Speyer

Dom Seit 1. April ist der Kaisersaal wieder für Besucher zugänglich / Starker Andrang in erster Woche / Ehemaliger Lagerraum idealer Standort für Schraudolph-Werke

Fresken ziehen Besucher mit Strahlkraft an

Archivartikel

Speyer.Zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Stadt zählt seit seiner Eröffnung im Jahre 2012 der Kaisersaal im Dom. Dass der mit einem majestätischen Namen ausgestattete Raum vor der Eröffnung lediglich als Lagerraum genutzt wurde, ist heute kaum mehr vorstellbar.

Über die Wintermonate geschlossen, ist der Saal seit 1. April wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Die außergewöhnliche Besucherresonanz der ersten Tage spiegelt das Interesse der Bevölkerung an diesem faszinierenden Kleinod im Westwerk des gewaltigen romanischen Gotteshauses wider. Bastian Hoffmann vom Besucherzentrum teilte am gestrigen Nachmittag auf Anfrage mit, dass in den ersten sechs Tagen bereits 700 Besucher den Kaisersaal besichtigt haben.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspreche das einer Steigerung um 100 Prozent. Regelrecht überwältigt zeigte sich Martin Haug aus Stuttgart, den die geometrische Klarheit des Raumes ebenso beeindruckte wie die „unglaubliche“ Qualität und Ausdrucksstärke der Fresken. Die erfolgreiche Abnahme anlässlich der 1957 beschlossenen Sanierung des Dominneren bezeichnete Haug im Gespräch mit unserer Zeitung als rettendes Wunderwerk. Tief beeindruckt war am gestrigen Nachmittag auch eine katholische Familie aus dem polnischen Oppeln, die sich vor allem für die Geschichten hinter den Bildern interessierte.

Dabei handelt es sich um neun bedeutende Schraudolph-Fresken, die den 25 Meter hohen und über eine Grundfläche von 500 Quadratmeter verfügenden Raum als Dauerausstellung schmücken. An den Wänden hängen die bis zu knapp 30 Quadratmeter großen Fresken aus dem Bernhard- und Stephanus-Zyklus.

Kreuzzug-Predigt festgehalten

Vier Fresken sind Bernhard von Clairvaux gewidmet, der mit seinen Predigten in Europa einen Sturm der Begeisterung für die Kreuzzüge entfachte. So auch an Weihnachten 1046, als er im Speyerer Dom in Anwesenheit von Kaiser Konrad III. und dem jungen Friedrich Barbarossa zur Teilnahme am zweiten Kreuzzug aufrief. Je zwei Fresken erzählen Geschichten vom Heiligen Stephanus und Papst Stephan I. Als erster Märtyrer des Christentums wurde der Heilige Stephanus wegen seines Glaubens um das Jahr 40 zu Tode gesteinigt. Ein ähnliches Schicksal erlitt Stephan I. Den Papst und Bischof von Rom haben römische Soldaten im August 257 enthauptet. In einer eigens dafür konstruierten Kuppelkonstruktion ist „Die Marienkrönung“ als Hauptwerk der Ausstellung angebracht. Das 40 Quadratmeter große Gemälde mit der Schutzpatronin des Domes zierte bis 1957 die Apsis des Gotteshauses.

Die vom bayerischen König Ludwig I. für das Dominnere in Auftrag gegeben und im Nazarener-Stil von Künstlern der Münchener Akademie unter Leitung von Johann Schraudolph ausgeführten Werke entstanden zwischen 1846 und 1853. Die überbordende Bilder- und Farbfülle stand jedoch nach Meinung späterer Experten in krassem Widerspruch zur schlichten Ästhetik der romanischen Kathedrale, was mit Ausnahme des 24-teiligen Marienzyklus in den Bögen des Mittelschiffes zur verlustreichen Abnahme der Monumentalgemälde führte.

Heute muss man dankbar sein, dass zumindest ein Teil gesichert wurde, der Nachwelt erhalten blieb und die Besucher des Kaisersaales mit ihrer außergewöhnlichen Symbol- und Strahlkraft erfreut.

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