Speyer

Industriehof Investor plant vernünftige Mischung aus Gewerbe und Wohnen / Rundgang mit Mitgliedern des Bau- und Planungsausschusses / 18 Jahre Ringen mit Erbengemeinschaft

Erhalt der historischen Gebäude hat Vorrang

Archivartikel

Speyer.Es gibt hier alles, von richtig gut bis richtig schlecht“, verweist Eigentümer Stefan Johann vor dem Rundgang durch das großflächige Industriehof-Gelände auf den in mehreren Jahrzehnten angewachsenen Sanierungsstau und das Ansinnen des Projektentwicklers, der Industriehof Speyer GmbH, den Charakter des von Gewerbetreibenden geprägten Areals zu bewahren.

„Erhalt und Instandsetzung der historischen Gebäude und Hallen stehen für die Investoren ganz oben auf der Agenda“, erklärt Mitgesellschafter Dr. Martin Koch den Mitgliedern des Bau- und Planungsausschusses sowie den versammelten Mietern von Industriehof-Objekten.

Auf Anhieb vom Areal begeistert

Als er 1999 mit seinem Freund Töns Wellensiek das erste Mal den Industriehof besichtigt habe, sei er sofort begeistert gewesen, erinnert Johann an das 18 Jahre dauernde Ringen mit der Erbengemeinschaft, erzählt, dass er erst im vergangenen Jahr die letzten drei Anteile erwerben konnte und damit zu 100 Prozent Eigentümer des Geländes wurde. Das hatte Franz Kirrmeier vor über 100 Jahren rund um die von ihm 1897 gegründete Celluloidfabrik Speyer erworben.

Marode Hallen als Lagerfläche

Von den rund 28 000 Quadratmetern Fläche sind zurzeit 22 000 Quadratmeter von 160 Gewerbetreibenden genutzt. Einige marode Hallen können nur als Lagerflächen oder Proberäume für Musikgruppen dienen und müssten mit großem Finanzaufwand saniert werden. Kleinere Objekte, zum Teil in den 1950er und 1960er Jahren im hinteren Teil erbaut, müssten wohl Platz machen für eine Neubebauung.

Die Industriehof-Entwickler Stefan Johann, dessen Sohn Sebastian sowie die Trierer Dr. Martin Koch und Jan Eitel, die gemeinsam die Gruppe über das Areal führten, denken an die Erstellung erschwinglichen, sozialverträglichen Wohnraums und für das gesamte Industriehof-Areal an einen Mix aus Handwerk, Kunst und Gastronomie.

Von einer reinen Wohnbebauung distanzieren sich die Investoren. „Früher wohnten die Menschen in Dörfern vorne im Haus und arbeiteten dahinter in ihrer Werkstatt“, schwebt Johann solch ein Dorfcharakter vor.

Von einem Miet-Management verspricht sich der Eigentümer eine bedarfsgerechtere Nutzung. Der eine oder andere Handwerks- oder Dienstleistungsbetrieb könne auf diese Weise in ein für ihn passendes Gebäude umziehen.

Bei den neuen Verträgen seien längere Laufzeiten angedacht. Mit einem „Frühjahrsputz“ wollen die Industriehof-Investoren im Einvernehmen mit den Mietern unansehnliche Ecken und zum Teil nicht mehr erkennbare Grundstücksgrenzen bereinigen, wurde als erster Schritt angekündigt. Auf die von der Stadt auf zwei Jahre angelegte Veränderungssperre weisen Oberbürgermeister Hansjörg Eger und Stadtentwickler Bernd Reif hin.

Eger ist an einer „vernünftigen Mischung“ aus Gewerbe und Wohnen gelegen. Reif kündigt die Ausarbeitung eines Gesamtkonzeptes an, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Beim Bebauungsplan sei gewiss zu berücksichtigen, dass schon 30 Wohnungen von Gewerbebetreibenden genutzt werden und als „verfestigt“ zu behandeln sind.

„Wir denken in langen Zeiträumen“

Dabei ist nach Ansicht von Mitgesellschafter Jan Eitel von Vorteil, dass es mit der Industriehof Speyer GmbH als Eigentümer nur einen Verhandlungspartner für die Stadt gebe. „Wir denken in langen Zeiträumen“, rechnet Koch mit zehn Jahren Entwicklungsarbeit.

Auf die Frage von Ausschussmitglied Julia Rehberger (Wählergruppe) nach möglichem Denkmalschutz, erklärte Stefan Johann, Mitarbeiter der Landesbehörde seien zur Begutachtung da gewesen. Falls irgendwelche Auflagen gemacht würden, halte man sich an diese. „Das erschüttert uns nicht. Auflagen bedeuten mehr Kosten, die dann umgelegt werden.“

Info: Weitere Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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