Speyer

Geschichte Römischer Legionär nimmt Besucher im Historischen Museum der Pfalz mit auf eine Reise in die Zeit Valentinians I.

„Die Spätantike war quietschbunt und anstrengend“

Archivartikel

Speyer.Würdevoll präsentiert Archäologe Ullrich Brand den Schild und postiert sich mit nach oben gestrecktem Speer vor einer Vitrine mit Grabbeigaben aus der Römerzeit. Im Gewand eines Legionärs führt der Forscher Besucher durch die „Valentinian“-Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. „Ich bin eine Art lebende Vitrine“, erklärt er den vier Kindern und 16 Erwachsenen, die sich um ihn scharen.

„Du siehst nicht aus wie ein Römer“, sagt Gesa und schaut prüfend auf die Fellmütze und die etwas seltsam anmutenden Wollhosen. „Wir Archäologen haben das Problem, dass es in der Spätantike, in der Valentinian I. lebte, keine Schrift gegeben hat. Wir müssen uns auf Ausgrabungsfunde und mündliche Überlieferungen verlassen, um herauszufinden, wie etwas ausgesehen hat“, erklärt Brand. „Wolle verrottet nicht, und weil solche Hosen in Mooren entdeckt worden sind, weiß ich ziemlich genau, dass ein Legionär in der Spätantike solche Beinkleider getragen hat.“ Bequem seien die weit über den Bauch reichenden und mit zwei mittigen Nähten versehenen Hosen allerdings nicht: „Sie reißen schnell und sind deshalb mit Flicken übersät.“

Stabiler Schild

„Die Spätantike war anstrengend und quietschbunt, das verraten uns die Funde“, deutet er auf seinen Schild, der mit orangenen, roten und grünen Ornamenten bemalt ist. „Los, wir probieren mal aus, wie stabil er ist. Zieht eure Socken aus“, dirigiert Brand die Kinder auf den Schild, den er auf den Boden gelegt hat. Obwohl die vier Grundschüler in Trippelschritten darauf herumlaufen, verformt sich die runde, nach außen gewölbte Schutzwaffe aus Holz und Leder kein bisschen.

Vor allem die Lanze und das Schwert, das Brand unter seinen Mantel versteckt hat, interessiert die Kinder. Unter Aufsicht darf Paul den „Knochenspalter“ hochheben. „Oh Mann, ist der schwer“, stöhnt der Junge und lässt die Waffe wieder sinken. Mit Helm und Lanze tun sich die jungen Besucher beim Ausprobieren leichter. „Die Römer haben ihre Feinde genau beobachtet, die sinnvollen Ausrüstungsgegenstände übernommen und verbessert.“ So stamme die Form des Schildes von den Etruskern und der Helm von den Persern, „die den Römern viel Ärger gemacht haben“.

„Denkt ihr, dass Legionäre in Rüstung gekämpft haben?“, fragt der Wissenschaftler und erntet zustimmendes Nicken. „Viele römische Soldaten waren germanischer oder keltischer Herkunft und bei diesen Stämmen war es unüblich, in Rüstung zu kämpfen“, erklärt er. „Die Kelten haben sich die Haare mit Kalkwasser gewaschen, damit sie in alle Richtungen abstanden und sind wild brüllend mit nacktem Oberkörper aus dem Wald gerannt, um ihre Stärke zu demonstrieren. Heute machen die Männer das mit PS-starken Autos, aber das Prinzip ist dasselbe.“

Regelmäßige Führungen

Paul – der den Schild halten darf, während Brand die Hände zum Erklären nutzt – ist froh, als er abgelöst wird. „Legionäre waren durchtrainiert, die sind mit 25 Kilo Ausrüstung marschiert. So viel Übergewicht trage ich auch mit mir rum“, sagt Brand.

Öffentliche Führungen gibt es jeden Sonntag, Termine für Kostümrundgänge finden sich im Internet.

Info: Infos zu Führungen unter www.museum.speyer.de 

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