Speyer

Kunsthandwerkermarkt Ausstellung im Innenhof des Historischen Rathauses und der Flachsgasse

Internet öffnet Tür zum Hobby

Speyer.Alpenländische Weihnachtskrippen stehen neben japanischer Goldschmiedekunst aus der Pfalz, filigran geschnittene Schwibbögen platzieren sich neben groben Holzkompositionen: Die Vielfalt macht den Reiz des Kunsthandwerkermarktes aus, der sich an den vier Adventswochenenden im Innenhof des Historischen Rathauses und in der Flachsgasse ins vorweihnachtliche Treiben einklinkt.

Beinahe verpasst hat Hans-Peter Bollinger aus Birkenhördt den Feierabend. Schlichtweg die Zeit vergessen hat der Kreativling, nicht nur aufgrund des Kundenkontakts, sondern auch wegen seiner Arbeit, die er vor Ort in gewissem Maße umsetzen kann. Bollinger arbeitet mit Tiffanyglas. „Allerdings habe ich meinen eigenen Stil“, betont er auf Nachfrage. Moderner als gewohnt zieht Bollinger seine Kunstwerke auf, kombiniert das Glas gerne mit Holz, Achaten oder Dachziegeln. „Das ist ein Erzengel in doppeltem Sinne“, sagt der Aussteller und deutet auf ein Unikat, das tatsächlich einen in Erz gehaltenen Himmelsboten zeigt. Seit über 20 Jahren betreibt Bollinger sein Hobby mit Leidenschaft. Auslöser war eine kaputte Tiffany-Lampe, die er reparierte. „Speyer ist ein guter Markt. Die Wellenlänge mit dem Publikum stimmt“, betont er. Am vierten Adventswochenende wird er deshalb wieder vor Ort sein.

Der Rundgang, vorbei an den spitz zulaufenden, kleinen Zelten, offenbart spannende Handwerkskünste. Schmuck spielt dabei eine Rolle. Die Speyererin Hanna Tochtermann-Bischof mit ihren Salierkronen als Kettenanhänger schließt das beispielsweise ein.

Technik der Klosterarbeiten

Aber auch Christiana Hegen zeigt Außergewöhnliches. „Das sind Christbaumanhänger in der Technik der Klosterarbeiten“, klärt sie auf. Faszinierend ist das Fingerspitzengefühl, das Hegen bei der Umsetzung ihrer Arbeiten an den Tag legen muss. Gepaart mit einer gewaltigen Portion Geduld, wie sie bestätigt. „Das macht mich ganz ruhig“, merkt die Ausstellerin an und beschreibt damit die Konzentration, die für das Hobby notwendig ist. Schon als junge Frau habe sie in Südtirol die Klosterarbeiten bewundert. „Ich bekam immer große Augen, wusste aber nicht, wo man das lernen kann“, verrät sie. Mit dem Einzug des Internets in den menschlichen Alltag habe sich das Tor geöffnet und Hegen habe Kurse in Landshut gemacht. „Es ist aus der Zeit gefallen“, sagt die Domstädterin über ihre Kunst.

Genähtes und Gestricktes, Stirnbänder und Schalen, Feen aus Schafswolle und Serviettentechnik auf Möbelstücken – die Kreativität reißt nicht ab. Mittendrin kulinarischer Genuss: Raclette und hausgemachter Glühwein. Von Freitagabend bis Sonntag ist der Kunsthandwerkermarkt geöffnet. mus

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