Speyer

Picknick-Konzerte „Stereo Naked“ musizieren zum Abschluss im Quartier Normand

Gemütlich schmausen beim Ohrenschmaus

Archivartikel

Speyer.Auf der Decke von Bürgermeisterin Monika Kabs und Kulturchef und Pressesprecher Matthias Nowack gibt’s zum Reissalat ein Gläschen Sekt, auf anderen Decken schmecken den Besuchern Mini-Frikadellen und ein Gläschen Grauburgunder oder Käsewürfel mit einem aus der Kühltasche gezauberten Roséwein. Und auf mitgebrachten Campingstühlen genießen Konzertbesucher eine am „Currysau“-Stand erstandene Wurst zum Bierchen. An allen Ecken und Enden des großräumigen Platzes der Französischen Garnison auf dem Gelände der ehemaligen Normand-Kaserne wird eifrig geschmaust. Und den Ohrenschmaus zum vierten und für dieses Jahr letzten Sonntags-Picknick liefert das für dieses erfrischende Konzert zum Trio erweiterte Duo „Stereo Naked“.

Tonangebend sind der aus Neuseeland stammende Kontrabassist Pierce Black und die Banjo spielende Sängerin Julia Zech. Die gelernte Jazzsängerin hat Speyerer Wurzeln: Ihr Großvater Josef Zech war Mathelehrer am Kaiserdom-Gymnasium.

Seine in Mainz lebende Enkelin verfügt über eine strahlende Stimme und fügt sich harmonisch zusammen mit dem Bariton ihres rhythmisch Double Bass zupfenden „Stereo Naked“-Partners. Beide entstammen der Bluegrassszene.

Für das Speyerer Konzert hat das ohne Verstärker auskommende (Naked-) Duo mit Marius Pibarot einen ausgezeichneten Fiddler. Er beherscht das fünf-saitige Instrument, das zu den vier Saiten einer Violine zusätzlich eine C-Saite hat, und sorgt für einen beeindruckenden Dreiklang.

Experimenteller Indiepop

„Stereo Naked“ hat sich einen Namen gemacht mit überwiegend selbst komponierten Songs und einem wundervollen Musikmix aus Folk, Country und experimentellem Indiepop. Einige Songs wären auch für Square Dance geeignet. Die oft fröhlich klingenden Melodien, mal als Blues, mal in Dreivierteltakt verpackt, täuschen etwas darüber hinweg, dass „Stereo Naked“ gerne in menschliche Abgründe eintauchen und die harten Seiten des Lebens behandeln. Als Julia Zech den Song „Hell of a Day“ ankündigt, erklärt sie mit Blick auf die strahlende Sonne, „eigentlich müsste heute der Titel abgewandelt werden zu ,Hell of a very nice day’“.

Köstlich ihr Song „Yodel my Name“, bei dem die ihre Musik lebende Sängerin ihre Stimmkraft zu voller Größe ausbreitet. Bisweilen schreibt Julia Zech auch deutsche Texte. In dem Lied „Wohlstandskind“ lässt sie das Gefühl nachempfinden, wenn einem „das Fahrrad geklaut“ wird. Ihr Lied „Raketen und Rauch“ zündet auch ohne Pyrotechnik. Seine Schwierigkeiten mit deutschen Ämtern fasst ihr in Köln lebender kongenialer Partner Pierce Black in dem Song“ „Bills to Pay“ zusammen. In die zu Recht geforderten Zugaben packen die drei hervorragendenSMusiker unter anderem den fidelen „Tennessee Waltz“ hinein.

Als das Trio seine Instrumente zusammenpackt, räumt auch die rund 500 Besucher große Picknick-Familie zusammen. Gespannt ist man auf die vierte Konzertsaison im Grünen, wenn wieder umsonst Musik genossen werden darf. Dabei müsste es kostenlos heißen. Denn „umsonst“ waren die vier sonntäglichen Sommerkonzerte nicht. Das Kommen hat sich stets gelohnt.

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