Speyer

Deutsch-britische Zusammenarbeit 15 Gemeinden in der Pfalz pflegen derzeit Kontakte vor Ort

Kirchen wollen enge Partner bleiben

Archivartikel

Speyer.Im Angesicht des bevorstehen Brexits werden Partnerschaften wie die zwischen der United Reformed Church (URC) und der Evangelischen Kirche der Pfalz mehr denn je gebraucht. Dies haben der Ökumenereferent der URC, Philip Brooks, und der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad bei einer Begegnung in Speyer erklärt.

Sie sind sich einig: „Der direkte Kontakt trägt dazu bei, dass Vorurteile abgelegt und Freundschaften entstehen. Mit jeder Begegnung wird deutlich, dass Europa mehr als ein Wirtschaftsraum ist, vielmehr ein Kontinent, auf dem Menschen in Frieden zusammenleben wollen.“

Brooks zeigt sich besorgt über die Ankündigung des neuen britischen Premierministers, den Brexit auch ohne Vertrag zu vollziehen. „Das ist besonders für die ärmeren Bevölkerungsschichten von Nachteil“, sagt der Pfarrer. Auch in den Kirchengemeinden werde das Für und Wider eines EU-Austritts diskutiert. Dabei stimmten eher ältere Mitglieder für den Brexit, jüngere hingegen sorgten sich um ihre Zukunft.

Kirchenpräsident Schad erinnert an den Beginn der Partnerschaft. Mitglieder der Kongregationalistischen Kirche hatten deutsche Kriegsgefangene betreut. Aus diesen Begegnungen seien Freundschaften entstanden, die zu Hilfsmaßnahmen für pfälzische Gemeinden führten. „Statt Vergeltung wurde Versöhnung praktiziert, statt Rache geschwisterliche Liebe geübt“, so Schad. Aus diesem Geist habe sich 1957 nicht nur die offizielle Partnerschaft entwickelt. Im gleichen Jahr seien auch die Römischen Verträge als Basisdokument der Europäischen Union geschlossen worden.

Eine besondere Strahlkraft

Auch für das Zusammenwachsen der Kirchen in Europa habe die pfälzisch-britische Partnerschaft besondere Strahlkraft entwickelt, betonte der Kirchenpräsident. So sei die 1957 vereinbarte und praktizierte Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft ein entscheidender Impuls für die im Jahr 1973 erfolgte Übereinkunft von 69 europäischen Kirchen gewesen. „Wir waren Schrittmacher auf dem Weg zur Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“, so Schad.

„Christen können Europa eine Seele geben“, fasste der Ökumenedezernent der Landeskirche, Oberkirchenrat Manfred Sutter, die Bemühungen für eine friedliche und sozial gerechte Union zusammen. Daher erinnere man bei einer Konferenz der URC und der pfälzischen Landeskirche vom 7. bis 9. November in Frankenthal an den Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren und frage gemeinsam danach, „wie unsere Kirchen den Aufbruch von damals für den europäischen Gedanken heute fruchtbar machen können“.

Zur United Reformed Church gehören in England, Schottland und Wales rund 50 000 Mitglieder in 1500 Gemeinden, in denen etwa 400 Pfarrerinnen und Pfarrer arbeiten. Zahlreiche dieser Gemeinden bilden zusammen mit anderen Kirchen eine Gemeinde vor Ort, unter anderem mit der methodistischen, der baptistischen und der anglikanischen Kirche. In der Pfalz unterhalten derzeit 15 Gemeinden Partnerschaften mit URC-Gemeinden. lk

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