Speyer

Kunstverein Außergewöhnliche Werkschau mit räumlichen Objekten von Tilmann Zahn / Zerrissenes Papier als Ausgangsmaterial / Zwischen Naturalismus und Abstraktion

Industrieelle Fundstücke als Grundlage seiner Kunst

Archivartikel

Speyer.Unter dem Titel „There is a crack in everything...“ zeigt der Kunstverein räumliche Objekte von Tilmann Zahn, die der Künstler dem Papier als Ausgangsmaterial regelrecht abgerungen hat. In die außergewöhnliche Werkschau führt die Kunsthistorikerin Dr. Martina Wehlte am Sonntag, 5. Mai, um 11 Uhr ein. Die Vernissage im Kulturhof Flachsgasse oder einen späteren Besuch sollten Kunstinteressenten keinesfalls versäumen. Mit der Verpflichtung des 1966 in Osnabrück geborenen und in Basel arbeitenden Künstlers ist dem Veranstalter zweifellos ein großer Wurf gelungen. Qualität, Aussagekraft und künstlerische Botschaft werden von einer bemerkenswerten Symbiose getragen.

Papier und Fundstücke aus der Umwelt – vorzugsweise aus industriellen Anlagen – bilden die Grundlage des künstlerischen Schaffens. Im Endeffekt versteht Zahn seine Arbeit als Reminiszenz an diese Fundstücke.

Angefangen hat alles mit konkreten Zeichnungen in kleinen Formaten. Als Zahn deren Unversehrtheit als störend empfand und fühlte, wie sehr ihn die Fundstücke innerlich berührten, begann ein neuer künstlerischer Abschnitt. Er fing an, die Papierränder zu zerreißen, die in ihrer kantigen Form nun den eigentlichen Fundstücken sehr nahe kamen.

Archaische Ausdruckskraft

Einem inneren Urknall ähnlich, reifte in ihm die Erkenntnis, die fotografischen Vorlagen industrieller Bauwerke und anderer Konstruktionen auf Papier zu projizieren, dann auszureißen und Kunstwerke von archaischer Ausdruckskraft zu schaffen. Sich stilistisch zwischen Naturalismus und Abstraktion bewegend, werden 26 Kunstwerke in unterschiedlichen Formaten gezeigt. Beispielhaft sei hier die 2,20 mal 4,30 Meter messende Arbeit „Radar“ erwähnt. Gefertigt aus hochwertigem Papier und im Öl-Harz-Bad stabilisiert, steht sie stellvertretend für den Hauptteil der Werkschau, die von Beginn und Ende, aber auch vom Ende zu neuen Anfängen erzählt.

Der Eindruck von den Spuren des Lebens, von Auflösung, Zerbrechlichkeit und Vergänglichkeit erinnert an die Vanitas, wobei der Verfall von Industrieruinen durch die erdbraune Farbgebung noch verstärkt wird. Keinesfalls handelt es sich bei den Hybrid-Konstruktionen aber um depressiv machende Installationen. Einen Gegenpool bilden in einem weiteren Werkblock farbige Arbeiten, mit denen Zahn den permanenten Kreislauf von Werden und Vergehen durchbricht, beziehungsweise hoffnungsvoll ausklingen lässt. Mit seinen überwiegend aus sich selbst heraus erklärenden Werken schärft Zahn auf höchst eindrucksvolle Weise das Auge des Betrachters für entwertete Dinge. mey

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