Speyer

Kulturhof Flachsgasse Zum 75-jährigen Bestehen der Pfälzischen Sezession stellen 28 Künstler ihre aktuellen Werke aus

Ein Querschnitt des Schaffens

Speyer.Die Pfälzische Sezession feiert in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum zeigen der Kunstverein Speyer und die Städtische Galerie in einer gemeinsamen Ausstellung Werke von 28 Mitgliedern der Vereinigung Bildender Künstler, die als erste ihrer Art nach 1945 in Rheinland-Pfalz ins Leben gerufen wurde.

Die Namensgebung sollte als Zeichen eines Neuanfangs und eines Aufbruchs zur geistigen Erneuerung verstanden werden. Zur klar formulierten Zielsetzung gehören die freie Ausübung der Kunst in all ihren Facetten sowie die künstlerische Anerkennung untereinander. Die Auferlegung solcher Verpflichtungen war wohl den Erfahrungen der Nazizeit geschuldet, in der die Entfaltung künstlerischer Kräfte massiv eingeschränkt war und Werke moderner und avantgardistischer Künstler als entartete Kunst verteufelt wurden.

Der Homepage der Vereinigung ist zu entnehmen, dass die Premierenausstellung bereits Ende 1945 in Neustadt an der Weinstraße stattfand. Vorangegangen waren intensive Verhandlungen mit Behörden und Briefwechsel mit der für Neustadt zuständigen französischen Kommandantur. In zwei Vitrinen erinnern Dokumente und anderes Schriftgut an die schwierige Gründerzeit. Bereits ein Jahr nach Neustadt organisierte die damals kleine Gruppe von lediglich sieben Künstlern eine Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Mit Erfolg, denn in den Folgejahren wurden alle Jubiläumsausstellungen ebenfalls in der Domstadt durchgeführt, zuletzt im Spätjahr 2015 zum 70-jährigen Bestehen.

Beeindruckende Vielfalt

Die heute 29 Aktive zählende Vereinigung, der schon früh namhafte Künstler wie HAP Grieshaber (1909 bis 1981) und Hans Purrmann (1880 bis 1966) angehörten, ist programmatisch nicht festgelegt. Als maßgebliche Kriterien gelten Authentizität und Kontinuität in der Weiterentwicklung. Nachhaltig zum Ausdruck kommt das in beeindruckender Weise in der aktuellen Ausstellung, in der die Mitglieder einen Querschnitt ihres künstlerischen Schaffens präsentieren. Das Spektrum der ausgestellten Werke umfasst Malerei, Plastiken, Zeichnungen, Holzschnitte, Grafiken, Fotografie sowie Skulpturen aus Holz, Metall und anderen Werkstoffen. Fast alle Exponate sind neueren Datums.

Pablo Picasso hat einmal auf die Frage, welche Botschaften er mit seinen Arbeiten vermitteln möchte, geantwortet: „Ich überbringe keine Botschaften, ich bin Künstler und kein Postbote.“ Sein Monumentalwerk „Guernica“ war dennoch ein erschütternder Aufschrei gegen den Krieg und als Botschaft kaum zu überbieten.

Reich an künstlerischen Botschaften ist auch die Jubiläumsausstellung im Kulturhof Flachsgasse. So zeigen zwei von Werner Korb in diesem Jahr mit Bleistift und Graphit gefertigte Bildwerke Adolf Hitler und Joseph Goebbels. „Die Sprache der Nazis kehrt schleichend zurück“ lauten die mahnenden Titel gegen immer mehr um sich greifende rechte Tendenzen in Deutschland. Beim Bild mit Goebbels wird die Botschaft durch zahlreiche Grabsteine noch verstärkt.

Eine andere Sorge treibt offenbar Thomas Brenner um. Auf mehreren 91 mal 230 Zentimeter messenden Plexiglas-Tafeln mit den Titeln „Vermeintliches Glück“ hat er transparent und ineinander verschwimmend Fotografie und Grafik motivisch kombiniert und durch Schriftzüge ergänzt, mit denen er beispielsweise kritisch hinterfragt: „Warum muss Google wissen, was ich mir zu Weihnachten wünsche?“

Von Gabriele Köbler stammt die großartige Arbeit „Frauengipfel“. Die Neunergruppe aus Feinbeton entstand in den letzten drei Jahren. Auf Holzpodesten im Halbkreis positioniert, zeigen die lasierten Büsten Frauen verschiedener Ethnien. Ob die Künstlerin sie in einer Schicksalsgemeinschaft zusammenführte und wie die Abstände zwischen den einzelnen Büsten zu interpretieren sind, bleibt der Fantasie des Besuchers überlassen.

Zur individuellen Vielfalt tragen auch Karl-Heinz Deutsch (Kopf-Fragment aus Bronze), Michael Rausch (Radierungen), Eberhard Linke (Terrakotta-Arbeiten), und Peter Brauchle mit seiner ästhetisch aus Lärchenholz gefertigten Skulptur „Sina“ bei.

Dass die Pfälzische Sezession auch in der Nachwuchsförderung tätig ist und alle drei Jahre ein Kunstsymposium für Jugendliche durchführt, ist ebenfalls Bestandteil der Ausstellung, zu der ein 128 Seiten umfassender Katalog mit Grußworten unter anderem von Ministerpräsidentin Malu Dreyer erschienen ist.

Info: Mehr Bilder aus der Ausstellung: www.schwetzinger-zeitung.de

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