Speyer

Arno-Reinfrank-Literaturpreis Jury zeichnet Björn Kuhligk für Gedicht „Die Sprache von Gibraltar“ aus

Illusionslose Verse zum Schicksal Geflüchteter

speyer.„Die Sprache von Gibraltar“ überschreibt der Berliner Autor Björn Kuhligk sein Langgedicht – eindringliche Verse, in denen er das Schicksal der Flüchtlinge in der spanischen Exklave Melilla verarbeitet. Für diese „Poesie der Fakten“ wird der Berliner Autor mit dem mit 5000 Euro dotierten Arno-Reinfrank-Literaturpreis ausgezeichnet, wie die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung schreibt. Zur feierlichen Preisverleihung lädt Oberbürgermeister Hansjörg Eger am Mittwoch, 24. Oktober, um 19.30 Uhr in den Historischen Ratssaal ein.

Hierzu werden Björn Kuhligk aus Berlin und die Stifterin des Preisgeldes, die Reinfrank Witwe Jeanette Koch, aus London anreisen. Die Laudatio hält Michael Au, Literaturreferent des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Rheinland-Pfalz. Aus Wien hat sich der Literaturwissenschaftler Konstantin Kaiser angesagt, um als Mitherausgeber die druckfrische Anthologie „Die Zwischermaschine. Ausgewählte Gedichte von Arno Reinfrank“ vorzustellen. Ferner wird sich der Preisträger mit dem literarischen Werk Arno Reinfranks auseinandersetzen, wie es weiter in der Mitteilung heißt. Kuhligks eigenes literarisches Schaffen steht bei einer Autorenlesung am Donnerstag, 25. Oktober, um 20 Uhr im Historischen Ratssaal im Fokus. Der Eintritt dazu ist frei.

Kuhligks eindringliche Verse, das Ergebnis seiner Reise im Oktober 2015 nach Gibraltar, ans Ende Europas, sei eine Poesie der Fakten im Sinne Arno Reinfranks, befindet die Jury. In gebundener Sprache in der Nähe zur Prosa spiegeln sich wechselseitig objektive Fakten und Impressionen, persönliche Sensibilität und Reflexion. „Kuhligks Langgedicht ist kritisch und selbstkritisch, angerührt und schuldbewusst – aber illusionslos, unpathetisch, abwechselnd ernsthaft und spielerisch-distanziert“, lautete das Urteil der Jury.

Sieger der Überflussgesellschaft

Kuhligks Lyrik berührt Grenzen: die der Gesellschaft und die des poetisch Sagbaren. Angekommen in der Krise am Rande der Gesellschaft, sieht er sich als VISA-König, als einer der Satten und Sieger aus einer Überflussgesellschaft dem Elend der Ausgegrenzten gegenüber. Er hat es aufgegeben, hier zwischen Patrouillenbooten und Hügeln nach Schönheit zu suchen. „Und genau aus dieser Begegnung entsteht seine Poesie der Fakten“, resümiert die Jury.

Björn Kuhligk wurde 1975 in Berlin geboren, wo er lebt und arbeitet. Er ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland und erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Kunstpreis Literatur vom Land Brandenburg Lotto (2013) sowie Arbeitsstipendien des Berliner Senats (2008 und 2015) und das Grenzgänger-Stipendium der Robert Bosch Stiftung (2015). Vor seinem Gedichtband „Die Sprache von Gibraltar“ (2016) erschienen im Hanser Verlag bereits „Es gibt hier keine Küstenstraßen“ (2001), „Am Ende kommen Touristen“ (2002), „Großes Kino“ (2005), „Von der Oberfläche der Erde“ (2009) und „Die Stille zwischen null und eins“ (2013).

In Erinnerung an den 2001 in London verstorbenen Schriftsteller Arno Reinfrank(1934-2001) wird der Literaturpreis alle drei Jahre vergeben. Gestiftet wird er von Jeanette Koch zusammen mit der Stadt Speyer und in Kooperation mit der Kulturstiftung Speyer. zg

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