Speyer

Kinder- und Jugendtheater "Euer Diener Johann Sebastian Bach" begeistert die Zuschauer

Die Musik gibt ihm Kraft

Archivartikel

Speyer.Dass sie in keinem gewöhnlichen Theaterstück gelandet sind, merken die Zuschauer, die sich am Samstag im Alten Stadtsaal versammelt haben, relativ schnell: Gleich zu Beginn klären alle fünf Schauspieler des Ensembles, wer welche Rolle im Stück über Johann Sebastian Bachs Leben spielt. Götz Valter etwa verkörpert aufgrund seiner "ausgeprägten Nase"den Bach, Christian-Birko Flemming übernimmt die Rolle seines Widersachers Gottlieb Görner, und Marie-Sophie Caspar spielt die erste Frau des Musikers.

Und schon beginnt die Geschichte und die eben noch erwachsenen Schauspieler verwandeln sich in fromme Klosterschüler, die gehorsam dem Wunsch ihrer Lehrerin nachkommen, ein Kirchenlied vorzusingen. Schon da wird das Ausnahmetalent des kleinen Johann Sebastian deutlich, der im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden engelsgleich und klar die Melodie vor sich hin trällert.

Die Musik ist es nämlich, die den jungen Bach über die vielen Schicksalsschläge, wie den Verlust seines Vaters oder die Tatsache, dass sein älterer Bruder ihm die Fürsorge verwehrt und auf ein Internat schickt, hinweg tröstet. Sie gibt ihm die Kraft, sein Leben schon in jungen Jahren alleine zu meistern. Und eben weil die Begriffe "Musik" und "Bach" so eng miteinander verknüpft sind wie kaum andere, inszeniert Matthias Folz, Leiter des Kinder- und Jugendtheaters, den Epos über sein Leben als Kooperationsprojekt mit der Dommusik Speyer und engagierte Mitglieder der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz.

"Euer Diener Johann Sebastian Bach" , das als Theaterstück für Kinder ab sechs Jahren konzipiert ist, ist damit allerdings weit mehr als ein Stück nur für die Kleinen: Von Beginn an sind die Zuschauer gebannt von der Eindringlichkeit, mit der die Geschichte des großen Musikers erzählt wird.

Ein Wechselbad der Gefühle

Ganz still ist es in dem historischen Stadtsaal, als der kleine Sebastian am Totenbett seines Vaters kauert und von ihm als letztes Geschenk eine Geige aus dem Familienbesitz bekommt; laut wird gelacht, als etwa Prinz Leopold, gespielt von Uwe Heene, in breitestem Dialekt von seinem Hoforganisten Bach schwärmt und dabei unter seiner schneeweißen Haarpracht ins Publikum blinzelt. Und als sich Bach kurz vor seinem Tod beinahe blind und vom Leben gezeichnet über die Bühne schleppt, um von einem Wunderheiler eine Augenoperation vornehmen zu lassen, hält jeder im Raum den Atem an.

Als das Orchester, das neben seinem Zweck, die Vorstellung musikalisch zu untermalen, auch öfters Statistenrollen übernimmt, das letzte Stück des Künstlers anstimmt, bricht der Applaus los.

In den vergangenen 90 Minuten lernten die Zuschauer den großen Johann Sebastian Bach mit all seinen Facetten kennen: Sie erlebten seine Erfolge, nahmen Teil an den Höhepunkten seines Lebens und seiner Genialität, durchlebten gleichzeitig aber auch die Schicksalsschläge, mit denen Bach zu kämpfen hatte. Sie erkannten die Arroganz und Selbstüberzeugung und nahmen Anteil an Bachs innerer Zerrissenheit zwischen gezwungenem Gehorsam und dem Wunsch nach Anerkennung, die ihn zeitlebens umtrieb. Und so kennt das Publikum nach dem Ende des Stückes weit mehr als nur den schillernden Musiker, der sich hinter dem Namen Bach verbirgt.

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