Speyer

Familiengeschichte Jack Mayer, der 1938 in die USA emigrierte, kehrt zu seinen Wurzeln zurück

„Er hat uns nicht gesagt, wie schön Speyer ist“

Archivartikel

Speyer.Der letzte Besuch von Jack Mayer in Speyer liegt sieben Jahre zurück. Damals war es dem Holocaust-Überlebenden ein Herzensanliegen, bei der Einweihung der neuen Synagoge am Weidenberg dabei zu sein. 2018 kehrte er wieder, diesmal in Begleitung seiner fünf Enkel. Ihnen wollte er zeigen, wo die Familiengeschichte begann und welche Erinnerungen damit verbunden sind.

Herzlich war das Willkommen im Dienstzimmer von Oberbürgermeister Hansjörg Eger, der – gemeinsam mit Ehefrau Colleen Towns-Eger – die Verbindung zu Mayer über die Jahre aufrecht erhalten hat. 1938 floh dieser im Alter von acht Jahren mit seiner Mutter und dem älteren Bruder vor der immer brutaleren Judenverfolgung in die USA. Dort lebt Mayer heute in der Nähe seiner jüngsten Tochter in Las Vegas.

1985 und 1986 war Mayer bereits auf den Spuren der Vergangenheit in Speyer gewandelt. Zur Einweihung der Synagoge kehrte er mit seiner zwischenzeitlich verstorbenen Ehefrau Irma erneut zurück. Jetzt sollten seine Enkel die Orte der Geschichte der eigenen Familie kennenlernen.

„Wir sind zum ersten Mal gemeinsam mit unserem Opa unterwegs“, sagte Jonah Tecktiel, mit 14 Jahren der jüngste Spross der Familie. Informationen über die Stadt Speyer, die Geschichte und die Flucht hatte Mayer seinen Enkeln bereits im Vorfeld ausführlich gegeben. „Er hat uns über diesen Ort sein ganzes Leben lang erzählt“, verriet Jonathan Samuels (21). Sein Cousin Ari Tecktiel (18) ergänzt: „Er hat uns einige Arbeit mit auf den Weg gegeben, um die Geschichte zu verstehen.“

Auch Schattenseite angesprochen

Eines, meinte Ari, habe der Großvater aber nicht erwähnt: „Er hat uns nicht gesagt, wie schön diese Stadt ist. Mich hat es umgehauen.“ Das freute den OB insbesondere, der in dem Zusammenhang die Atmosphäre und das Flair hervorhob, die Speyer ausmachen. Er verhehlte aber nicht die Schattenseiten, die zu Rassismus und Flucht führen, wie es bei Jack Mayer vor 80 Jahren der Fall gewesen ist. „Daher ist es besonders schön, dass Sie immer wieder kommen“, betonte Eger.

Gemeinsam mit seiner Frau und dem städtischen Pressesprecher Dr. Matthias Nowack machte sich die Familie unter anderem auf, das ehemalige Wohnhaus Mayers aufzusuchen. Die Unterkunft lag in dem Gebäude der heutigen Commerzbank, wie der 88-Jährige berichtete. „Ich erinnere mich, dass das Appartment groß war und wir den Seiteneingang als Zugang nutzten“, erzählte er.

Die Pfade der Familie verfolgte Mayer mit seinen Enkeln gleichermaßen in Schifferstadt, wo sie das Grab seines Großvaters auf dem Stadtfriedhof besuchten, und in Niederhochstadt, wo seine Mutter geboren wurde. Bis zum 12. Juni werden die Gäste aus den USA noch in Speyer verweilen. Das nächste Treffen wird nicht lange auf sich warten lassen, wenn die weitere Planung greift. Eger lud dazu ein, bei der Verlegung der Stolpersteine für Mayers Familie auf der Maximilianstraße dabei zu sein. Im kommenden Jahr soll es soweit sein.

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