Speyer

Stadthalle Beim Bürgergespräch mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer gibt’s auch deutliche Kritik / Bezahlung der Corona-Tests klar regeln / Feuerwehrschule öffnen

Ehrenamtliche warten auf Antworten

Archivartikel

Speyer.Wenn die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer zum Bürgergespräch einlädt, muss sie sich über mangelnde Resonanz nicht beklagen. So auch jetzt im Zuge ihrer Ehrenamtsreise, die sie nach Speyer führte. Nach einem Besuch im Tierheim suchte sie in der Stadthalle mit 100 ehrenamtlich tätigen Bürgern das Gespräch über deren Erfahrungen. Unter normalen Bedingungen hätten vermutlich weitaus mehr Ehrenamtliche an der Veranstaltung teilgenommen. Wegen Corona hatten der Rhein-Pfalz-Kreis und die Stadt jedoch persönliche Einladungen an Vereine, Initiativen und Einrichtungen verschickt, die aus ihrem Zuständigkeitsbereich Teilnehmer auswählen konnten.

Flankiert von Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler und Landrat Clemens Körner brachte Dreyer eingangs ihre Freude zum Ausdruck, „endlich wieder unter Menschen sein zu können“. Der Besuch sei kein Zufall, denn vor sieben Jahren habe der erste rheinland-pfälzische Landesehrenamtstag in Speyer stattgefunden, betonte sie. In ihrer Eingangsrede lobte sie die beeindruckenden Leistungen ehrenamtlich tätiger Menschen, die beispielsweise bei Nachbarschaftshilfen Brücken bauen und so maßgeblich zum Zusammenhalt der Gesellschaft beitragen würden.

Wenn auch nicht alles in Geld aufzuwiegen sei, habe die Landesregierung doch mit verschiedenen Wettbewerben, Projekten und Auszeichnungen, der Ehrenamtskarte und dem landesweiten Ehrenamtstag, der in diesem Jahr unter Beteiligung von 25 Ausstellern am Sonntag als virtuelle Veranstaltung in Gerolstein stattfinde, Instrumente der Anerkennung auf den Weg gebracht, machte Dreyer Werbung.

Lobende Worte fand die Ministerpräsidentin für das großartige ehrenamtliche Engagement während des Höhepunkts der Flüchtlingskrise. Regelrecht begeistert äußerte sie sich über die „unglaublich vielen neuen Initiativen“, die sich während des Corona-Lockdowns mit dem Ziel gegenseitiger Hilfe gegründet hätten. Dreyer schloss mit dem Ratschlag, wo immer möglich die Verantwortung auf viele Schultern zu verteilen.

Den Zusammenhalt stärken

Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler unterstrich den Einfluss ehrenamtlicher Tätigkeiten auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie stellte in Kurzform Wesen und Wirken der Speyerer Freiwilligenagentur (Spefa) vor und ließ mit Blick auf den Besuch der Ministerpräsidentin im von Höhen und Tiefen arg gebeutelten Tierheim durchblicken, dass man für einen geplanten Neubau auf Standortsuche sei.

Mit positiven Zahlen wartete Landrat Clemens Körner auf, der nicht ohne Stolz darauf hinwies, dass 48 Prozent der Landkreisbewohner ehrenamtlich tätig seien.

Die Vielfalt fand in der Fragerunde ihren Niederschlag. Anwesend waren Repräsentanten von Hilfs- und Rettungsdiensten, Kirchen, Vereinen und privaten Initiativen. Viele Fragen und wenig konkrete Lösungen – so könnte man das Ergebnis der Runde zusammenfassen. Dreyer machte sich zwar fleißig Notizen und versprach, die Anliegen prüfen zu lassen. Doch das Versprechen einer konkreten Rückmeldung innerhalb einiger Tage blieb aus.

Ein komplexes Thema sprach der Vertreter eines Fußballvereins an, der hinsichtlich versicherungstechnischer Details einen erheblichen Klärungsbedarf bei der Benutzung von Privatfahrzeugen der Kicker zur Fahrt zu Auswärtsspielen sieht.

Stadtfeuerwehrinspekteur Peter Eymann bedauerte den kontinuierlichen Rückgang von Ausbildungsgängen für Ehrenamtliche an der Landesfeuerwehrschule in Koblenz, wo derzeit nur ein reduzierter Lehrgangsbetrieb stattfinde: „Ehrenamtliche mit einem qualifizierten Abschluss sind unverzichtbar. Daher sollte der Lehrbetrieb trotz Pandemie aufrechterhalten werden“.

Roger Munding, Präsident des Kreisverbandes im Deutschen Roten Kreuz, forderte schnellere und unkompliziertere Abrechnungsmodalitäten für Abstrichzentren. Bekanntlich hat das DRK in der Halle 101 ehrenamtlich mehrere tausend Abstriche vorgenommen (wir berichteten). Die Laborkosten für die Auswertung muss nach derzeitigem Sachstand die Stadt tragen. Als typisch deutsches Verordnungschaos könne man das Verfahren bezeichnen. Wer was wo und warum bezahlt oder nicht, hänge davon ab, wo abgestrichen wurde und wer das angeordnet habe. „Wir brauchen eine Lösung und daran arbeiten wir “, schob Seiler ein. Dreyer empfahl, die Abstriche in Arztpraxen vornehmen zu lassen, die in Spitzenzeiten damit aber völlig überfordert wären.

In weiteren Runden ging es um bezahlbaren Wohnraum, die Generierung von Spenden zum Kauf von Lebensmitteln für Bedürftige sowie Bildung und nachhaltige Entwicklung. Zu den letzten beiden Punkten merkte eine Sprecherin an, sie habe den Eindruck, das Thema werde als Spielball zwischen den Ministerien hin- und hergeschoben. Dem hielt Dreyer entgegen, dass man in Sachen Bildung in Rheinland-Pfalz gut aufgestellt sei.

Info: Mehr Bilder vom Dreyer-Besuch: www.schwetzinger-zeitung.de

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