Speyer

Flugplatz Fünf neue Gesellschafter haben Wirtschaftlichkeit im Blick / Schwerer Schlag für Mannheim

Jürgen B. Harder hebt künftig in Speyer ab

Speyer.Worms für Schulungsflüge, Speyer für den Geschäftsreiseverkehr und Mannheim für die Linie – so stellen sich die Geostrategen unter den Fliegern die drei Plätze in der Metropolregion für die Zukunft vor. Aber in Zeiten von Corona, dem weltweit einbrechenden Flugverkehr und im Zuge der Nachhaltigkeit, die innerdeutsche Linienflüge verzichtbar erscheinen lassen, muss die Frage erlaubt sein, wozu brauchen wir den Flugplatz Mannheim noch, wenn die einzige wirtschaftliche Linie, die dort zumindest im Sommer zu betreiben ist, die nach Sylt ist und die Betreibergesellschaft Rhein-Neckar-Air genauso in den roten Zahlen feststeckt wie die Flugplatzbetreibergesellschaft, die vor allem von den hier abfliegenden Geschäftsreisenden in Privatjets durch Nothilfen am Leben gehalten wird.

Seit Montag steht nun auch noch fest, dass einer der bisherigen Geldgeber, der Hockenheimer Unternehmer Jürgen B. Harder, künftig mit zwei Jets vom Speyerer Flugplatz aus fliegt, der mit seiner auf 1677 Meter ausgebauten Landebahn deutliche Vorteile gegenüber Mannheim mit nicht erweiterbaren 1066 Metern hat. Harder ist einer von fünf neuen Gesellschaftern, die am Montag mit je fünf Prozent Anteilen in die Flugplatzbetreibergesellschaft (FSL) eingezogen sind. Auch, weil Speyer schon im März 2022 ein Instrumentenanflugverfahren bekommen soll und somit beim wohl letzten Vorteil Mannheims gleichauf ziehen kann. Dort dürfte man das Abwandern von Jürgen Harder mit einiger Bitternis sehen, zumal andere Betreiber von Geschäftsreiseflotten Abwanderungsgedanken äußern, diese aber teils durch Vorauszahlungen und langfristige Verträge gebunden sind.

2021 will Kern die schwarze Null

Deutlich wird dabei: Die Wirtschaftlichkeit des Speyerer Flugplatzes hat sich rapide verbessert, seit Roland Kern ein zweites Mal die Geschäftsführung übernommen hat. Das liegt zum einen daran, dass man mit 5,5 Mitarbeitern hier gegenüber 28 in Mannheim (Linienbetrieb ist immer beschäftigungsintensiv) die Kostenseite niedrig hält. Auf der anderen Seite hat Speyer mit knapp 40 000 Flugbewegungen trotzdem eine ähnliche Marke erreicht wie Mannheim. Und Kern ist es gelungen, Nebengeschäfte zu etablieren. Der Bau und die Vermietung von Hangars ist da nur eine Sache – vier weitere könnten in nächster Zeit gebaut werden. Man lege Wert darauf, lärmarme Flugzeuge in Speyer zu stationieren, sagt Kern auf Anfrage.

Im vergangenen Jahr wurde zudem die Flugplatz-Tankstelle übernommen. Statt der bisherigen Beteiligung profitiert die Gesellschaft jetzt von jedem Tankvorgang komplett. Folge: Das Defizit liegt mit 287 333 Euro 2019 nochmals 75 000 Euro unter dem bisher niedrigsten Defizit 2018. Für 2020 erwartet Kern ein ähnliches Defizit, denn in Speyer macht sich die Corona-Krise kaum in Sachen Landegebührrückgängen bemerkbar. Und womöglich ist für 2021 sogar eine schwarze Null im Bereich des Möglichen.

Dass es nun neue Gesellschafter am Speyerer Flugplatz gibt, wurde erst möglich, weil die IHK Pfalz ihre Anteile abgegeben hat, die sie hielt, solange der Ausbau des Platzes lief. Alle – auch Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler, die zu Beginn ihrer Amtszeit mal die Schließung des Flugplatzes ins Gespräch gebracht hatte – sind sehr angetan vom Einstieg der fünf neuen Gesellschafter. Neben Jürgen Harder sind mit je fünf Prozent Anteilen neu dabei: Die Airside GmbH mit Sitz am Flugplatz, die von hier aus Schmierstoffe für Luftfahrzeuge von Liqui Moly vertreibt, das weltweit tätige Bauunternehmen Heberger aus Schifferstadt, das früher schon mal beteiligt war, die Silvercloud Air mit sieben hier stationierten Jets und die Firma Stadtler + Schaaf mit Sitz in Offenbach an der Queich. Die übrigen Gesellschafter sind die Verkehrsbetriebe Speyer (12,6 Prozent), die Stadt Ludwigshafen (6,3), der Rhein-Pfalz-Kreis (6,3), die BASF SE (7,94) und die Flugplatzbeteiligungsgesellschaft FSB (41,86) ebenfalls eine Tochter der BASF.

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