Speyer

Bestattungskultur Seit Eröffnung des Friedwalds Dudenhofen haben sich 2650 Menschen hier beisetzen lassen / Namenstafeln und Baumnummern statt Grabmalen

Hier übernimmt die Natur die Grabpflege

Archivartikel

Dudenhofen/Speyer.Vor zehn Jahren ist der Friedwald Dudenhofen eröffnet worden. Er ist der nächste Bestattungsort dieser Art in der Region, nach Schwaigern ist es von Schwetzingen etwa doppelt so weit. 2650 Beisetzungen fanden hier im Wald westlich der Gemeinde Dudenhofen statt. Über 6500 Menschen haben sich bisher zu Lebzeiten für einen Baum oder einen Platz in diesem Friedwald entschieden.

Die Bestattungskultur in Deutschland wandelt sich. „Über Jahrhunderte hinweg gab es nur den klassischen Friedhof als Bestattungs- und Trauerort. Mittlerweile finden Beisetzungen in einem Friedwald immer mehr Anklang“, sagt Bürgermeister Peter Eberhard.

Als ehemaliger Forstrevierleiter bereitete Eberhard vor zehn Jahren die Waldfläche in Dudenhofen federführend zur Eröffnung vor: „Damals wie heute befürworte ich den Friedwald. Mit ihm kann die Gemeinde Menschen eine alternative Bestattungsform ermöglichen, aber ein Friedwald bedeutet auch eine umweltfreundliche Waldnutzung und ist eine Bereicherung für die Region.“

Idyllisch, aber auch praktikabel

Nicht nur idyllisch, auch praktikabel muss ein Friedwald sein. Willi Aures war der erste Friedwald-Förster in Dudenhofen und in den Anfangsphasen unter anderem für die Begehbarkeit des Waldes verantwortlich. „Wir achteten auf feste Hauptwege und dass auch die Abzweigungen durch Erdwege gut begehbar sind. Zur besseren Orientierung errichteten wir Schilder, jeder Weg hat einen Namen“, blickt Aures zurück.

Überkonfessionelle Trauerfeiern

Die Zahlen der Beisetzungen und der Menschen, die sich bereits zu Lebzeiten für einen Baum oder einen Platz im Friedwald entscheiden, steigen jedes Jahr. „Ungefähr ein Drittel der Beisetzungen findet mit christlichem Beistand statt. Die Mehrheit plant eine individuelle, überkonfessionelle Trauerfeier mit einem freien Redner, mit Musik oder in Stille“, sagt Martin Neureither. Der Förster begleitet seit über acht Jahren Beisetzungen im Friedwald Dudenhofen und ist dort Teamleiter und Koordinator.

Die Asche von Verstorbenen ruht in biologisch abbaubaren Urnen an den Wurzeln von Bäumen. Die Grabpflege übernimmt die Natur. So zieren je nach Jahreszeit Wildblumen, Moose, buntes Laub oder Schnee die Baumgräber. Beisetzungen im Friedwald sind nie anonym, da jeder Baum mit einer Baumnummer versehen und in ein Baumregister eingetragen ist. In den meisten Fällen macht eine Namenstafel am Baum auf die Grabstätte aufmerksam.

Landschaftliches Juwel

Ehemalige Sanddünen mitten im Friedwald erinnern daran, dass sich die Erde durch die unterschiedlichsten Einflüsse verändert. Wo vor Jahrmillionen ein Meer war, gedeiht heute ein ökologisch wertvoller Kiefern-Laubmischwald. Entlang der Waldwege stehen zahlreiche Ruhebänke und auch der teilüberdachte Andachtsplatz mit Holzbänken bietet Sitzmöglichkeiten.

Der Wald ist von einem der drei ausgeschilderten Parkplätze aus gut zu erreichen. Am Parkplatz 1 gibt es auch eine barrierefreie Toilette und eine Infotafel mit Terminen und Waldkarten. zg

Info: Termine für kostenlose Waldführungen, Panoramabilder sowie Informationen zur Anfahrt gibt es unter www.friedwald.de/dudenhofen

Das Wichtigste von heute
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel