Speyer

Satire Reinhard Zink greift Rebläuse als Schädlinge für die geplante Einweihung einer Vinothek auf

Letztes Abendmahl wird zur Weinprobe

Speyer.Die Reblaus wird als Schädling von Winzern gehasst, bietet andererseits jedoch Künstlern mannigfaltige Möglichkeiten, sich ernst oder satirisch mit der im 19. Jahrhundert aus Nordamerika eingeschleppten Pflanzenlaus aus der Familie der Zwergläuse (Phylloxeridae) auseinanderzusetzen.

Nun hat der Speyerer Kunsterzieher Reinhard Zink das Thema aufgegriffen und für die geplante Einweihung einer Vinothek im pfälzischen Großfischlingen eine 30 Vinellos umfassende Serie satirischer Bilder gefertigt. Der 1950 in Ludwigshafen geborene Zink wirkte von 1980 bis 2011 als Kunsterzieher am Staatlichen Hans-Purrmann-Gymnasium in Speyer. In seiner aktiven Zeit unterrichtete er unter anderem den heute in New York lebenden Künstler Elias Wessel, der aktuell mit einer großen Ausstellung beim Kunstverein Speyer auf sich aufmerksam macht (wir berichteten in unserer Samstagsausgabe, 5. Januar).

Als Maler hat sich Zink auf zwei Schwerpunkte konzentriert. Dazu zählt Lateinamerika mit Maya-Ausstellungen in Speyer, Bogotá und Ludwigsburg sowie als zweite Schiene das Thema Wein, zu dem Bilder bereits in der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, beim Kunstverein Germersheim und im Zehnthaus Römerberg zu sehen waren.

Inspiration von Künstlern

Als Besonderheit der Reblaus-Serie ist festzuhalten, dass Zink sich stilistisch von weltbekannten Künstlern wie Leonardo da Vinci, Pablo Picasso, Hieronymus Bosch und anderen Größen des Genres inspirieren ließ. So hat er das Abendmahl von Leonardo da Vinci in eine von Rebläusen abgehaltene Weinprobe umgedeutet, denen der Wein offensichtlich als Stimulator und Katalysator für das eigene Wohlbefinden dient. Überwiegend stellt Zink die Reblaus auch nicht als zerstörerischen Schädling, sondern als lustiges Genusswesen dar. Zu den Ausnahmen gehört die Arbeit „Der Pfälzer Totentanz“ nach Hans Holbein dem Jüngeren, auf dem ein menschliches Skelett, das man als ruinierten Winzer interpretieren könnte, mit grimmiger Miene eine Reblaus aufspießt. Einen ernsten Hintergrund hat auch das Werk „Filoxera-Guernica“, frei nach Pablo Picassos Monumentalgemälde Guernica. Weitaus fröhlicher geht es bei der „Versuchung des Bacchus“ zu, gemalt nach dem trinkenden Bacchus von Guido Reni und der Versuchung des heiligen Antonius von Hieronymus Bosch. „Die „Geburt der Phylloxera“ wiederum erinnert an Sandro Boticellis Gemälde „Die Geburt der Venus“, das in den Uffizien von Florenz zu bewundern ist.

Grundlage der in einer ausgeprägten Kreativphase entstandenen Arbeiten bilden Zeichnungen mit wasserfestem Tuschestift, die Zink mit Rotwein lavierte und fallweise mit Aquarellfarben kolorierte. In allen Werken verzichtete der Künstler auf eine biologisch korrekte Abbildung, betonte jedoch mit einer überdimensionalen Darstellung den gefürchteten Saugrüssel des Schädlings, dem Zink malerisch auch schon mal bei einer Spritzaktion den Garaus macht.

Info: Mehr Bilder gibt’s unter www.schwetzinger-zeitung.de

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