Speyer

Vogelangriffe Mitarbeiterin des Klinikums drei mal angefallen / Vorfälle während der Brutzeit normal

Krähe attackiert mehrfach wie in Hitchcocks „Die Vögel“

Archivartikel

Mannheim.Sie sind groß und schwarz, krächzen anstatt wie anderen Vögel zu singen und verteidigen ihre Jungen vehement: Am Neckarufer beim Uniklinikum in Mannheim sind in der vergangenen Woche mehrere Passanten von Krähen angegriffen worden. „Ich wurde drei Mal attackiert“, berichtet eine Mitarbeiterin – und das innerhalb von zwei Tagen. Sie fuhr am Mittwochmorgen mit dem Fahrrad von der Arbeit nach Hause, als sie am Theodor-Kutzer-Ufer an der Friedrich-Ebert-Brücke im Vorbeifahren eine Krähe auf dem Geländer sitzen sah, berichtete sie. „Sie hat sich aus dem Hinterhalt auf meinen Kopf gesetzt und mit den Krallen gekratzt oder mit dem Schnabel gepickt.“ Die Mitarbeiterin habe den Vogel mit den Händen abgewehrt und sei weitergefahren. „Das hat wehgetan“, ihre Verletzungen waren allerdings nur leicht.

Dreimal an zwei Tagen angegriffen

Am darauffolgenden Morgen kam eine Krähe erneut auf sie zugeflogen, sie konnte sie aber abwehren, erzählt sie. Am Donnerstagabend nahm die Angestellte des Klinikums vorsichtshalber einen Regenschirm zum Schutz mit – und setzte ihn auch direkt ein: Die Krähe habe den Schirm kaputt gemacht. Zwei Kolleginnen von ihr seien ebenfalls beim Radfahren und beim Joggen am Ufer angegriffen worden.

Naturschutzbeauftragter Gerhard Rietschel hält es für normal, dass die Tiere ab und zu Menschen angreifen: „Wenn die Junge haben, die am Boden sitzen, dann verteidigen die Vögel die.“ Insbesondere wenn Spaziergänger mit Hunden unterwegs sind, greifen die Tiere gerne mal an, sagt Rietschel. Zu einer ernsthaften Verletzungen käme es aber nicht, es bleibe ihm zufolge meistens beim Schreck. „Sie sind nicht dafür bekannt Krankheiten zu übertragen, ausschließen kann man das aber nie, jedes Lebewesen könnte etwas übertragen“, schätzt Paul Hennze Vorsitzender des Nabu Mannheim die Tiere ein. „Spezielle Krankheiten werden durch die Vögel nicht übertragen“, bestätigt die zuständige Sprecherin der Stadt Désirée Leisner. „Ich will dass die Menschen Bescheid wissen und dass ihnen nicht dasselbe wie mir passiert“, fordert die Mitarbeiterin des Klinikums. Sie könne sich beispielsweise ein Schild vorstellen, dass auf die Vögel hinweist. „Nicht, dass noch jemand vom Fahrrad fällt.“ Das ist aber nicht geplant Die Stadt informiere die Bürger nicht über die Vögel, da keine Lebensgefahr bestehe. Das sei lediglich bei Tieren wie Wölfen oder Wildschweinen der Fall.

Rietschel rät Spaziergängern und Radfahrern, den Krähen aus dem Weg zu gehen. Leisner empfiehlt, sich mit einem Schirm zu schützen.

Beim Veterinäramt, das für solche Fälle zuständig ist, hat sich nur eine Person gemeldet, die Ende Mai von einer Krähe angegriffen wurde. Im vergangenen Jahr war dem Amt kein Fall bekannt. Das Uniklinikum hingegen hat dieses Jahr in der Notaufnahme fünf bis sechs Fälle behandelt, bei denen Passanten von den Vögeln verletzt worden waren, teilte der Sprecher des Klinikums Dirk Schuhmann mit. „Das waren eine handvoll Menschen, wie jedes Jahr mit kleinsten Kratzern“. Solche Verletzungen, könnte jeder normaler Hausarzt behandeln, die Leute kämen lediglich ins Klinikum da es in der Nähe sei. Allerdings gab es einen Fall, bei dem ein Radfahrer, von einer Krähe attackiert wurde und daraufhin von seinem Rad stürzte, berichtete Schuhmann.

Appell an die Vernunft

Die Polizei habe bei sich im System keinerlei Angriffe von Krähen aufgeführt, teilte Sprecher Christoph Kunkel mit. Es gebe lediglich ein paar Vorkommnisse mit Greifvögeln während der Brutzeit. „Wir appellieren an die Vernunft und Einsicht, Vögel die Nisten und Brüten eher zu meiden“, sagt Kunkel. Ihm zufolge sei es verständlich, dass die Tiere ihren Nachwuchs, wie jedes andere Lebewesen auch, schützen wollen. Zuständig für solche Fälle sei außerdem das Veterinäramt der Stadt und nicht die Polizei.

Bereits im vergangenen Jahr wurden im Mai mehrere Passanten angefallen. Drei bis fünf Patienten seien hinter der Heinrich-Lanz-Schule, die sich gegenüber vom Uniklinikum befindet von den Vögeln verletzt worden, bestätigte Schuhmann. jor

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