Speyer

Historisches Museum Kohls Tod hat der Ausstellung eine unerwartete Aktualität gegeben

Die „Weltbühne“ hat die Besucher interessiert

Archivartikel

Speyer.Das waren noch Zeiten, als sich in Speyer der Papst, Könige und Staatspräsidenten die Klinke in die Hand gaben, unter dem Jubel des Volkes den Dom besuchten und die eine oder andere Portion Saumagen im Domhof verdrückten. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl hatte sie hier in seine Heimat geführt, um sich selbst als bodenständiger Pfälzer und Staatsmann zu präsentieren und Stadt und Bistum haben eifrig mitgemacht bei der Organisation. Denn sie ahnten, dass dies einen gehörigen Schub für den Tourismus und für die Förderung der Domsanierung bringen könnte.

Die Ausstellung „Weltbühne Speyer“ im Historischen Museum hatte auch deshalb großen Erfolg – so schlimm es klingt – weil just jetzt nochmals die Welt zu Gast war in Speyer, allerdings aus traurigem Anlass, zur Beisetzung von Helmut Kohl. Sie dokumentierte die Ära der großen Staatsbesuche internationaler Politiker, geistlicher Würdenträger und Monarchen hier am Rhein zwischen 1984 und 1999.

Präsentiert wurden großformatige Fotografien zu 19 Staatsbesuchen und Großereignissen aus der Regierungszeit von Helmut Kohl. Rund 30 000 Besucher sahen die Ausstellung im Historischen Museum. Museumsdirektor Alexander Schubert sagt dazu: „Mit der Ausstellung zu den großen Staatsbesuchen haben wir ein Thema in den Mittelpunkt gerückt, zu dem viele Bürger noch unmittelbare Erinnerungen haben. Besucher steuerten authentische Erfahrungsberichte aus dieser großen Zeit bei, als ihre Stadt zur Bühne hochrangiger Politik-Prominenz wurde. Mit dem Tod von Bundeskanzler a. D. Helmut Kohl am 16. Juni 2017 bekam die Ausstellung eine ungeahnte Aktualität, so dass wir diese überarbeiteten und mit Bildern vom Requiem im Speyerer Dom und vom Staatsempfang in unserem Museum ergänzten.“

Hommage an Bettina Deuter

Ein Großteil der Aufnahmen in der Ausstellung stammte von der Pressefotografin Bettina Deuter, die viele Jahre für die Speyerer Tagespost tätig war, und ihrem Kollegen Fred Runck, die die Stadtgeschichte über mehrere Jahrzehnte dokumentiert haben. Sie zeugten von den Besuchen politischer Größen wie Boris Jelzin, Michail Gorbatschow und George Bush senior sowie Jacques Chirac und Margaret Thatcher, zeigten aber auch geistliche Würdenträger wie Papst Johannes Paul II. und Kurienkardinal Joseph Ratzinger, den späteren Papst Benedikt XVI.

Die Ausstellung, die in enger Zusammenarbeit mit der Abteilung „Kulturelles Erbe – Stadtarchiv Speyer“ und der Bezirksgruppe Speyer im Historischen Verein entstand, präsentierte neben den Fotografien auch Filmsequenzen des Rhein-Neckar-Fernsehens sowie weitere Zeitzeugnisse wie Karikaturen, die Goldenen Bücher der Stadt Speyer und ein Gewand, das Papst Johannes Paul II. bei der Messe in Speyer trug. Ein großer Kiosk mit zeitgenössischen Zeitungen und Zeitschriften lud die Besucher ein, in die 1980er und 90er Jahre einzutauchen.

Während der Dauer der Ausstellung, vom 12. November 2016 bis zum 29. Juli 2018, erhielt das Museum gleich mehrere Ergänzungen, die als Ausstellungsobjekte auf der „Weltbühne“ präsentiert werden konnten. Zum einen übergab die Ike-und-Berthold-Roland-Stiftung zwei Porträtplastiken, die den verstorbenen Bundeskanzler Kohl zeigen, ans Museum. Die erste Darstellung aus Eisenguss wurde von dem in Worms geborenen Künstler Karlheinz Oswald 2002 und 2003 geschaffen. Die zweite, eine Bronzebüste des Künstlers Serge Mangin, stammt aus dem Jahr 2009. Zum anderen überreichte Witwe Maike Kohl-Richter im Juli das letzte offizielle Porträtfoto des ehemaligen Bundeskanzlers ans Museum.

Das Begleitprogramm umfasste Führungen mit szenischen Spielszenen, einen „Literarischen Abend“ in Kooperation mit der Stadtbibliothek Speyer, eine „Kino-Kombi“ in Kooperation mit dem Cineplex Mannheim zum Film „Die Eiserne Lady“, Küchenkünstler Stefan Walch bot während ein pfälzisches Menü für Staatsbesuche an, darüber hinaus fanden Matineeführungen mit Werner Schineller, dem damaligen Speyerer Oberbürgermeister statt, der ja immer live dabei war und ein glänzender Erzähler ist. jüg/zg

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