Speyer

Städtische Galerie Sechs isländische Künstler stellen ab heute unter dem Titel „Nasasjón“ aus

Intuitive Sicht der Welt

Speyer.Irritierende Werke von sechs isländischen Künstlern sind in einer Ausstellung der Städtischen Galerie zu sehen, die heute Abend um 18 Uhr im Kulturhof Flachsgasse eröffnet wird. „Nasasjón“ ist die Werkschau betitelt, in die Galeristin Kim Behm aus Frankfurt nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Hansjörg Eger einführt. Bei der Vernissage wollen alle Künstler persönlich anwesend sein.

Nasasjón – zu Deutsch etwa Nasensicht – umschreibt die intuitive Sicht auf die Welt im Allgemeinen und auf bestimmte Dinge im Besonderen. Sie reicht über rationale Erklärungsversuche hinaus, weshalb Ahnung und Einfühlungsvermögen gefragt sind. Beim Pressegespräch betonte die Frankfurter Galeristin, die isländische Kunst sei von einer tiefen Verwurzelung mit dem Land geprägt und niemals vordergründig.

Der philosophische Tiefgang erfordert jedoch viel Fantasie. Was ebenso für die Vielschichtigkeit gilt, die sich in Fotos, Zeichnungen, Skulpturen, Installationen und einem Beispiel von Videokunst äußert. Ob gerade das Rätselhafte den Reiz der Präsentation ausmacht, müssen die Besucher entscheiden. So setzt sich Ívar Valgarsson mit der Frage nach der Materialität von Malerei und Farbe auseinander.

Er legt mehrere hundert Schichten Farbe in unterschiedlichen Tönen übereinander. Im Gegensatz zur monochrom wirkenden Oberfläche offenbart die Seitenansicht Einblicke in das Innere, wodurch das Bild zum skulpturalen Objekt wird. Rätsel geben sechs senkrecht und waagerecht aufgehängte Bilderrahmen mit völlig leerem Fotopapier auf. Die Art der Hängung steht nach Aussage des Künstlers symbolisch für Porträts und Landschaften.

Geschichten von Traumbildern

Ráhildur Ingadóttir wiederum erzählt mit ihren Skulpturen und Installationen aus Lavagestein, Wachs und Wolle Geschichten von Traumbildern, von Leichtigkeit im Raum und der Unendlichkeit freier Gedanken. Sólveig Aalsteinsdóttir führte ein dreimonatiges Stipendium nach Venedig, wo es ihr die Kirchen angetan hatten. Um Maße und Wege zu begreifen, hat sie die Gotteshäuser umrundet, dabei ihre Schritte gezählt und die Grundrisse auf Kohlezeichnungen festgehalten.

Ein gesellschaftspolitisches Thema hat Kristinn G. Hararson mit seinen Legebatterien aufgegriffen. Wohl die einzige Arbeit in der Ausstellung, die ohne Erklärung auskommt. Die farbige Bilderfolge auf Fotopapier mit Begleittexten beginnt mit der Ansicht einer riesigen Halle für Legehennen und endet mit dem „Totentanz“ der Betreiber und ihren Knochen, da der Pharma-Einsatz in der Massentierhaltung auch an ihnen nicht „spurlos“ vorüberging.

Einer Choreografie der Finger folgen die gezeichneten Linien von Tumi Magnússon. Die beim Wählen einer Nummer auf dem Smartphone-Display zurückgelegten Wege hat er in farbige Linien übersetzt, die sich als abstraktes Geflecht äußern. Bewegter sind seine Videobotschaften, die er in Endlosschleifen auf vier Bildschirmen zeigt. Mit der immer nach Norden ausgerichteten Kamera hielt er auf Spaziergängen Eindrücke und Geräusche fest.

„Zwischenstadium“ steht für ein Foto von Ingólfur Arnarsson. Damit spielt er auf eine Straßenszene in Reykjavík an, wo zwei Ampeln gerade die Farbe Gelb zeigen. In weiteren Arbeiten sind wolkige Texturen zu sehen, die er, als feines Gespinst kaum wahrnehmbar, mit hartem Bleistift auf Papier gezeichnet hat.

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