Speyer

Rathausgespräch Pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz eine Stimme geben

Eine Reihe Aha-Momente

Archivartikel

Speyer/Heidelberg.Demenz ist ein Thema, das in die Mitte der Gesellschaft gehört. Da waren sich alle Beteiligten des in Kooperation mit der Stadt stattfindenden Rathausgespräches einig. Dies war das vierte von 20 geplanten Rathausgesprächen des groß aufgelegten Forschungsprojektes des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg, aber das erste Rathausgespräch nach dem Corona-Lockdown. Die Hygiene- und Abstandsregeln haben dem Diskurs über innovative Pflegearrangements und deren Auswirkung auf die Lebenssituation von Angehörigen von Menschen mit Demenz keinen Abbruch getan, heißt es in einer Pressemitteilung der Uni Heidelberg.

Oberbürgermeistern Stefanie Seiler forderte bei der Begrüßung, dass das Thema Demenz mehr Raum in der Gesellschaft und Öffentlichkeit bekommen solle. Auch der Alternswissenschaftler und Leiter des Instituts für Gerontologie Prof. Dr. Dr. Andreas Kruse wünscht sich eine demenzfreundliche Kultur, zu der auch das Leben in einer Kommune gehöre. Er bedankt sich vor allem für den Mut der pflegenden Angehörigen, den diese aufbringen, um über ihre Lebenssituation und ihre Anliegen vor der Bürgerschaft und Vertretern der Stadt zu sprechen.

In den drei Gesprächsrunden – moderiert von Dr. Stefanie Wiloth und Dr. Birgit Kramer – wurde sich über Unterstützungsmöglichkeiten für die häusliche Pflege von Menschen mit Demenz und der Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements ausgetauscht. In der ersten Runde kamen sechs pflegende Angehörige zusammen, die ihre Wünsche und Bedürfnisse äußerten. Die Runde der pflegenden Angehörigen bringt dabei zum Ausdruck, dass sie der „größte Pflegedienst“ seien, den das Land habe. Gewünscht seien Unterstützungsmöglichkeiten, die ihnen stundenweise Entlastung verschaffen, Informationsmaterialien, die alltägliche Tipps für den Umgang mit Erkrankten bereithalten und eine Anlaufstelle in der Kommune, die zu einem gemeinsamen Treffen von pflegenden Angehörigen einlädt und das Zusammenkommen als kostenloses Angebot ermöglicht.

Mindestens genauso wichtig wie Dienstleistungen und Unterstützungsangebote seien jedoch eine besondere Einstellung und eine gewisse Sensibilität gegenüber den pflegenden Angehörigen, um so deren Arbeit mit Wertschätzung zu würdigen.

Kommunikation ist eben alles

In einer zweiten Runde diskutierten zehn kommunale Vertreter aus Speyer: Bürgermeisterin Monika Kabs, Seniorenbüroleiterin Ria Krampitz, Maria Leitmeyer als Kustodin des Purrmann-Hauses, Dirk Ohl als Vertreter der Volkshochschule, Pfarrerin Daniela Körber und Sporttrainerin Monika Kreckel. Auch Apotheker Thomas Franck-Schultz, der Leiter eines ambulanten Pflegedienstes, Michael Handermann, Bianca Knerr-Müller vom Malteser Hilfsdienst und Jürgen Schubert, der Leiter der Immobilienverwaltung bei der GEWO, diskutieren mit. Bürgermeisterin Kabs sagt: „Wir sind auf einem guten Weg, aber sicher noch nicht angekommen. Da sind auch wir als Kommune gefragt!“ Thomas Franck-Schultz findet, dass es ein wunderbarer erster Schritt sei, in dieser neuartigen und erfolgsversprechenden Konstellation von verschiedenen kommunalen Akteuren und pflegenden Angehörigen zu sprechen. Es stellt sich heraus, dass es bereits viele ehrenamtliche Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten in Speyer gibt, diese jedoch nicht allseits bekannt sind. Hier bedarf es sicherlich weiterer Öffentlichkeitsarbeit.

Die dritte Runde dient dem regen Austausch der kommunalen Akteure mit den pflegenden Angehörigen. Übereinstimmend wird festgehalten, dass eine stärkere Sensibilität, Offenheit und Akzeptanz in der Gesellschaft gegenüber der Demenz geschaffen werden muss, sodass Betroffene mit ihren Angehörigen ganz selbstverständlich am öffentlichen Leben teilhaben können und sich angenommen fühlen: „Ein Lächeln und ein liebes Wort können manchmal mehr bewirken, als jedes Medikament“, sagt Apotheker Franck-Schultz. Grundlage hierfür seien regelmäßige und intensive Gespräche mit allen Akteuren und den pflegenden Angehörigen. Das Rathausgespräch habe hierfür einen zentralen Anstoß gegeben, hieß es.

Fazit des bereichernden Abends waren einige Aha-Momente und sicherlich, dass viele Teilnehmende zum weiteren Nachdenken und Handeln angeregt worden sind. Es werden bereits Pläne geschmiedet, wie einige Ideen gemeinsam umgesetzt werden können. Der Wunsch des Seniorenbüros, eine Verstetigung des Rathausgespräches zu erreichen, ist dafür eine wunderbare Möglichkeit. Ein von der Stadt gestellter Raum für ein Zusammen-treffen pflegender Angehörigen mit dementen Mitbürgern für gemeinsame Aktivitäten und für den Austausch, hat Bürgermeisterin Monika Kabs zeitnah zugesagt. Eine Angehörige zeigt sich gerne bereit, Betroffenen in ähnlicher Situation mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Dr. Stefanie Wiloth schließt den Abend mit den Worten „Ich hoffe, wir haben Sie, genauso wie es mir erging, berührt, begeistert und fasziniert“. 

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