Speyer

Preisverleihung Arno Reinfrank wäre am Dienstag 85 Jahre geworden / Literaturpreise erinnern an den 2001 verstorbenen Schriftsteller aus Speyer

Ideale des Humanismus und der Aufklärung

Speyer.Der am 9. Juli 1934 in Mannheim geborene, in Ludwigshafen aufgewachsene und am 28. Juni 2001 in London verstorbene Schriftsteller, Publizist und Übersetzer Arno Reinfrank wäre am Dienstag 85 Jahre alt geworden. Arno Reinfrank war Generalsekretär des P.E.N.-Zentrums deutschsprachiger Autoren im Ausland. Der Träger zahlreicher Auszeichnungen hat die Literaturszene mehrere Jahrzehnte mit Gedichten, Erzählungen, Bühnenwerken und Geschichten in Mundart bereichert.

Unvergessen das 2000 im Speyerer Verlag Marsilius erschienene Tagebuchprojekt „Fin de Siècle – die letzten tausend Tage“. In dem 1008 Seiten umfassenden Werk fokussieren der Schriftsteller Arno Reinfrank und der Speyerer Künstler Klaus Fresenius aus der Sicht zweier Generationen die letzten 1000 Tage bis zum Jahrtausendwechsel.

Dauerhaftes Denkmal

Die in London lebende Witwe Jeanette Koch hat ihrem verstorbenen Mann mit dem Arno-Reinfrank-Literaturpreis ein dauerhaftes Denkmal gesetzt. In Kooperation mit der Stadt und der Kulturstiftung wird der mit 5000 Euro dotierte Preis seit 2006 alle drei Jahre in Speyer verliehen.

Ausgezeichnet werden deutschsprachige Schriftsteller für herausragende literarische Leistungen in Lyrik oder Prosa, die sich im Sinne des Werkes von Arno Reinfrank den Idealen des Humanismus und der Aufklärung verpflichtet fühlen beziehungsweise sich literarisch mit den Prozessen und Phänomenen von Wissenschaft und Technik auseinandersetzen.

Letzter Preisträger war 2018 der Berliner Autor Björn Kuhligk, der in seinem Langgedicht „Die Sprache von Gibraltar“ das Schicksal von Flüchtlingen in der spanischen Exklave Melilla verarbeitete.

Arno Reinfranks wird in diesem Jahr gleich mehrfach gedacht. So hat die Witwe gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Konstantin Kaiser von der Theodor-Kramer-Gesellschaft in Wien posthum ein Werk mit mehr als 100 ausgewählten Gedichten von Arno Reinfrank herausgegeben. Die Publikation (ISBN 978-3-901602-80-1) ist unter dem Titel „Die Zwitschermaschine“ erschienen. Dem Vorwort von Konstantin Kaiser schließen sich im Zehn-Jahres-Rhythmus fünf Kapitel mit Gedichten an. Die 164 Seiten umfassende Broschur klingt mit einem Nachwort von Monika Rinck zur Lyrik von Arno Reinfrank und Kurzbiografien der am Buch mitwirkenden Personen aus.

Dazu zählt Klaus Fresenius, der das Titelbild nach einem Motiv von Paul Klee gestaltete. Das im Buchhandel erhältliche Werk soll Mitte September auch bei der Theodor-Kramer-Gesellschaft in Wien vorgestellt werden. In der Planung befindet sich zudem die Präsentation an einem angemessenen Ort in Speyer. Über Zeitpunkt und Form werden derzeit mit der Pfälzischen Landesbibliothek Gespräche geführt.

Obwohl der Arno-Reinfrank-Literaturpreis immer in Speyer verliehen wird, die Witwe enge Freundschaften zu Persönlichkeiten aus der Kunst- und Literaturszene der Domstadt pflegt und wie am 11. Juni beim Auftaktgespräch zum Arno-Reinfrank-Literaturpreis 2021 mit Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler jede Gelegenheit nutzt, Speyer einen Besuch abzustatten, hat sie Ludwigshafen nicht vergessen.

Reminiszenz an Ludwigshafen

So ist die Auslobung des Arno-Reinfrank-Jugendpreises, den Jeanette Koch in diesem Jahr bereits zum siebten Mal an junge Literaten zwischen zehn und 21 Jahren vergibt, als Reminiszenz an den früheren Lebensmittelpunkt ihres Mannes zu verstehen, an den bis heute der Arno-Reinfrank-Weg in Friesenheim erinnert. Daher können auch nur Nachwuchsliteraten am Wettbewerb teilnehmen, die in Ludwigshafen wohnen, arbeiten oder zur Schule gehen.

Die Preisverleihung findet am Montag, 23. September, um 18 Uhr in der Stadtbibliothek von Ludwigshafen statt. Ausgezeichnet werden das beste Gedicht und die beste Kurzgeschichte zum Thema „Mensch und Maschine – gemeinsam in die Zukunft?“ Unterstützt werden die Jugendlichen unter anderem durch die Speyerer Germanistin Barbara Fresenius und den Reinfrank-Preisträger Björn Kuhligk. In einer Lektoratswerkstatt am Samstag, 17. August, (Fresenius) und einer Schreibwerkstatt am Samstag, 24. August, (Kuhligk) wollen sie zur kreativen Förderung der Wettbewerbsteilnehmer beitragen. Bild: Erben

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