Speyer

Salier-Gesellschaft Thomas Jünger stellt in Vortrag Deutschen Orden und seine Arbeit vor

Karitative Aufgaben stehen im Vordergrund

Speyer.Zu einer über 800-jährigen Zeitreise hat die Salier-Gesellschaft in den Schulze-Delitzsch-Saal der Volksbank Kur- und Rheinpfalz eingeladen. „Der Deutsche Orden – von seinem Ursprung bis zur Gegenwart“ lautete das Thema des Vortrages von Thomas Jünger (Bild). Der in Wiesbaden lebende Jurist ist Leiter der Komturei „An Rhein und Main“ und gilt als Experte auf dem Gebiet der Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte des Deutschen Ordens, den man auch als Deutschherrenorden oder Deutschritterorden kennt.

Bei der gut besuchten Veranstaltung vermittelte er tiefe Einblicke in die römisch-katholische Ordensgemeinschaft, die derzeit 1100 Mitglieder hat. Darunter befinden sich 100 Priester und 200 Ordensschwestern. Hauptsitz ist Wien, höchster Repräsentant der Hochmeister. Schutzpatrone sind die Heilige Elisabeth von Thüringen und der Heilige Georg.

Nach einer bewegten Vergangenheit hat sich der Orden in der Neuzeit auf seine ursprünglichen Ideale besonnen und widmet sich vorwiegend karitativen Aufgaben. Er ist in der Krankenhaus-, Altenheim- und Kinderheimbetreuung aktiv, engagiert sich in der Sucht- und Behindertenhilfe sowie in der Pfarr- und Krankenhausseelsorge.

Jüngers Blick zurück offenbarte eine wechselvolle Geschichte mit teils dramatischen Verwerfungen. Gegründet wurde der Orden im Jahre 1190. Es war die Zeit des Dritten Kreuzzuges (1189 bis 1192), in der Männer wie König Richard I. (Löwenherz) teils blutige Geschichte schrieben.

Elend der Verwundeten gelindert

Auslöser zur Gründung des Ordens waren Elend und Hilfsbedürftigkeit von Verwundeten in einem Feldlazarett während der Schlacht um Akkon (1189 bis 1191). Zunächst als Spitalgemeinschaft ins Leben gerufen und 1191 als Hospitalbruderschaft anerkannt, erfolgte bereits Ende des Jahrzehnts die Umwandlung in einen Ritterorden, der sich in erster Linie als karitative Gemeinschaft, aber auch als ritterliche Kampfgemeinschaft zum Schutz der Pilger im Heiligen Land verstand.

In den Jahrhunderten danach bestimmten Höhen und Tiefen wie das Verbot des Ordens durch die Nationalsozialisten das Geschehen. Auf Zeiten, in denen der Orden zu den wichtigsten Institutionen in Europa zählte, folgten Phasen bis zur Bedeutungslosigkeit. Ununterbrochen Bestand hat seit mehr als 800 Jahren lediglich die Anerkennung durch den Papst.

Jünger rief ins Gedächtnis, dass die Mitglieder des Ordens sich zwar grundsätzlich dem Gebot der Nächstenliebe verpflichtet fühlten, fallweise aber auch staatliche Interessen verfolgten. Als geschichtliche Meilensteine erwähnte der Referent die vernichtende Niederlage des Ordens in der Schlacht bei Tannenberg 1410, spätere Engagements in den Türkenkriegen, Einflüsse der Reformation und die teilweise Auslöschung des Ordens durch Napoleon.

Von 1220 bis 1797 war der Orden auch in Speyer präsent. Etwa dort, wo sich heute das Historische Museum der Pfalz und das Verwaltungsgebäude des Evangelischen Landeskirchenrates befinden, hatte eine Kommende (Komturei) ihren Sitz, die 1797 von Napoleon aufgelöst wurde. „Als in heutiger Form einzigartige Institution in der katholischen Kirche fühlen wir uns dem Kreuz auf Ordensmantel und Wappen verpflichtet“ schloss Jünger unter dem Beifall seiner Zuhörer. mey

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