Speyer

Galerie Kulturraum Ausstellung von Karin Germeyer-Kihm und Stefan Becker wird eröffnet

Ein Künstlerduo für viele Interpretationen

Speyer.Karin Germeyer-Kihm und Stefan Becker bestreiten die nächste Ausstellung in der Galerie Kulturraum. Die qualitativ bemerkenswerte Kunstschau mit überwiegend neueren Werken wird am Sonntag, 15. September, um 11.30 Uhr in der Maximilianstraße 99 eröffnet. Kunsthistorikerin Maria Leitmeyer stellt die bekannten Künstler und ihre Werke vor.

Die unterschiedlichen Exponate bieten vielfältige Interpretationsmöglichkeiten, was auf die Acrylmalerei der Speyerer Künstlerin Karin Germeyer-Kihm ebenso zutrifft wie auf die überwiegend in Öl gemalten Impressionen von Stefan Becker, der ebenfalls in Speyer lebt und arbeitet. Von Germeyer-Kihm sind neben den Werken in Acryl auf Leinwand auch Kohlezeichnungen, Tuschezeichnungen und gezeichnete Farbstudien zu sehen.

Den Hauptpart bilden jedoch in hellen, freundlichen Farben gehaltene Acryl-Gemälde. Gemalt wird nach Skizzen, die Germeyer-Kihm nach Erinnerungen oder Anregungen aus dem breiten Spektrum der Literatur fertigt. Ohne die Abstraktion ganz auszusparen, changiert sie stilistisch zwischen einer gegenständlichen und semifigurativen Formensprache. Ob angedeutete oder klar erkennbare Personen in halbwegs konkreten Räumen oder ungewissen Landschaften – in der betreffenden Serie handelt es sich immer um Bilder, die Stimmungen wiedergeben. Germeyer-Kihm arbeitet intuitiv und stimmungsabhängig, entscheidet kurzfristig über die Wahl der Farben, lässt spontan flüchtige Eindrücke in die sich allmählich entwickelnde Komposition einfließen und übermalt schon mal Stellen, die sie nicht zufrieden stellen. Der fließende Prozess der „Bildwerdung“ endet erst, wenn sie dem Endprodukt einen Titel gegeben hat. Deutlich wird in diesem Werkblock auch, dass die konkrete Porträtmalerei nicht zu ihrem künstlerischen Ansatz gehört.

Während in verschiedene Situationen eingebettete Personen meist weiblicher Natur Kompositionen wie „Strandbad“ oder „Herbstzeitlos“ dominieren, hat Germeyer-Kihm in einem zweiten Werkblock Innen- und Außenansichten des Speyerer Kaiserdomes und der Kathedrale von Valencia malerisch festgehalten.

Selfiemanie in der Kritik

In einem der Dombilder betont eine Prozession von Priestern und Gläubigen das geistig-spirituelle Ritual des Gottesdienstes. Kritik am Verhalten von Touristen übt Germeyer-Kihm hingegen beim Blick in die Kathedrale von Valencia, wo besagten Touristen Selfies vor Ort offenbar wichtiger sind als der Kirchenbau.

Wie Karin Germeyer-Kihm genießt Stefan Becker über die Speyerer Kunstszene hinaus hohes Ansehen. Werke von ihm waren bereits auf bedeutenden Kunstmessen wie der Art Karlsruhe und der Art Expo in New York zu sehen. In der Galerie Kulturraum ist er mit zwei unterschiedlichen Werkblöcken vertreten. Zum einen handelt es sich um Bilder mit extrem üppiger Vegetation, wie man sie nur von tropischen Regenwäldern kennt. Im Kontrast dazu stehen gleißend helle Strandszenen, in denen gelb-orange Farben und das Licht des Südens die Kompositionen bestimmen. Klein dargestellt, spielen Entspannung suchende Menschen darin nur eine untergeordnete Rolle.

Im zweiten Werkblock hat Becker mit Ölfarbe und weiteren Materialien wie Spraylack und Pigmenten extrem verdichtete tropische Landschaften geschaffen. Wobei er sich stilistisch in einer Bandbreite von Gegenständlichkeit bis zur Abstraktion bewegt. Zeugnis vom pastosen Auftrag kräftiger Farben legen beispielweise Bilder wie das 100 mal 140 Zentimeter messende Werk „Center Parc“ ab. Mit diesen Arbeiten, in denen Menschen ebenfalls „nur“ schmückendes Beiwerk sind, animiert der Maler den Betrachter geradezu, in die farbgewaltige und kontrastreiche Fülle von Gewächsen auf engstem Raum einzutauchen.

Im Bild „Toxic Shower“ hingegen setzt er sich kritisch mit negativen Einflüssen auf die Natur auseinander. Ob das Wasser aus der Dusche inmitten einer üppigen Vegetation bereits belastet und damit schädlich für die Umwelt ist, darauf weist allerdings nur der Bildtitel hin.

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