wenig, würde man nur lachen. Mir ist total wichtig, dass die Menschen etwas mit nach Hause nehmen, weil das Herz und die Seele angesprochen werden. Es ist eine wahre Geschichte über tiefe Freundschaft, viele Erinnerungen aus meiner Kindheit und über Dinge, die eigentlich weder deutsch sind noch französisch, sondern sehr universell.

Es geht um Freunde aus Ihrer Kindheit, die Sie sehr lange nicht gesehen hatten – haben Sie die Geschichte verändert, damit sie besser auf der Bühne funktioniert?

Alfons: Nein, ich sage schon alles, wie es war, und Jérome und Jean-François haben sich zwar bei einigen Szenen beschwert, und ich haben ihnen versprochen, es zu ändern – aber ich absolut nichts geändert.

Hat Jérome tatsächlich Lehrerinnen geküsst? Das ist ja heutzutage nicht ganz unproblematisch . . .

Alfons: Na ja, in Frankreich haben wir einen Präsidenten gewählt, der eine Lehrerin rumgekriegt hat. Im Vergleich dazu ist ein Kuss gar nichts.

Stimmt es, dass Sie diesmal auch enthüllen, wie Sie zum Puschelmikro gekommen sind?

Alfons: Ja, das stimmt.

Aber Sie verraten das nicht vorab?

Alfons: Genau.

Es gibt auch eine Nacktwandern-Reportage zu sehen – haben Sie dabei für sich selbst neue Erkenntnisse gewonnen?

Alfons: Der Chef der Truppe hat gesagt, ich dürfe alles filmen und zeigen, aber ich musste versprechen zu betonen, dass Nacktwandern nichts mit Erotik zu tun hat. Meine Erkenntnis war: Wenn man sich die Nackten anguckt, weiß man sofort, warum.

In der Ankündigung heißt es, Sie nehmen zu aktuellen Themen in Speyer Stellung. Wie schaffen Sie das?

Alfons: Ich frage die Leute vorher, worüber in der Stadt geredet wird.

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