Speyer

Interview Ein Vierteljahrhundert Oldtime Jazz Festival / Seit fünf Jahren leitet es Bernhard Sperrfechter

„Formatierte Musik beeinflusst wie Fastfood“

Speyer.Der idyllische Ratshof wird vom 16. bis 19. August zum 25. Mal die Jazzfreunde aus dem süddeutschen Raum anziehen. Fünf Bands hat Bernhard Sperrfechter (Bild) für das Oldtime Jazz-Festival verpflichtet. Wir sprachen mit dem Leiter der Musikschule Speyer und Festivaldirektor Bernhard Sperrfechter über das traditionelle Jazz-Meeting.

Herr Sperrfechter, seit wann sind Sie musikalischer Leiter des Jazz-Festivals?

Bernhard Sperrfechter: Dieses Jahr jährt es sich zum fünften Mal, ich habe das Festival 2014 übernommen.

Sie haben Bewährtes von Ihrem Vorgänger Reinhard Köppler übernommen, aber auch neue Wege beschritten, etwa mehr Jugend auf die Bühne geholt. Haben Sie mit einer so positiven Resonanz auf die Blutauffrischung gerechnet?

Sperrfechter: Wir haben ja keine „Revolution“ angezettelt, sondern nur punktuell das Programm – sagen wir mal – erweitert. Uns kommt zugute, dass immer mehr junge Musiker sich für den frühen Jazz interessieren. Hochinteressant ist hier, dass dann diese Musik nicht einfach „gecovert“ wird, sondern in einem frischen Sinne weiterentwickelt wird. Und das mit einer großen Verneigung vor der Tradition dieser Musikrichtung.

Zielen Sie darauf ab, mehr junge Leute für den Jazz zu begeistern?

Sperrfechter: Klar. Menschen, und besonders junge Menschen, lieben Musik und hören diese tagein, tagaus. Leider ist vieles was gehört wird, eine eher formatierte Musik, die mehr den Medien dient, als der Musik. Und das beeinflusst die Hörgewohnheit in etwa so wie Fastfood-Restaurants unsere Essgewohnheiten. Bei live gespielter Musik bei einem Konzert ist das Musikerleben ein völlig anderes, das Publikum ist auch Teil des musikalischen Entstehungsprozesses, im Jazz vielleicht noch mehr als im klassischen Bereich. Kinder und Jugendlichen sollte der Zugang zu Konzertformen aller Art viel stärker ermöglicht werden als heute üblich. Dies ist tatsächlich eine kulturpolitische Aufgabe.

Für den Auftakt haben Sie wieder einmal einen gebürtigen Speyerer verpflichtet. Harald Krüger ist mit Sicherheit der rockigste Zahnarzt Deutschlands. So müssen Sie die Anhänger von traditionellem Oldtime-Jazz auf Freitag und Samstag vertrösten. Dann kommen die eingefleischten Icecream-Fans auf ihre Kosten. Auf welchen Auftritt freut sicher Musik-Chef am meisten?

Sperrfechter: Es war und ist mir und dem Team immer ein Anliegen, etablierte lokale Musiker mit ins Programm zu nehmen. Der Rockabilly von Harald Krüger passt da sicherlich ins Programm, das Festival will ja auch genau diese Randbereiche mit abdecken und tut dies bereits über die Jahre bereits sehr erfolgreich, übrigens schon lange vor meiner Zeit. Ich freue mich natürlich auf jedes Festival immer wieder neu, die Mixtur ist immer etwas anders und deshalb bleibt das Ganze spannend. Wir haben mit den „Original Blütenweg Jazzern“ sowohl Urgesteine des Dixie wie auch mit den „MIB“ eine jazzige Marching Concertband. Schön ist, dass wir mit den „Mama-Shakers“ aus Paris und den „Whiskeydenkern“ aus dem Rhein-Main-Raum zwei hochklassige Bands gewinnen konnten, die allesamt noch sehr jung sind, aber unheimlich viel Spaß haben, dieser Musik einen ganz eigenen frischen und unverbrauchten Touch zu geben.

Eigentlich braucht man für das Speyerer Jazz-Festival keine Werbung mehr. Sehr viele Besucher sind Stammgäste im Ratshof. Womit können Sie dennoch ein paar neue Gästeanlocken?

Sperrfechter: Zum einen ist es diese neue spannende Musikentwicklung, von der ich gerade sprach. Es zeigt sich nun doch immer mehr eine Verjüngung, diese wollen wir abbilden und das wird viele Besucher interessieren. Und dann natürlich das einzigartige Flair des Festivals. Der Innenhof des Historischen Rathauses ist dafür grandios geeignet, das Ganze mitten im Herzen von Speyer, jeder, der noch nicht da war verpasst eigentlich etwas . . . Bilder: Venus

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