Speyer

Kunst Ein modernes Werk, das Seiten aus der Bibel präsentiert, stößt bei der Evangelischen Kirche in Kaiserslautern und Speyer auf unterschiedliche Ansichten.

Heftiger Streit in der Pfalz um die Heilige Schrift

Archivartikel

Eignet sich die Bibel für ein ungewöhnliches Kunstprojekt? Ja, sagt die Landeskirche in Speyer. Nein, kontert die Bezirkssynode Kaiserslautern. Im Mittelpunkt des Konflikts steht ein Projekt von Silvia Mielke. Die Künstlerin aus Jockgrim (Kreis Germersheim) entwickelte im Auftrag der Evangelischen Landeskirche die Idee, Seiten aus alten Bibeln herauszutrennen und zu falten.

Die Blätter werden zu einem Band gefügt und auf Kabeltrommeln gerollt. „Die Kabelrollen symbolisieren Kommunikation“, sagt Pfarrerin Mechthild Werner, Initiatorin des Projekts „Vielfalten“. In der Pfalz sollte das Kunstwerk „Vielfalten“ eigentlich Anfang September feierlich in Kaiserslautern präsentiert werden – in Anlehnung an einen Festumzug vor 200 Jahren. 1818 hatten sich die getrennten reformierten und lutherischen Gemeinden der Pfalz in Kaiserslautern zu einer gemeinsamen Kirche vereinigt.

Kritiker: Aktion nicht vermittelbar

Das Spannen von Bibel-Seiten auf eine Kabeltrommel lehnt die Bezirkssynode Kaiserslautern vehement ab. „Wir halten es für keinen angemessenen Umgang mit der Bibel, sie zu zerschneiden“, betont das Gremium. „Mit Seiten, die aus vielen Bibeln herausgetrennt, gefaltet und damit unlesbar gemacht wurden, wollen wir uns nicht als Kirche in der Öffentlichkeit präsentieren – und schon gar nicht bei unserem 200-jährigen Gründungsjubiläum“, unterstreicht die Synode. Den Kirchenmitgliedern sei eine solche Aktion nicht vermittelbar, sagt der Vorsitzende der Bezirkssynode, Hermann Lorenz. Ein Gemeindemitglied habe ihm gesagt, das sei, als ob man einen ausgedienten Abendmahlskelch als Klobürstenhalter verwende.

Ludwigshafen hat Interesse

„Absurd und obszön“ sei der Vergleich, sagt Kirchenrat Wolfgang Schumacher von der Landeskirche in Speyer. „Es geht eben nicht um wertvolle sakrale Gegenstände, sondern um Gebrauchsbibeln, die in neuer Weise eine Rolle spielen. Wir bedauern sehr, dass die Gegner in Kaiserslautern eine solche Diskussion ausdrücklich nicht gewollt haben.“ Schumacher zufolge haben einzelne Gemeinden, Pfarrer und Privatpersonen die Seiten für das Kunstprojekt gespendet. „Sie wollen ihre ausrangierten Bücher nicht in den Altpapiercontainer geben, sondern transformieren, reformieren“.

Statt in Kaiserslautern soll das Kunstprojekt nun in Ludwigshafen und Frankenthal präsentiert werden. „Dort ist das Interesse groß, sich mit der Bibel auseinanderzusetzen. Mit ihrer Geschichte, ihren Inhalten – und auch mit der Frage, was das ,Heilige’ an der Heiligen Schrift ist“, sagt Schumacher. Die Heilige Schrift, so Mechthild Werner, „will immer neu gelesen, gestaltet sein“.

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