Speyer

Feuerwache Nord Gesetzliche Vorgaben werden durch den Bau erfüllt / Baubeginn ist noch unbekannt

Hopp: Standort zu 99 Prozent optimal

Speyer.Aus allen Nähten platzt die Hauptfeuerwache in der Industriestraße, von der aus im Schnitt täglich zwei Einsätze zu fahren sind. Wenn’s brenzlig wird und es auf zeitnahes Erreichen des Brand- oder Unfallortes ankommt, gucken Betroffene oder Hilferufende schnell auf die Uhr. Um die gesetzlichen Vorgaben erfüllen und innerhalb von acht Minuten Schlauch bei Fuß stehen zu können, muss die Wehr besser ausgestattet werden. Der Stadtrat ebnete hierfür nun den Weg: Möglichst bald soll eine neue Feuerwache an der Waldseer Straße gebaut werden. Im vergangenen Jahr ermöglichte der Brandschutzbedarfsplan ein weiteres Aufstocken auf eine Personaldecke von 40 Hauptamtlichen.

Schon seit rund acht Jahren wird nach einer geeigneten, einer sinnvollen Ergänzung zur Feuerwache in der Industriestraße gesucht. Lange galt das einstige Bauhaus-Gelände an der Spitze zwischen Schifferstadter und Waldseer Straße als Favorit. Aber da der Eigentümer den Abriss des Gebäudes vermeiden wollte und sich in der Zwischenzeit zur Umnutzung in einen Lebensmittelmarkt entschieden hat (wir berichteten) und der zuletzt diskutierte Standort am Rauschenden Wasser, zwischen Bahndamm und Friedrich-Ebert-Straße in den städtischen Gremien nicht auf Gegenliebe gestoßen war, lenkten die Verantwortlichen inzwischen den Blick auf das Wäldchen neben dem einstigen Bauhaus-Gelände.

Von dieser Wache aus werden dann die Stadtteile Nord und West sowie die A 61 schneller zu erreichen sein, und auch die Innenstadt werden die Rettungsfahrzeuge über Bahnhofstraße und Wormser Landstraße besser erreichen können. Stadtfeuerwehrinspekteur Michael Hopp und sein Team werden nach der Inbetriebnahme der zweiten Feuerwache in der Lage sein, einen höheren „Zielerreichungsgrad“ zu erreichen. Die sogenannte Hilfsfrist, der Zeitraum vom Notruf bis zum Eintreffen der Wehrleute am Einsatzort, reicht von acht Minuten in dicht besiedeltem Stadtgebiet bis hin zu maximal 17 Minuten in abgelegenen Zuständigkeitsbereichen. Den nun gefundenen Standort, den der Wehrleiter bereits vor acht Jahren vorgeschlagen hatte, bezeichnet Hopp als „zu 99 Prozent optimal“.

Städtische Grünfläche

Bis 2018 befand sich das Grundstück als Wald im Eigentum der Stadt. Dann erfolgte die rechtliche Umwandlung des Wäldchens zu einer städtischen Grünfläche. Womit für die Pflege der Bäume, die möglichst zu erhalten seien, nicht mehr Förster Uwe Fehr, sondern die Mitarbeiter der von Steffen Schwendy geleiteten Stadtgärtnerei zuständig sind. Nach Auskunft von Stadt-Pressesprecherin Lisa Eschenbach ist 2007/2008 an dem damaligen Waldstück „ein größerer Waldumbau durchgeführt worden, bei dem bruchgefährdete Pappeln und Robinien entfernt werden mussten. Im Anschluss wurden junge Bäume wie Ahorn, Hainbuche und Kastanie nachgepflanzt.“ Außerdem seien von alleine gekeimte Waldrandgehölze wie Hasel, Pfaffenhütchen, Weiß- und Schwarzdorn gepflegt worden.

Wie Stadtentwickler Bernd Reif in der jüngsten Ratssitzung mitteilte, ist ein ursprünglich geplanter Bau der neuen Feuerwache auf dem versiegelten Bauhaus-Gelände „am Flächenbedarf gescheitert“. Die Stadt habe zuvor mit den Baumarkt-Verantwortlichen darüber verhandelt, einen Teil des Geländes zu erwerben. Dabei sei jedoch „immer klar gewesen“, dass die ursprüngliche Nutzung der Fläche für Nahversorgung bestehen bleiben müsse. Bei der Planung des Feuerwehr-Gerätehauses habe sich jedoch herausgestellt, dass dieses einen zu großen Teil des Bauhaus-Geländes beanspruchen würde. Darum sei die Stadt auf die in unmittelbarer Nähe liegende Grünfläche ausgewichen.

Die von Bäumen bestandene Grünfläche am alten Bauhaus ist mit rund 6300 Quadratmetern ungefähr so groß wie ein Fußballplatz. Knapp ein Drittel des Bauhaus-„Wäldchens“, nämlich 1950 Quadratmeter, müsste für den Bau der neuen Feuerwache Nord gerodet werden. Die von Jugendlichen errichtete BMX-Bahn bleibt von der geplanten Baumaßnahme unberührt und somit bestehen.

Rodungsverbot bis Ende Oktober

Die Rodung könnte frühestens im Herbst durchgeführt werden, derzeit gilt ein Rodungsverbot bis 31. Oktober , erklärte die Pressesprecherin. Der Baubeginn steht in den Sternen. Die Baugenehmigung kann frühestens nach Durchführung der Offenlage des Bebauungsplans erteilt werden, was zurzeit wegen der Corona-Einschränkungen nicht sinnvoll möglich ist.

Die Stadt rechnet mit Baukosten in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro und einem Landeszuschuss von 273 500 Euro. Den Löwenanteil hat somit die Stadt Speyer zu tragen. Geplant sind eine Halle mit drei Feuerewehrstellplätzen sowie Wach- und Sozialräume.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Schwetzinger Zeitung
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional