Speyer

Bistum Gaby Kemper soll die Diözesanversammlung leiten / Steuerrückgänge beschleunigen den Prozess der Konsolidierung der Finanzen erheblich

Kirche will ganze Arbeitsbereiche aufgeben

Archivartikel

Speyer.Premiere für die Diözesanversammlung des Bistums Speyer, die jetzt pandemiebedingt in Form einer Videokonferenz tagte. Im Mittelpunkt standen die Erstellung der Wahllisten für die Gremien, die ersten Ergebnisse des Visionsprozesses und die Setzung pastoraler Schwerpunkte im Blick auf die rückläufigen finanziellen Mittel. Die Mitglieder berieten außerdem über den ökumenischen Prozess.

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann machte deutlich: „Trotz der aktuellen Kontaktbeschränkungen wollten und konnten wir die Diözesanversammlung nicht verschieben. Denn wir haben die Herausforderungen der Pandemie zu meistern.“ Sie habe viele Entwicklungen beschleunigt. Die neue Diözesanversammlung nannte er „ein zukunftsweisendes Instrument von hoher Bedeutung, um gemeinsam zu beraten und zu entscheiden, wie wir die Zukunft des Bistums gestalten.“

In einer Videobotschaft würdigte Kirchenpräsident Dr. Christian Schad die enge Verbundenheit zwischen dem Bistum und der Evangelischen Kirche der Pfalz. Der vor fünf Jahren unterzeichnete „Leitfaden für das ökumenische Miteinander“ habe den Boden für viele gelungene ökumenische Projekte bereitet. Schad warb für ein weiteres Zusammenwachsen von Bistum und Landeskirche. „Das, was uns schon jetzt verbindet, lässt uns die Unterschiede, die es nach wie vor zwischen uns gibt, wechselseitig als Reichtum verstehen. Der Auftrag Jesu ist wichtiger, als das Beharren auf konfessionellen Identitäten“, so Schad.

Synergien aus der Ökumene ziehen

Im Projekt „Zusammen Wachsen“ sollen die positiven Erfahrungen, die durch den „Leitfaden für das ökumenische Miteinander“ auf der Ebene der Gemeinden angestoßen wurden, auf der Leitungs- und Verwaltungsebene fortgeschrieben und in einem Gesamtprozess gebündelt werden. Alle Handlungsfelder werden in den Blick genommen, wo die Kirchen künftig noch enger zusammenarbeiten können. „Dabei kann ein vertieftes Miteinander in dreifacher Weise geschehen: gemeinsam, arbeitsteilig oder auch stellvertretend“, betonten die beauftragten Sutter und Stubenrauch. Zum Beispiel in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, beim Personaleinsatz oder der Bildungsarbeit, aber auch die gemeinsame Nutzung von Gebäuden biete Synergieeffekte und Einsparpotenziale.

Zur Wahl als Vorsitzende der Diözesanversammlung wurde Gaby Kemper vorgeschlagen. Sie wohnt in der Pfarrei Heiliger Theodard in Rülzheim, arbeitet dort seit 2009 in Gremien und Ausschüssen mit und ist seit 2016 Pfarreiratsvorsitzende. Als Delegierte des Dekanats Germersheim ist sie seit 2016 Mitglied des Katholikenrats und seit 2018 Mitglied in dessen Vorstand. Für die Mitarbeit im Vorstand kandidieren Thomas Heitz (Katholikenrat/ BDKJ), Maria Lajin (Katholikenrat) und Klaus Scheunig (Vertreter der Pastoralreferenten).

Felix Goldinger stellte erste Ergebnisse des Visionsprozesses Segensorte vor, den das Bistum beim Katholikentag im September 2019 gestartet hat. Trotz der Pandemie ist die Einladung zur Mitwirkung auf fruchtbaren Boden gefallen: Rund 4350 Personen quer durch alle kirchlichen Handlungsfelder und Dekanate haben sich bei 262 Ortsterminen zu einer Vision fürs Bistum Gedanken gemacht. „Auch wenn es anders geworden ist als geplant, so ist es doch gut geworden“, würdigte Felix Goldinger die hohe Beteiligung. Angesichts der 85 Hilfsangebote, die seit dem Lockdown im Frühjahr auf der Segenslandkarte eingetragen wurden, sprach er von einer „Welle der Solidarität“.

Der vorgestellte Entwurf beschreibt die Vision im Bild eines gemeinsamen Hauses. Das Wertefundament des Hauses wird mit den vier Adjektiven „inspirierend, wertschätzend, verantwortungsvoll und solidarisch“ umschrieben. Sechs Räume – das Zuhause, die offene Tür, der Tisch, der Garten, die Werkstatt und der Raum der Stille – stehen für unterschiedliche Dimensionen der Vision. Mit der Vorstellung des Entwurfes startet im Visionsprozess jetzt die zweite Etappe, die als Resonanzphase angelegt ist. „Wir wollen uns das Gehörte durch Kopf und Herz gehen lassen“, erklärt Goldinger und lädt alle Interessierten zu Rückmeldungen ein. Dazu wird auf der Homepage zum Visionsprozess ein digitaler Resonanzraum eröffnet.

Die Nagelprobe für die Kirche

Auf die Notwendigkeit, im Blick auf die rückläufigen finanziellen Mittel pastorale Schwerpunkte zu setzen, ging Generalvikar Sturm in einem Impulsvortrag ein. Das Bistum rechnet 2020 mit 15 bis 20 Millionen weniger Einnahmen. „Corona hat unsere Probleme beschleunigt. Aber Corona ist nicht der Auslöser, sondern eher ein Brandbeschleuniger“, machte er deutlich. Nach einer Prognose der Universität Freiburg werde sich die Zahl der Katholiken im Bistum Speyer bis zum Jahr 2060 voraussichtlich um mehr als 50 Prozent verringern. Das habe massive Auswirkungen auf die Finanzen, denn die Diözese finanziere ihre Arbeit hauptsächlich über die Kirchensteuer. Den Synodalen Weg der Kirche in Deutschland bezeichnete er als eine „Nagelprobe der Glaubwürdigkeit“. Wenn hier nicht Wesentliches passiere, seien Enttäuschungen vorprogrammiert.

Generalvikar Sturm kündigte an, dass das Bistum Speyer auch Bereiche aufgeben und den Stellenabbau sozialverträglich gestalten werde. „Wir können nicht mehr so weitermachen wie bisher. Wir haben schon zu oft ein paar Prozentpunkte weggenommen und dann erwartet, dass man doch weiterarbeiten kann. Das ging auch auf Kosten der Mitarbeitenden“, so Sturm. Daher wird das Bistum Speyer im November unter den Mitgliedern der Diözesanversammlung eine Umfrage dazu starten, wofür das Bistum seine Kraft und Finanzen künftig einsetzen soll.

Das Bistum will auch prüfen, wo durch eine vertiefte ökumenische Zusammenarbeit Energien gebündelt und Mittel schonender eingesetzt werden können. Sturm rief dazu auf, ein Einsparvolumen zwischen 15 und 20 Prozent anzupeilen.

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